Drosten warnt vor „quälend langem Winter“ Corona-Prophet sieht Deutschland schlecht für nächste Welle gerüstet

Von Daniel Weinmann

„So einfach werdet Ihr mich nicht los :-)“ twitterte Christian Heinrich Maria Drosten, um auf seinen Podcast in der „FAZ“ zu verweisen. Deutschlands oberster Pandemie-Erklärer beendete Ende März dieses Jahres nach 113 Ausgaben sein NDR-„Coronavirus-Update“ als regelmäßigen Podcast, mit dem er in den ersten Monaten mehr als 40 Millionen Menschen erreichte. „Ich habe ein Institut zu leiten“, begründete er damals seinen Abschied.

So ganz lassen kann es der Charité-Virologe offensichtlich doch nicht. Die „FAZ“ kam ihm dafür sicherlich gerade recht, gehört das Blatt doch zu den reichweitenstarken Medien, die nie eine Corona-Maßnahme hinterfragt haben. So überraschte es wenig, dass sich der zuständige Redakteur gegenüber Drosten geradezu servil gerierte.

Der Wissenschaftler, der nie mit einem Lächeln abgelichtet wurde, fürchtet im Podcast, dass Deutschland in der Forschungspolitik nicht die richtigen Schlüsse aus der Coronakrise zieht, da sich mit dem Ukraine-Krieg die Prioritäten ändern. „Ich mache mir große Sorgen über das Forschungsbudget in Deutschland“. Dazu tragen vor allem die seiner Ansicht nach „eindeutigen Signale“ bei, dass Berlin das Forschungsbudget ab dem nächsten Haushalt kürze.

»Nicht allzu viel an Verbesserungen« bei Affenpocken

Drosten bricht eine Lanze für die Kanzlerin a.D. Angela Merkel. Sie habe in der letzten Wirtschaftskrise entschieden, dass nur bei der Forschung nicht gespart werde, „weil das uns in Zukunft rettet“. Für eine mögliche neue Welle sieht er Deutschland nur unzureichend gerüstet. „Im Nachgang werden weltweit die Strukturen verbessert werden“, so Drosten, „an anderen Stellen im Detail sind wir aber jetzt im Moment noch nicht so weit, dass da schon nachreguliert wurde.“

Als Beleg dafür, dass sich die Strukturen hierzulande nicht genug verändert haben, führt er den Umgang mit den Affenpocken an: „Wir brauchen unbedingt das nächste Mal, wenn jetzt so ein möglicherweise pandemisches Problem kommt, sofort eine Registrierung von Patienten in klinischen Beobachtungsstudien, und wir brauchen gleich Kontrollgruppen.“ Gerade bei den Affenpocken sieht er „nicht allzu viel an Verbesserungen“.

Apropos Affenpocken: Die Weltgesundheitsorganisation will nicht nur die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstands wegen der zunehmenden Verbreitung dieses Virus prüfen, sondern arbeitet eigenen Angaben zufolge zusammen mit Experten an einem neuen Namen für das Affenpocken-Virus. Vorschläge für neue Namen sollten so bald wie möglich erfolgen, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vor Journalisten in Genf. Zuvor hatten 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen „nicht diskriminierenden“ und „nicht stigmatisierenden“ Namen gefordert.

Vom frühen Herbst an viele Arbeitsausfälle

Drosten selbst hatte bislang weder Affenpocken noch eine Corona-Infektion. „Wir hatten eigentlich die gesamte Zeit sehr wenig Infektionen im Team. Es sind ja alles Virologen, die wissen, worauf es ankommt“, erklärt er über jeden Zweifel erhaben.

Aus dieser Perspektive heraus postuliert er, dass „wir uns darauf verlassen können, dass wir eine sehr starke Erhöhung der Inzidenz bekommen.“ Wenig überraschend rät der Superstar der Virologie zur vierten Impfung im Herbst mit den dann neuen „Varianten-Update-Impfstoffen“ gegen die BA1-Variante.

Auf den Intensivstationen sieht Drosten indes „nicht mehr so stark das Problem“. Stattdessen müsse man bereits vom frühen Herbst an mit vielen Arbeitsausfällen rechnen. Die Arbeitgeber werden das spüren, sagt der gebürtige Emsländer voraus, „und die werden das über quälend lange Zeit merken in dem kommenden Winter.“

David
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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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