Hamburg bietet Salafisten offene Bühne – und alle schauen weg Kalifat und Scharia in Deutschland

Von Kai Rebmann

Stellen wir uns einen ganz kurzen Moment vor, die Identitäre Bewegung würde öffentlich für eine Veranstaltung werben und Martin Sellner als Stargast ankündigen. Klingt zu weit hergeholt? Für dieses konkrete Beispiel gesprochen ist das sicher der Fall – aber eben nicht, wenn die Vorzeichen gänzlich andere sind.

Am vergangenen Samstag fand in Hamburg-Billbrook unter dem Motto „Die Gebetsstätten und das Versprechen Allahs“ ein Treffen ranghoher Salafisten aus dem gesamten Bundesgebiet statt. Das „Abendblatt“ berichtet von rund 400 Teilnehmern und einer hermetischen Abriegelung des Veranstaltungsortes. Laut „Morgenpost“ soll es sich dabei um ein „Geheimtreffen“ gehandelt haben, was aber offensichtlich jeder Grundlage entbehrt.

Tatsächlich hatte der Hamburger Ableger der vom Verfassungsschutz beobachteten Gruppierung Hizb ut-Tahrir (HuT) via Facebook zu dem „Vortrag“ eingeladen – und keinen Geringeren als Marcel Krass als Redner angekündigt. Dieser gehört zu den bundesweit bekanntesten Islamisten und gilt laut Verfassungsschutz als eine feste Größe in der hiesigen Salafisten-Szene. Krass soll demnach unter anderem auch Verbindungen zu den 09/11-Attentätern unterhalten haben.

Auffällig: Außerhalb der Hansestadt findet das Treffen der Islamisten medial praktisch keinerlei Beachtung. Ist es schon zum Normalzustand geworden, wenn eine verfassungsfeindliche Bewegung zu einem Vortrag einlädt, der von einem ebenfalls vom Verfassungsschutz beobachteten Redner gehalten wird?

Ob es bei der Veranstaltung – wie offiziell angekündigt – wirklich „nur“ um die Gebetsstätten und das Versprechen Allahs ging, muss dahingestellt bleiben. Fakt ist dagegen, dass „HuT“ sich die Einführung der Scharia anstelle des Grundgesetzes sowie die Errichtung eines Kalifats als neue Staatsform für Deutschland als offenes Ziel auf die Fahnen geschrieben hat.

Heikel wäre vor diesem Hintergrund – und nicht zuletzt aufgrund der Beobachtung durch den Verfassungsschutz – insbesondere die Tatsache, dass während des Treffens Spenden gesammelt worden sein sollen. Diese sollen, so ist es dem offiziellen Flyer zu entnehmen, „für den Zweck des Moscheebaus“ verwendet werden.

Der Betreiber des Festsaals in Billbrook, in dem ansonsten eher Hochzeiten, Geburtstage und ähnliche Feierlichkeiten stattfinden, will eigenen Angaben zufolge nicht gewusst haben, an wen er seine Räumlichkeiten vermietet hat. Der Hamburger Medienlandschaft zufolge soll der Inhaber noch versucht haben, das Islamisten-Treffen in letzter Minute abzusagen, hatte damit offenbar aber keinen Erfolg.

Hamburg gilt als einer der Hotspots der Salafisten-Szene, soll aber wohl nur eine von mehreren Stationen für eine bundesweite „Islamische Vortragsreihe“ sein. Die nächste Veranstaltung – wiederum mit Marcel Krass als „Stargast“ – ist am 9. Mai 2024 in München in den Räumlichkeiten der Kral Event Gmbh geplant.

In der Ankündigung heißt es unter anderem: „Imam Marcel Krass kehrt nach einem Jahr mit zwei fesselnden Vorträgen zurück.“ Oder: „Nutze die Pausen, um dich mit anderen Geschwistern zu vernetzen.“

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