Lange habe ich es mir vorgenommen, ich habe es auch schon mehrfach angekündigt, aber nie konsequent umgesetzt. Jetzt ist es Zeit, das zu tun: Ich will meine Seite rigoros zurückbauen – quasi minimalisieren. Ich will, dass sie wieder das wird, als was sie begonnen hat: ein kleiner Autorenblog. Keine Nachrichten-Schleuder – sondern eine Boutique für Gedanken, Hintergründe, Analysen.
Jahrelang habe ich die Seite in einer Art Hamsterrad betrieben. Zu Höchstzeiten war sie das meistgelesene alternative Medium, mit bis zu 53,7 Millionen Aufrufen im Monat. Im Herbst vergangenen Jahres kürte mich das Reuters Institute der Oxford University zu Deutschlands „Newsfluencer Nr. 1“ (siehe hier). Viele Menschen schrieben mir, dass meine Arbeit damals sehr wichtig für sie war. Damals ist eine Gemeinschaft entstanden, in der wir uns gegenseitig halfen, nicht verrückt zu werden und nicht den Glauben an den eigenen Verstand zu verlieren. Es war damals recht einsam auf dem Feld der alternativen Medien.
Neue Konstellation
Inzwischen hat sich die Situation grundlegend geändert. Auch mit Hilfe zahlungskräftiger Sponsoren haben sich alternative Portale entwickelt, die den täglichen Bedarf an kritischen Nachrichten abdecken. Das ist eine in jeder Hinsicht erfreuliche Entwicklung. Auch für mich persönlich: Ich sehe mich damit nicht mehr in der Pflicht. Denn es war vor allem die Pflicht, die mich im Hamsterrad hielt. Jetzt kann ich mich auf die Kür beschränken. Denn es war nie mein Ziel, ein großes Medium aufzubauen. Ich habe dazu zum 6. Geburtstag meiner Seite im Dezember viel geschrieben, das ich hier nicht wiederholen will – Sie finden den Text hier.
Das Hamsterrad, der 18-Stunden-Tag, all das hatte einen hohen Preis: 2023 musste ich mit einer verdeckten Blinddarm-Entzündung notoperiert werden, und nur meinem Schutzengel ist es zu verdanken, dass ich weiter schreiben kann (siehe hier). Meine Lektion von damals, meine Vorsätze, zurückzustecken, kürzer zu treten, habe ich nur teilweise umgesetzt.
Ab heute will ich dabei konsequent sein. Und die Notbremse ziehen. Viele Leser haben mir geschrieben, dass sie damit gut leben können. Sie schrieben mir, sie lesen lieber weniger von mir – aber dafür noch länger. Und noch hintergründiger, tiefer. Ich denke, es ist ein fairer Deal: Ich mache mich rarer – aber ich ziehe mich nicht zurück. Ich schreibe weiter – mit dem Anspruch: Seltener, aber noch tiefgründiger. Kein Bedienen der Erregungsspirale mehr – das überlasse ich anderen.
Neuer Rhythmus
Künftig gilt: Es gibt ab jetzt keine Taktung mehr. Ich schreibe, wenn ich etwas zu sagen habe – und keine Sorge – das ist bei mir (fast zu) oft der Fall. Aber ich will nicht mehr schreiben, weil „heute noch was auf die Seite muss“ oder ich denke, ich müsse zu einem Thema, das bei anderen schon zu lesen war, unbedingt auch noch meinen Senf dazu abgeben. Ich beende das Pflichtprogramm. Ich denke, die neue Freiheit wird mir neue Kraft und neue Energie geben. So zumindest der Plan (wobei mir klar ist: „Der Mensch denkt und Gott lenkt“).
Um konsequent zu sein, stelle ich auch das Tagesbriefing ein und die Kommentarfunktion auf der Seite. So bereichernd viele waren – sie haben mich und mein Team aber auch viel Zeit, Nerven und Fokus gekostet. Davon möchte ich weg. Ich weiß, das Tagesbriefing und die Kommentare sind vielen ans Herz gewachsen. Aber wer immer informiert sein will, welche neuen Artikel ich geschrieben habe, kann einfach meine Kanäle auf Telegram (hier), Facebook (hier), X (hier), Instagram (hier), Linkedin (hier) oder Youtube (hier) abonnieren. Dort sind alle eingeladen, auch weiter zu kommentieren.
Ich muss Ihnen nicht erklären, wie erleichtert ich bin, diesen Schritt endlich zu gehen – meine Nerven und meine Zeit zurückzugewinnen. Ich bin mir sicher, Sie verstehen das. Und ich verspreche Ihnen: Ich werde weiter unbequem sein und meinen Prinzipien treu bleiben – nachzulesen in meinem Text über meinen großen Lehrmeister: „Warum Schweigen Verrat wäre“ (siehe hier).
1000 Dank an alle Unterstützer
Mir ist klar: Die Ausgaben für Server, Infrastruktur etc. bleiben, die Werbeeinnahmen werden sinken. Wer mich weiter unterstützen möchte, gibt mir damit auch ein wichtiges Signal: Schreib weiter! Und dafür bin ich von Herzen dankbar – wie das geht, lesen Sie hier.
Eine Leserin hat mir mal geschrieben: „Schonen Sie sich! Weniger ist oft mehr! Wir lesen lieber weniger von Ihnen, aber dafür noch lange!“ In diesem Sinne – auf eine weitere gute Partnerschaft!
Herzlich
Ihr
Boris Reitschuster
PS: Unter diesem Artikel lasse ich die Kommentarfunktion noch ein letztes Mal offen – ich bin gespannt auf Ihre Reaktionen. Ab dem nächsten Artikel wird sie geschlossen sein.
PPS: Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle – stellvertretend für alle anderen Leser – meiner Leserin Sonja D., die mir seit vielen Jahren auf fast jedes Tagesbriefing ein „Danke“ zurückschickt. Solche Menschen und solche Gesten sind es, die mir die Kraft geben, nicht ganz aufzuhören. Und ich hoffe sehr, auch ohne Tagesbriefing noch das eine oder andere Dankeschön von Sonja D. zu erhalten.
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