Ideologische Indoktrination von Kindern Freie Universität Berlin: Propaganda statt Erkenntnis

Gastbeitrag von Alexander Fritsch

„Seid bereit! – Immer bereit!“

(Losung der „Jungen Pioniere Ernst Thälmann“)

Wissenschaft strebt nach immer neuer Erkenntnis und kennt keine ewige Wahrheit. Bis vor kurzem hätte man es nicht für möglich gehalten, dass es noch einmal nötig sein könnte, diesen Satz aufzuschreiben.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Nehmen wir zum Beispiel die Freie Universität Berlin: Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Studenten gegründet, die nicht ertragen wollten, dass in Ost-Berlin die gerade erst von der Nazi-Herrschaft erlöste Universität Unter den Linden sofort wieder politisch und ideologisch gleichgeschaltet wurde – diesmal von den Kommunisten.

Ins neue Uni-Siegel schrieben die FU-Gründer deshalb auch „Veritas, Iustitia, Libertas“, also „Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit“. Vor allem Letztere war ihnen wichtig: Denn – so die leidvolle Erfahrung der Autoren – nur dort, wo Wissenschaft unabhängig von äußeren Eingriffen (durch Staat, Kirche, Wirtschaft oder Gesellschaft) betrieben wird, kann sie wirklich vorurteilsfrei nach Erkenntnis streben.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Wissenschaftler (die früher mangels Qualifikation nie welche geworden wären) und Wissenschaftseinrichtungen (die von politischen Aktivisten für wissenschaftsfremde Zwecke gemolken werden) haben sich zunehmend vom Zeitgeist und dessen finanziellen Zuwendungen abhängig gemacht.

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Im Ergebnis tun sie nichts Vernünftiges – erst recht nichts, was auch nur entfernt mit unabhängiger Wissenschaft zu tun hätte. Stattdessen erfüllen sie den Auftrag ihrer Geldgeber und helfen dabei, deren Meinung öffentlich zu stützen.

Die Zeiten haben sich geändert. Wissenschaft heute strebt nur noch selten nach Erkenntnis und dient dafür umso öfter der Propaganda.

„Zu viel Wurst ist Käse“, bläut zum Beispiel eine neue „Klimaschutzfibel“ der FU Berliner Schulkindern ein. Die (Überraschung!) weit überwiegend aus öffentlichen Geldern finanzierte Broschüre soll „alltagstaugliche Tipps für die Hosentasche“ liefern.

Dabei werden unterschiedliche Positionen in der Wissenschaft ebenso souverän ignoriert wie die kontroverse gesellschaftliche Debatte. Es gibt nur eine Wahrheit und nur einen richtigen Weg.

In zehn Kapiteln wird den Kleinen in bester Agitprop-Manier eingehämmert, „wie Du die Welt retten kannst“. Zum Beispiel beim Anziehen: nur Bio-Baumwolle! Oder beim Futtern, „echt gerecht“: vegetarisch essen schützt den Regenwald!

Am Ende des Machwerks finden sich dann noch bunt illustrierte Luftballons mit Werbung für Greenpeace, Fairtrade, den NaBu und den WWF sowie ein Satz, der direkt aus einem Drücker-Handbuch stammen könnte: „Vielleicht hast Du jetzt sogar Lust, Dich in einer Umweltschutz-Organisation zu engagieren?“

Es ist ein Musterbeispiel für die ideologische Indoktrination von Kindern.

Verbrochen hat es Karola Braun-Wanke. Deren Vita liest sich wie die von so vielen Aktivisten mit einem Abschluss in Irgendwas, denen linke Seilschaften der sogenannten Akademischen Selbstverwaltung dann ein lukratives Dauer-Asyl in irgendwelchen Uni-Untergliederungen mit fantasievollen Namen gewähren: eine lohnende Dauerbeschäftigung zu Lasten der öffentlichen Kassen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: alles im Namen wissenschaftlicher Exzellenz, versteht sich.

Im Falle von Karola Braun-Wanke sieht das dann so aus: Studiert hat sie einst Publizistik, Politikwissenschaften und Italienisch (an der FU) sowie Kultur- und Medienmanagement (an der Ost-Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler). Bezahlt – natürlich aus Steuergeldern – wird sie nun an der FU als Dozentin im sogenannten „Kompetenzbereich Nachhaltige Entwicklung“ des Studienbereichs „Allgemeine Berufsvorbereitung“. 2005 hatte sie die Idee für eine an der FU angesiedelte sogenannte „SchülerUni Nachhaltigkeit + Klimaschutz“, deren Leitung sie auch gleich übernahm und fortan nicht mehr abgab.

Juristen und Politologen können alles, das ist ja bekannt.

reitschuster.live

So ganz allein ist die Weltrettung allerdings doch recht mühsam, man kennt das. Vielleicht, um diese übermenschlich schwere Last auf mehrere Schultern zu verteilen, hat Frau Braun-Wanke mit ihrem Partner Andreas Wanke eine Art Familienbetrieb gegründet: Während sie pseudo-wissenschaftliche Wahrheiten in unschuldige Kinder stopft, leitet er – wie günstig – beim FU-Präsidenten die Stabsstelle „Nachhaltigkeit und Energie“.

Dort hat Herr Wanke 13 (in Worten: dreizehn!) Mitarbeiter, wie man auf der Internetseite der Universität nachlesen kann. Zum Vergleich: Die – auch nur kommissarische – Leiterin der für jede normale Hochschule überragend wichtigen Stabsstelle „Berufungsverfahren und Berufungsstrategie“ hat nur neun Mitarbeiter und eine derzeit unbesetzte Stelle.

Man muss nicht in die USA schauen, um Beispiele dafür zu finden, wie sich ehemals seriöse Wissenschaft selbst demontiert.

„Wenn alle Experten sich einig sind, ist Vorsicht geboten“, wusste der große Wissenschaftstheoretiker Bertrand Russell. Für seinen genialen Kollegen Karl Popper bestand Wissenschaft nicht im Zementieren, sondern im immer neuen Zerstören und Wiederaufbauen von Wissen.

Das ist es, was Ideologen, Propagandisten und all die anderen geistig Eingleisigen wohl am meisten fürchten: dass die Menschen – womöglich sogar schon Kinder – selbst denken, alles in Frage stellen und vielleicht zu ganz anderen Schlüssen kommen.

Lasst uns dazu eine Fibel schreiben: zu viel Selbstgewissheit ist Käse.


Alexander Fritsch, Jahrgang 1966, studierte Volkswirtschaft und Philosophie in Frankreich und Deutschland und arbeitet seit 25 Jahren als Journalist. Außerdem berät er als Business Coach Unternehmen und Verbände, vorrangig bei den Themen Kommunikation und Strategie.

 

 


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Bild: privat, Mushakesa/Shutterstock
Text: Gast

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