Kanzlerin Merkel und der Ct-Wert – eine problematische Liaison Auch SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach patzt

Von Christian Euler

Es war ihre letzte Regierungsbefragung im Bundestag, der sich Angela Merkel nach knapp 16 Jahren am Mittwoch als Bundeskanzlerin stellte. Für manche mag es ein wehmütiger Moment gewesen sein. Andere werden es eher mit Hermann Hesse halten: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben“, schrieb der Literaturnobelpreisträger in seinem unvergessenen Gedicht „Stufen“.

Dieser Zauber dürfte vor allem in der Vorfreude auf eine Regierung liegen, deren Chef(in) weiß, wovon er bzw. sie spricht – insbesondere, wenn es um Maßnahmen geht, die die Rechte des eigenen Volkes auf nie dagewesene Weise einschränken.

Gefragt, wann die Maßnahmen aufgehoben werden können, antwortete die promovierte Physikerin: „Dass verschiedene Varianten auftauchen können, damit müssen wir rechnen, solange nicht die ganze Weltbevölkerung geimpft ist.“ Gewiss eine ebenso gewagte wie durch nichts zu belegende Schlussfolgerung – auch wenn sie artig mit Applaus bedacht wurde.

Änderungen im Plenarprotokoll, um Fehler zu vertuschen

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, fährt sie fort: „Wenn ein PCR-Test positiv ist, dann hat der Betroffene SARS-CoV-19.“ Eine faszinierende Wortschöpfung, die im stenografischen Bericht des Bundestags auf Seite 49 unerlaubterweise korrigiert wurde: „Wenn ein PCR-Test positiv ist, dann hat der Betroffene SARS-CoV-2.“

Berichtigungsbedarf gab es auch bei Merkels Ausführungen zum Ct-Wert. „Mit einem PCR-Test ist ein Ct-Wert verbunden. Es geht um irgendeine Konzentration in Abhängigkeit von der Zeit. Dieser Ct-Wert kann über oder unter 25 liegen. Ist er über 25, ist der Mensch ansteckend, ist er unter 25, ist er nicht ansteckend.“ Im Protokoll liest sich das so: „Dieser Ct-Wert kann über oder unter 25 liegen. Ist er unter 25, ist der Mensch ansteckend, ist er über 25, ist er nicht ansteckend.“

Unstrittig ist: Je mehr Zyklen erforderlich sind, desto geringer ist die Viruslast. „Liegt der Ct-Wert bei positiv Getesteten bei 25 oder höher, geht man derzeit davon aus, dass diese nicht mehr ansteckend sind, weil die Viruslast zu gering ist“, schrieben die Autoren eines wissenschaftlichen Beitrags Ende Mai im Journal of Infection.

Ein PCR-Test misst keine Infektion

„Im Grundsatz ist der PCR-Test immer ein hervorragender Indikator für die Antwort auf die Frage, ob jemand krank ist“, lautete ein weiteres Postulat der Kanzlerin. Widerlegt wurde diese Einlassung erst jüngst von einer Studie der Universitäten Duisburg und Münster (Reitschuster.de berichtete), die 190.000 Testergebnisse ausgewertet haben. Die Forscher halten es für nicht hinreichend erwiesen, dass jeder positiv Getestete das Corona-Virus an andere Menschen weitergeben konnte, weil bei vielen Infizierten die Viruslast nicht hoch genug gewesen sei. Selbst das der Regierung unterstellte RKI stellte fest: „Ein Ct-Wert von > 30 geht nach bisherigen Erfahrungen mit einem Verlust der Anzüchtbarkeit einher.“

Dies verwundert kaum, wenn man sich vor Augen hält, dass bei einem Ct-Wert von 25 das RNA-Fragment des Coronavirus um den Faktor 33.554.431 und bei Ct = 30 um den Faktor 1.073.741.824 vervielfacht wird.

Ein PCR-Test misst keine Infektion, sondern das Vorhandensein von Target-Partikeln – unabhängig von der Frage, ob diese ein vermehrungsfähiges Virus darstellen. „However, RT-PCR does not distinguish between infectious and non-infectious virus“, schrieben Anika Singanayagam und acht weitere Wissenschaftler in ihrem Ende Mai im „Eurosurveillance“ erschienen Beitrag zur Dauer der Nachweisbarkeit von Coronaviren im PCR-Test.

Lauterbachs Twitter-Account als Intelligenz-#Schnelltest

Auch SPD-Politiker Karl Lauterbach hat offensichtlich tiefgreifende Verständnisprobleme mit dem Ct-Wert. „Alpha und Delta Variante haben gar gefährlichere Ct-Werte“, twitterte der Mann, der zu den führenden Gesundheitsexperten dieser Nation zählt. Ihm scheint entgangen zu sein, dass es weder „gefährliche“ Ct-Werte gibt, noch, dass überhaupt Viren Ct-Werte haben.

Was der „Adjunct Professor an der Harvard School of Public Health in Boston“ offenbar nicht weiß: Jedes Labor legt den Schwellenwert, ab welcher Zyklenzahl man ein positives Testergebnis nicht mehr als positiven Befund interpretiert, selbst fest oder richtet sich nach der Anweisung des jeweiligen Herstellers. Ein User eines Internet-Forums kommentierte den Tweet so: „Karl #Lauterbachs Twitter-Account ist so etwas wie ein Intelligenz-#Schnelltest, der jeden Tag ein negatives Resultat aufweist.“

Seine Gedanken zur Entstehung der Delta-Variante gab Lauterbach so zu Protokoll: „Man würde erwarten, dass ein Virus immer ansteckender wird, wenn geimpft wird. Es muss sich quasi dahingehend verändern, dass es mehr Viruslast in sehr kurzer Zeit im Rachen eines Menschen produziert, um auch bei weniger Menschen, die es anstecken kann, noch genug Leute zu finden, um sich verbreiten zu können.“

Allzu gern würde man angesichts der verwunderlichen Expertise des viel beachteten Gesundheitsexperten und der Bundeskanzlerin schmunzeln. Doch bleibt das Lachen unmittelbar im Halse stecken, wenn man sich vor Augen hält, dass es ebendiese Politiker sind, die bestimmen, wer wann welche Grundrechte aberkannt und wieder zugesprochen bekommt.

Sehen Sie hierzu auch folgendes Video von Boris Reitschuster mit den Original-Aussagen von Merkel:

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Youtube/Screenshot
Text: ce

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