Kaspar, allein zu Haus Chronik einer Krankheit

Corona macht krank, Corona kann töten.

Corona ist schlimm, verändert die Gesellschaft und das Leben. Darüber berichten wir. Geschichten, die es nicht in die Medien schaffen.
Wir geben Zahlen einen Namen und eine Seele. Die Serie „Kollateralschaden“ basiert auf Berichten Betroffener der Coronapolitik. Damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Kaspar, allein zu Haus

Von Johanna und Frank Wahlig

Kaspar hat keine Schule mehr. Er hat gelernt, sich zu beschäftigen. Allein. Gleich morgens nach dem Aufstehen. Laptop an. Anziehen muss Kaspar sich nicht. Jogginghose reicht. Es ist ungemütlich kalt in Berlin. Da will keiner freiwillig raus. Viele Freunde sind verreist über Weihnachten und Neujahr. Kaspar ist in Berlin geblieben. Roblox, Wizard Tycoon … Die Welt der digitalen Spielkameraden des Achtjährigen ist unendlich groß.

Das Frühstück wird gegen Mittag von Lieferando gebracht.

Kaspars Familie lebt in Berlin Mitte. Schlafzimmer, Kinderzimmer, eine Küchenzeile im Durchgang. Fünfte Etage ohne Lift. Geschwister hat der Drittklässler nicht. Kaspars Eltern: Akademiker. International. Sie wollen es zu etwas bringen. Müssen viel arbeiten und gerade in diesen Zeiten sind die Jobs nicht sicher.

Kaspar will einmal Spieleentwickler in Japan werden. Er lernt vier Sprachen. Seit Wochen spricht er wenig.

Kaspars Eltern arbeiten auch am Computer. Über die Feiertage zu Hause. Am Silvesterabend bis Mitternacht. Feiern, Ausgehen, Freunde treffen: Das war früher. Fußball, Verstecken oder Fangen spielen. Das macht Kaspar keinen Spaß mehr. Selten besucht Kaspar Schulfreunde. Am liebsten spielen sie dann am Computer.

Im neuen Jahr gehen die Eltern wieder zur Arbeit. Kaspar bleibt die digitale Welt. Nach den Weihnachtsferien ist Home-Schooling. Die Lehrer überprüfen die Anwesenheit. Online. Kaspar, allein zu Haus.

Kaspar Hauser 2.0

Kaspar-Hauser-Syndrom ist eine Bezeichnung für einen Entwicklungsrückstand bei Kindern. Körperlich oder geistig. Bedingt durch Vernachlässigung, mangelnde Pflege und sozialen Entzug.

„Das eine verlorene Schuljahr, das holen die Kinder schon wieder auf“, sagen die Freunde der Eltern. Sie haben keine Kinder. Die sozialen Folgen für die Generation der „digitalen Kaspar Hausers“ sollte auch Menschen ohne Nachwuchs nicht verborgen bleiben. Kein frühes Aufstehen, kein Anziehen, kein Schulweg, keine Klassendisziplin. Input ohne Output. Rund um die Uhr.

„Schüler aller Altersgruppen gewöhnen sich zu Hause an das Nichtstun“, sagt Nina Großmann, Vorsitzende des Verbandes der Schulpsychologen Baden-Württemberg. Eine Studie des Uniklinikums Münster bestätigt die neue Lebensweise von Kaspar und Co: Während des ersten Lockdowns im Frühjahr habe sich ein Viertel von rund 1.000 befragten Kindern nahezu überhaupt nicht mehr bewegt. Gleichzeitig sei die Zeit am Rechner und im Netz bei vielen auf bis zu acht und mehr Stunden am Tag gestiegen. Das entspricht dem Vollzeit-Arbeitstag eines Erwachsenen. Sieben-Tage-Woche. Jetzt ist es Winter. Die Schulen sind seit Wochen zu. Kein Sport, keine Musik, keine Gemeinschaft. Der Ausnahmezustand wird Normalzustand. Früher war Bildungsentzug „Gefährdung des Kindeswohls“ und strafbewehrt: Das ist jetzt „Gesundheitsschutz“.

Bildungsentzug per Verordnung

„Bildungsrepublik Deutschland“ rief die Kanzlerin vor zehn Jahren noch auf Stimmenfang. Bildung heute ist Bildung stundenweise, digital.

Ministerpräsident Söder warnt im Bayerischen Rundfunk davor, „die Schulen und KiTas wieder vorschnell zu öffnen“, nachdem er seine eigene weihnachtliche Quarantäneverpflichtung im Familienkreis aufgehoben hatte. Der Präsident der Notfallmediziner, Uwe Janssens, erklärt zum neuen Jahr in der Zeitung „Die Welt“: „Keine Lockerungen in Aussicht stellen bis zu einem Inzidenzwert von unter 25 je 100 000 Einwohner.“ Schulschließung mindestens bis Februar, pflichten die Regierungschefs der Länder im aktuellen „Notfallkabinett“ bei. Die Kanzlerin wünscht sich einen „Lockdown bis Ostern“.

Kein Bildungspolitiker spricht sich für regulären Unterricht aus. Bildungskonzepte einer sozial und familiär unabhängigen Politikergeneration. Entscheider und „Experten“ meist ohne eigene Kinder. Ohne Bildungsverantwortung. Familien ohne Perspektive.

 
Johanna Wahlig ist Politologin, Journalistin und Unternehmerin. Frank Wahlig ist Historiker und war 30 Jahre lang ARD-Hauptstadtkorrespondent.
 
Bild: privat

Text: Johanna und Frank Wahlig

 

 

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Christine Dreiser
1 Monat zuvor

Es tut mir sehr leid für Kaspar, aber er hat auch Eltern. Wie viele Menschen haben Kinder des Kindesgeldes wegen ? Kinder zu bekommen und für sie zu sorgen, ist eine große Herausforderung. Viele Menschen übernehmen keine Verantwortung, lieben ihre eigenen Kinder nicht. Ist dafür die Gesellschaft zuständig ? Wir bräuchten viel mehr genauere Gesetze um differenzierter vorzugehen.

Ruth
1 Monat zuvor

Frank Wahlig, ex-ARD-Hauptstadtkorrespondent. Wurde er ganz plötzlich Dissident ?

Und: Berlin fordert die sofortige Freilassung Nawalnys. Fordert Putin die sofortige Freilassung aller Deutschen ?

der Buntschnabel
1 Monat zuvor

>„Das eine verlorene Schuljahr, das holen die Kinder schon wieder auf“, sagen die Freunde der Eltern<

Sind wir in Deutschland so dumm, dass wir dies glauben. In diesem Schuljahr werden viele Kinder bidungsmäßig abgehängt. Und es trifft die Kinder besonders, die aus einem bildungsfernen Umfeld stammen. Die Ungleichheit wird größer. Und dies ohne Not. Unser Bildungssystem hinkt international hinterher und jetzt dies. Deutschland verspielt seine Zukunft.

Mein Sohn mit einer Tochter in der ersten Klasse sagte mir, dass seine Tochter nur Aufgabenzettel bekam. Wer unterrichtet? Eltern, soweit sie es können.

Gudrun
1 Monat zuvor

So ist es. Auch bei uns glüht die Leitung. Was sollen meine Kinder auch den ganzen Tag  tun? Es ist ja nichts erlaubt. Nicht mal Vereinssport darf mehr stattfinden. Die Kinder und Jugendlichen sind die größten Verlierer des Lockdowns, noch vor den alten Menschen. Je jünger die Kinder sind, desto verheerender wirkt sich diese menschenverachtende Politik auf deren Psyche aus. Mit unabsehbaren Folgen, die erst in vielen Jahren sichtbar werden. Und dennoch hört man vom Präsidenten des Kinderschutzbunds recht wenig.

Heidi
1 Monat zuvor

Es sind ja nicht nur die kinderlosen Politiker, die hier über die Zukunft unserer Kinder entscheiden – eine bittere Zukunft, wenn das nicht alles sofort beendet wird. Es sind auch jede Menge Eltern, die die Politik befürworten und die Lockdowns feiern – etwas, das ich überhaupt nicht in meinen Kopf kriege. Wie deformiert muss man im Gehirn bereits sein, um nicht erkennen zu können, dass hier eine ganze Generation auf der Strecke bleiben wird.

Ich habe gestern Abend mit Interesse den Talk „Menschen machen Mut“ verfolgt. Dort hat man mit deutlichen Worten verurteilt, was man hierzulande den Kindern antut. Ich kann jedem nur empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, diese – auch hinsichtlich der Kritik an unserem aktuellen „Krankheitssystem“ – hoch interessante Sendung anzuschauen. Es ist schon sehr auffällig, dass und wie sich die Politik diesen wissenschaftlich fundierten Fakten einfach verweigert! Und kann nur die Schlussfolgerung zulassen, dass man hier eine kranke Gesellschaft zugunsten von Pharma & Co. heranzüchten will.

https://youtu.be/HwJBmAER4IY

Dies ist der stream von OVALmedia – ich hoffe, er funktioniert noch.

 

Der Censor
Antwort an  Heidi
1 Monat zuvor

Ich habe den Talk auch gesehen. Dieses Niveau bekommt man in den ÖR-Medien nicht zu sehen. Da haben die gar nicht (mehr) die Leute dazu.

Sara Stern
1 Monat zuvor

Damit schafft man sich die nächste Generation Rotgrünwähler. Dick, Dumm, Naiv, Gefolgsam mit hohem Anspruchs und Umverteilungsdenken. Aber seien wir ehrlich. Kinder sind den meisten Berufspolitikern eine unliebsame Notwendigkeit, damit das Steuermilchvieh nicht zu sehr ausdünnt und noch was zu verlieren hat. Wenn es auch ohne Kinder und nur mit Migranten gehen würde, würde man schon aus ökonomischen Gründen das Kinderkriegen verbieten. Ein deutsches Kind frisst 18-25 Jahre lang Steuergelder. Kindergarten, Schule, Uni, Arztbesuche, Essen, bevor es einen Nutzen bringen kann. Ein Migrant kommt hier an und wird püntklich mit Grenzübertritt 17 oder 18 Jahre alt. Dem verpasst man 5 Jahre irgendein Handwerk und los gehts. Wenn er zu kriminell wird, dann halt Knast. Und sobald man das Sozialsystem überarbeitet hat, bleibt schon noch genügend „oben“ hängen.

Peter Best
1 Monat zuvor

Herr Reitschuster fragen sie das nächste mal doch mal bitte nach wie der Inzidenzwert unter 25 pro 100000 sinken soll wenn der „Goldstandard“ mit einer Fehlerquote von(angeblich) 0,1%  100 positive Test erbringt.VIelleicht müssen sie diesen POlitexperten noch dau sagen WENN ALLE GESUND SIND-ES KEINEN EINZIGEN KRANKEN AUF DER WELT GIBT.

 

 

Erdmaennchen
1 Monat zuvor

Mein Gott immer das Gejammer!

Unsere Kinder brauchen keine Schule , keine soziale Kontakte und auch keinen Spass und Sport mehr. Es reicht doch wenn sie das Bildungsfernsehen von RTL und RTL-2 genießen können und zwischendurch ihre Leistungsfähigkeit bei Fighting Games und Ego-Shootern unter Beweis stellen.

Das Denken wird ihnen ja heute sowieso von staatlicher und medialer Seite abgenommen.

Cato
1 Monat zuvor

Verordneter Bildungsentzug trifft es sehr genau. Zusätzlich zu Kontaktverboten. Wie sollen Kinder ein Sozialverhalten für ihre Zukunft lernen? Vor allem auch kritisches Nachfragen. Sachwissen mag sehr wichtig sein, ist aber nur einer der Aspekte. Mit jedem Tag, der vergeht, wird dies schwieriger für diese Kinder. Wenn man böswillig ist, kann man darin durchaus einen ersten Schritt zur Formung des Bewusstseins dieser Generation sehen. Wenn man es als nicht beabsichtigt betrachtet, ist es nur ein Kollateralschaden. Es wird eine noch gesteigert passiv-konsumierende Generation zum Ergebnis haben.

Suri
1 Monat zuvor

Meine Schwester, Grundschullehrerin an einer Problemschule in Lübeck, sagte eben am Telefon, „ihren“ Kindern ginge es täglich schlechter. Ich hoffte auf einen Gesinnungsumschwung, aber noch bevor ich nachfragen konnte hieß es: „Und das liegt nur an denen, die sich nicht an die Regeln halten. Man hätte schon Weihnachten konsequent ausfallen lassen müssen.“ Entrüstet versuchte ich ihr die bekannten Studien nahezubringen, die eindeutig klarlegen, dass eine Quarantänemaßnahme keine Auswirkungen auf ein Infektionsgeschehen hat. Weiter berichtete ich von den erfolglosen Versuchen des Herrn Reitschuster, in der Bundespressekonferenz wissenschaftliche Belege für die Sinnhaftigkeit der sich immer weiter verschärfenden Maßnahmen einzufordern. „Papperlapapp, ein Virus wird von Menschen übertragen, also muss man diese voneinander fernhalten.“ Weitere Versuche der Erklärung, dass es immer Viren in und um uns gegeben und wir diese auch für die Stärkung des Immunsystems brauchen wanderten in den Orbit und mit dem gebrüllten Schlusssatz, meine Informationen seien alles „fake news“ und sie wolle nicht mit mir über dieses Thema reden wurde aufgelegt. Angst frisst Hirn auf und das alles auf dem Rücken der Kinder.

Heidi
Antwort an  Suri
1 Monat zuvor

leider ist das genau so. Schlimm auch dass das in der eigenen Familie passiert.

Dietmar Walther
Antwort an  Suri
1 Monat zuvor

Suri;  Das sind diese Menschen, denen das eigenständige Denken bereits aberzogen wurde. Wenn man die fragt woher sie ihre Informationen haben sagen sie: “ Das haben sie in der ARD in den Nachrichten gesagt“.! Auf die Frage: „woher weisst du denn, dass das stimmt“.? wird dann geantwortet: “ Weil das im ZDF auch gesagt wurde“.! Diese Menschen sind für die Allgemeinheit verloren, für die Regierung aber unbezahlbar und werden diesen Demokratie-Abschaffern ein fieses Grinsen ins Gesicht treiben.!  Nichts lässt sich leichter regieren als Dummköpfe,  es muß nur für „Brot und Spiele“ gesorgt werden.!