Die Decke vorm Balkon Chronik einer Krankheit

Corona macht krank, Corona kann töten.

Corona ist schlimm, verändert die Gesellschaft und das Leben. Darüber berichten wir. Geschichten, die Corona schreibt. Geschichten, die es nicht in die Medien schaffen. Wir geben Zahlen einen Namen und eine Seele. Die Serie „Kollateralschaden“ basiert auf Berichten Betroffener der Coronapolitik, damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Wir schreiben auf: Johanna Wahlig (Politologin, Journalistin, Unternehmerin) und Frank Wahlig (Historiker und 30 Jahre ARD-Hauptstadtkorrespondent) recherchieren für reitschuster.de. Wer aus seinem beruflichen oder privaten Leben einen „Kollateralschaden“ melden möchte: Vertraulich und persönlich, per E-Mail an [email protected]

Die Decke vorm Balkon

Von Frank Wahlig

Oberbayern, mit drei Kindern und Hund.

Es ist still. Es ist kalt und ein bisserl Schnee liegt auch. Bayern im Söder‘schen Lockdown. Das neue Jahr wird mit keinem Knall beginnen. Die Gläser dürfen bis 21 Uhr klingen, danach kann, wer mag, mit sich selbst im Badezimmerspiegel anstoßen.

In den Radionachrichten wird vom Beginn der Impfsaison berichtet: Dass Hundertjährige es kaum erwarten können. Dass die mobilen Impfteams in die Alten- und Pflegeheime kommen. Das Jahr endet hoffnungsvoll, sagt die Moderatorin des BR.

Ella, Hannes, Matilda…

Meine Frau hat die Mutter von Ella besucht. Erinnerung an die Geschichte der kleinen Ella. Das Kind hat keine Schule mehr. Wegen Maske, wegen Mobbing, wegen Depressionen. Ellas Mutter hat Geburtstag. Der 50. Vor den Balkon hat Ellas Mutter eine Decke gespannt. Damit keiner der Nachbarn sieht, wer zu Besuch kommt. Meine Frau und Ellas Mutter standen auf dem Balkon. Ob noch jemand dabei war, sage ich nicht. Geheim.

„Man weiß ja nie“, sagt Ellas Mutter, die Leute sind komisch geworden.

Es klingelt an der Wohnungstür. Sie macht auf. Ihr Vater steht da im hölzernen Türrahmen. Mit ausgestrecktem Arm hält er eine kleine Geschenkschachtel vor sich. „Da, für Dich“, sagt er. Reinkommen mag er nicht. Ich wollte Dir nur das Geschenk bringen, sagt er. Seiner Tochter die Hand geben, das mag er nicht. Umarmen – niemals! Du weißt schon, das geht nicht, sagt er. Dann ist er auch schon wieder weg.

„Der ist seit ein paar Tagen so auf Abstand. Der fürchtet sich – sogar vor seiner Tochter“, sagt Ellas Mutter. Wer das Gesicht von Ellas Mutter sieht, kann sich vorstellen, dass dies Konsequenzen hat.

Seit wir die Geschichte von Ella, Matilda, Hannes, Lars… aufgeschrieben haben, bekommen wir viele Zuschriften. Über tausend, mittlerweile. 100.000 Leser. Anregungen sind darunter, manchmal wollen die Menschen sich einfach Luft machen, geben Hinweise, schicken Dokumente. Diese Menschen kennen uns nicht, sie lesen nur unsere Geschichten.

Danke für das Vertrauen. Das zeigt, das Thema ist wichtig. Geschichten von Betroffenen der Coronapolitik. Von Angehörigen.

In einer Mail wurde gefragt, wieso ein ehemaliger Politischer Korrespondent des ARD Hauptstadtstudios, solche Geschichten schreibt. Ob er das denn dürfe? Meine Frau Johanna sammelt „Kollateralschäden“. Und hatte die Idee zur Serie.

Damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Eine Orientalistin, Publizistin fragt, ob die Geschichten „erlogen“ seien oder „Halbwahrheiten“? Sie fragte nach dem 11-jährigen Hannes. Das krebskranke Kind, das beim Sterben allein gelassen wurde. Die Geschichten sind privat und subjektiv. Wie die der kleinen Matilda, die Monate auf ihre Operation warten musste und verstarb. Genau deshalb schreiben wir auf. Damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

Eine TV Produktionsfirma möchte die Kollateralschäden verfilmen.

Danke für die Neugierde

Danke für die persönlichen, oft bedrückenden Informationen. Aus den vielen Zuschriften werden weitere Geschichten.

Gestern Abend bin ich nach 21 Uhr im Ort gewesen. Der Hund ist ein Alibi zum Rausgehen nach der Sperrstunde. Zur Sicherheit, falls der Hund nicht reicht, habe ich meinen Journalistenausweis dabei.

Nicht viele Fenster sind nach 22 Uhr beleuchtet. Was sollen die Leute auch tun? Wirtshäuser zu, Besuch verboten, der Nachbar misstraut dem Nachbarn, der Vater gibt mit ausgestrecktem Arm ein Geschenk ab, der Balkon ist mit einer Decke abgehängt. Die Leute gehen früh ins Bett.

Johanna und ich wünschen ihnen ein besser werdendes Neues Jahr.

Die Moderatorin des BR ist davon überzeugt. Das sagt sie zu jeder vollen Stunde.

Wir glauben es nicht so richtig. Trotzdem ist der Champagner im Eis. Um zehn Uhr fährt ein Polizeiwagen durch den Ort. Wer brav ist, prostet sich vor dem Badenzimmerspiegel selbst zu.

Wir schreiben mit Ihrer Unterstützung weiter. Danke dafür. Herzlichst Frank Wahlig

[email protected]

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Johanna Wahlig ist Politologin, Journalistin und Unternehmerin. Frank Wahlig ist Historiker und war 30 Jahre lang ARD-Hauptstadtkorrespondent.
 
Bild: Frank Wahlig

Text: Johanna und Frank Wahlig

 

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