Lauterbach in Dauerschleife oder das Lockdown-Déjà-vu Wie ein Datums-Fehler Erkenntnisgewinn brachte

Karl Lauterbach traut man inzwischen viel zu. Manchmal auch zu viel. So passieren Fehler, Im konkreten Fall hat mir ein Leser einen Artikel aus der „Bild“ zugeschickt mit der Überschrift: „Lauterbach fordert Kontrollen auch in Privatwohnungen“. Im Stress ist mir dabei ein dummer Fehler unterlaufen: Ich habe, genauso wie der Leser, das Datum überlesen. Der Beitrag ist von Ende Oktober 2020. Ich bitte, den Fehler zu entschuldigen und lasse aus Transparenz-Gründen den Beitrag hier unten unverändert stehen. Fehler machen wir alle. Wichtig ist, zu ihnen zu stehen.  Nebeneffekt des Fehlers: Er zeigt, wie wenig sich in diesem einen Jahr geändert hat. Man hat den Eindruck, fast nichts. Obwohl wir heute eine Impfung zur Verfügung haben, die eigentlich den Durchbruch bringen sollte. Aber ihn ganz offensichtlich nicht brachte. Auch einen weiteren bizarren Aspekt brachte der Fehler an den Tag: Lauterbach hat bereits im Oktober 2020 gesagt, „so ein Wellenbrecher-Shutdown ist unsere letzte Patrone.“ Vor 13 Monaten. 

Originalfassung des Beitrags.

Gerade erst machte eine Liste die Runde in Berlin, die angeblich die neue personelle Zusammenstellung der Bundesregierung in einer Ampel-Koalition darstellen soll. Neben Anton Hofreiter als Verkehrsminister, Annalena Baerbock als Außenministerin und Robert Habeck als „Minister für Wirtschaft, Klimaschutz, Energiewende und Transformation“ (kein Schreibfehler, da steht tatsächlich Transformation) ist dort Karl Lauterbach als Gesundheits-Staatssekretär aufgeführt. Man kann nur hoffen, dass diese Liste entweder nicht authentisch ist – oder noch geändert wird. Denn sonst drohen uns schwere Zeiten, wenn der SPD-Hardliner, den Oskar Lafontaine als „Corona-Heulboje“ bezeichnet hat, tatsächlich in verantwortlicher Position mit an der Spitze des Gesundheitsministeriums stehen wird. Gerade forderte er, im Zuge der Corona-Maßnahmen auch Privatwohnungen zu kontrollieren.

Diese neue Forderung von Lauterbach macht deutlich, wie sehr der Mann, der von vielen wie ein Retter vor Corona verehrt wird, jedes Maß verloren hat. Selbst der Koalitionspartner in spe, Christian Lindner von der FDP, zeigte sich laut „Bild“ empört: „Herr Lauterbach schlägt Maßnahmen vor, die schärfer sind als die bei der Terrorismusabwehr.“ Im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ hatte der Sozialdemokrat Lauterbach gesagt: „Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein.“

Solchen Kontrollen sollen den „Wellenbrecher-Shutdown“ unterstützen, den Lauterbach am Dienstag schon gefordert hatte. Der Politiker sagte der Zeitung weiter: „Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können.“

„Privaten Zusammenkünften in größerem Rahmen will der SPD-Politiker so knallhart den Riegel vorschieben“, schreibt die „Bild“: „Im Zusammenhang mit seiner Forderung griff er auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an, der sich gegen solch starke Kontrollmaßnahmen ausgesprochen hatte. Lauterbach: ‘Laschet irrt, wenn er solche Superspreading-Events weiterhin tolerieren will‘.“

Ein „Wellenbrecher-Shutdown“ sei die einzige Möglichkeit, eine völlige Schließung von Schulen, Kitas und Betrieben zu vermeiden. Demnach sollten nur Schulen, Kitas und Geschäfte für den lebenswichtigen Bedarf geöffnet bleiben. Familientreffen dürften nur noch stattfinden, wenn sie nicht verschiebbar sind, ebenso wie Beerdigungen; auch die dürften nach Lauterbachs Vorstellung nur noch mit maximal reduzierter Personenzahl stattfinden. Auf Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern müsste verzichtet werden“, sagte Lauterbach laut Bild: „So ein Wellenbrecher-Shutdown ist unsere letzte Patrone.“

Zur Erinnerung: Aktuell sind in Deutschland 3.000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Die Zahl der Intensivbetten insgesamt lag in Deutschland am 19.11.21 bei 22.178. Am 7.5.2021 waren es noch 32.077.

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Bild: Boris Reitschuster (Archiv)
Text: br

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