Leipzig: Wie die Gewalt in die Demo kam Unglaubliche Beobachtungen

Wenn jemand nicht in Leipzig war und die Demonstration der Corona-Maßnahmen-Gegner nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird er angesichts der Medienberichte wohl zu dem Schluss kommen, es habe sich um eine sehr gewalttätige Veranstaltung gehandelt. „Reiterstaffel der Polizei Leipzig: Bei der Auflösung der ‘Querdenken‘-Demo kam es zu Ausschreitungen und Angriffen auf Polizisten und Journalisten“, hieß es etwa in einer Bildunterschrift auf T-Online, dem Portal, in dem Angela Merkel als „Licht in der Finsternis“ bezeichnet wurde. Der Tagesspiegel titelte: „Leipzig: Hunderte Rechte und Hooligans auf Querdenken-Demo.“ Bild schrieb: „Da sind sie wieder! Aggressiv, intolerant und ohne Maske!“

Ich war sechs Stunden auf der Demonstration und habe sie live gestreamt. Bis auf eine einzige Ausnahme, die überaus merkwürdig war, habe ich nicht einmal Ansätze von Gewalt oder Gewaltbereitschaft erlebt. Bis auf die Gegendemo, die direkt an die Demo der Corona-Maßnahmen-Gegner angrenzte, und von wo ich als „A…loch“, „Nazi“ und anderweitig beschimpft und mit Mittelfingern bedacht wurde. Mein Eindruck: Bei der Demo der Corona-Maßnahmen-Gegner war im Wesentlichen die Mitte der Gesellschaft präsent; ich habe keine einzige Reichsfahne gesehen und niemanden, der äußerlich als Extremist zu erkennen war.

Nach der Auflösung der Demo ging eine große Menge von Teilnehmern vom Augustusplatz den Georgiring hinunter Richtung Hauptbahnhof (siehe hier). Vorne im Zug waren Trommler. Sie näherten sich einer Polizeiabsperrung am Ende der Straße. Als es so schien, als komme es zum Zusammenstoß, drehten die Trommler um und mit ihnen der ganze Zug – man ging der Polizei friedlich aus dem Weg. Plötzlich erschienen an dieser neuralgischen Stelle ein paar Dutzend junger Männer, völlig in Schwarz und voll vermummt, die durch ihr ganzes Auftreten Gewaltbereitschaft signalisierten und wie absolute Fremdkörper wirkten (siehe hier).

Ich hielt sie zunächst spontan für Antifa-Gegendemonstranten, die es „hinter die Fronten“ geschafft hatten. In dieser Situation waren auch „Nazi“-Rufe zu hören. Ich habe in 16 Jahren in Moskau unzählige Demonstrationen erlebt und habe ein recht feines Gespür dafür, Teilnehmer und Provokateure zu unterscheiden, die nur mit einem Ziel unterwegs sind: Es eskalieren zu lassen. Die Truppe am Ende des Georgiring roch hundert Meter gegen den Wind nach Provokation. Das waren Schlägertypen. Woher und aus welcher Richtung auch immer. Plötzlich kamen auch zwei merkwürdige Gestalten mit Lautsprechern. Wiegelten die Menge auf. Ein Mann, der im Livestream neben mir stand, hatte genau das gleiche Gefühl wie ich: „Das sind Provokateure“.

Da dieser Mann neben mir aufmerksamer war als ich, wies er mich gleich darauf hin, dass ein ZDF-Team an Ort und Stelle war. Er war überzeugt, dass dies kein Zufall ist. Zu belegen ist das aber nicht. Ich war ja auch völlig zufällig an dieser Stelle. Tatsächlich zündelten die merkwürdigen jungen Männer mit dem aggressiven Auftreten. Und zwar buchstäblich: sie schossen Feuerwerkskörper auf die Polizei. Die gesamte Aktion war offensichtlich geplant, von wem, wage ich nicht zu beurteilen. Ich kenne nur ähnliche Situationen gut aus Russland. Dort werden durch solche Provokationen regelmäßig friedliche Demonstrationen diskreditiert und dann in den Medien die entsprechenden Bilder gezeigt. Spontan fühlte ich mich im Livestream genau daran erinnert. Aber die Situation ist rückwirkend betrachtet viel zu unklar, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Ich wechselte die Fronten, ging hinter der Polizeikette. Wobei man von so einer gar nicht sprechen kann – es war nur ein spärliches Aufgebot. Und es dauerte auch lange, bis Verstärkung kam. Auf einmal ging alles ganz schnell. Ich spürte einen Schlag gegen den Kopf und sah eine Flasche von mir abprallen. Die 0,7-Liter-Sprudel-Flasche. Wenn ich mir die Szene jetzt im Video ansehe (hier), wundere ich mich selbst, wie ich zunächst ganz ruhig feststelle: „Ich bin von einer Flasche getroffen worden.“ Erst ein paar Augenblicke später wurde mir etwas mulmig und kurz etwas schwindelig. Ich kam mit einer großen Beule und einer kleinen Wunde davon – wie eine Ärztin diagnostizierte, die an der Demo teilnahm.

Später erlebte ich an derselben Stelle noch einmal, wie dieselben Leute wieder eine Eskalation anstrebten. Die Polizei blockierte die Straße, was dazu führte, dass von hinten immer mehr Menschen nachrückten. Die Beamten forderten über Lautsprecher dazu auf, die Mindestabstände einzuhalten – taten aber mit ihrem Verhalten alles dafür, dass diese Forderung unmöglich zu erfüllen war. Im Gegenteil. Wer vorne die Menschen am Weiterlaufen hindert, solange von hinten Menschen nachrücken, schafft damit Enge. Offenbar war den Beamten zu diesem Zeitpunkt die Einhaltung der Mindestabstände nicht so wichtig wie die Verhinderung eines Weitermarsches. Später änderten sie ihre Taktik und ließen die Menschen durch, was ich für vernünftig hielt.

Es kam dann zu einem Umzug durch die Stadt. Die Polizei ließ die Menschen gewähren, offenbar im Sinne einer Deeskalationsstrategie. Eine Freundin mit DDR-Erfahrung schrieb mir dazu: „Die Strecke, die gelaufen wurde – auf dem sogenannten Ring – ist die der legendären Montagsdemonstration vom Herbst ’89, also für die Leipziger und auch die Ossis meines Alters eine ganz bedeutende. Ohne Gewalt wurde dort erstmals öffentlich gegen das DDR-Regime regelmäßig montags demonstriert. Legendär sind dabei die Rufe ‘Schließt euch an‘ – alles ausgehend von der Gruppe aus der Nikolaikirche und u.a. von Christoph Wonneberger, der ja gestern auch sprach.“ Die Menschen kamen durch die Innenstadt und die Fußgängerzone zurück zum Augustusplatz, machten in Gruppen Musik und tanzten. Es herrschte Volksfeststimmung (siehe hier). Die Polizei sah eine Weile zu, schritt dann ein. Allerdings nur auf dem Augustusplatz selbst, aber nicht in der anliegenden Grimmaischen Straße, wo noch bis 20.45 Uhr, als ich aufbrach, Menschen zusammenstanden.

Mein Fazit: Eine insgesamt bis auf die beschriebenen Exzesse sehr friedliche Veranstaltung. Die bestehende Maskenpflicht wurde nicht eingehalten, nur eine kleine Minderheit trug Mund- und Nasenbedeckung. Das war auch der Grund für die Auflösung, so die Polizei. Ebenso wie die Überschreitung der Teilnehmerzahl von 16.000 auf 20.000. Die Einhaltung der Mindestabstände war durchwachsen. Allerdings auch bei der Gegendemonstration, die ich beobachtete. Die Leute aus dem Antifa-Milieu dort waren zwar vermummt, also mit Mund- und Nasenbedeckung. Meines Wissens ist das aber nicht ausreichend, auch die Mindestabstände müssen eingehalten werden. Hier drückte die Polizei aber offenbar ein Auge zu.

Ganz anders als die Berliner Ordnungskräfte agierten die sächsischen deeskalierend. Ich persönlich wurde nicht Zeuge von Gewaltanwendung seitens der Polizei, ausgenommen den Einsatz von Pfefferspray gegen die erwähnten Provokateure. Es gab einige Berichte über rabiate Polizei-Aktionen und Aufnahmen von einer Festnahme. Auch in der ARD war von Festnahmen die Rede. Aber das blieb offenbar die Ausnahme. Selbst Querdenken-Anwalt Markus Haintz lobte am Abend die Leipziger Polizei (siehe hier).

Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer des Journalistenverbandes DJU Berlin Brandenburg, klagte auf Twitter, mindestens 32 Journalisten seien von „körperlichen Angriffen und Behinderungen betroffen“ gewesen. Die Attacken seien im Wesentlichen von Teilnehmern der „#Coronaleugner Demo“ ausgegangen, so Reichel. Ich persönlich wurde nur Zeuge einer Szene, in der ein Teilnehmer einen Journalisten beschimpfte, dann aber von seiner Freundin abgedrängt wurde. Bemerkenswert ist, dass der Journalisten-Funktionär den Kampfbegriff „Coronaleugner Demo“ benutzt. Die Polizei konnte am Abend zunächst keine Angaben dazu machen, ob es Angriffe auf Journalisten gab, so die SZ. Ich persönlich wurde nur von Gegendemonstranten aggressiv angegangen, ohne erkennbaren Grund (siehe hier).

Parallel zu der Querdenken-Demo gab es Kundgebungen von Linksextremen im Stadtteil Connewitz, bei denen massive Gewalt ausgeübt wurde. So wurden Polizisten mit Steinen beworfen und Barrikaden in Brand gesetzt. Focus macht daraus die folgende Überschrift, die an Manipulation kaum zu übertreffen ist: „Sachsen: Video zeigt, wie nach ‘Querdenken‘-Demo die Lage in Leipzig eskaliert“.

Die 20-Uhr-Tagesschau arbeitete mit Framing: „Die Stimmung aufgeladen“ – so beginnt der Bericht dort, mit alarmierenden Bildern, auf denen sich Demonstranten und Polizisten im Halbdunkel gegenüberstehen. „Es gibt Auseinandersetzungen, mehrere Personen werden festgenommen“. Schon die Ankündigung des Beitrags war manipulativ: „Trotz der vielen Neuinfektionen demonstrieren rund 20.000 Menschen in Leipzig gegen die Corona-Beschränkungen.“ Interviewt hat das ARD-Team einen Demonstranten mit Aluhut – dafür mussten sie wohl lange suchen, ich selbst habe keinen gesehen. Und dass der Mann den Hut wohl aus Sarkasmus trug, erschließt sich aus dem kurzen Einspieler nicht. Der ARD-Bericht stellt auf den Kopf, was ich selbst erlebt habe. Im ZDF wurde die Demonstration in der 19-Uhr-Heute-Sendung nur mit ein paar Sätzen und ein paar Sekunden erwähnt.

Bei der Stasi waren „Maßnahmen der Zersetzung“  gemäß Richtlinie 1/76: Die „systematische Diskreditierung des öffentlichen Rufes, des Ansehens und des Prestiges auf der Grundlage miteinander verbundener wahrer, überprüfbarer diskreditierender sowie unwahrer, glaubhafter, nicht widerlegbarer und damit ebenfalls diskreditierender Angaben.“

Bereits im Vorfeld war es zu massiven Versuchen gekommen, der Demonstration Steine in den Weg zu legen – pikanterweise ausgerechnet durch den Ordnungsbürgermeister der umbenannten SED (siehe hier). Der ließ Hotels faktisch sperren, Buchungen wurden gekündigt und der „Linken“-Politiker wollte die Corona-Maßnahmen-Kritiker vor die Tore der Stadt auf den Parkplatz der Messe verbannen, neun Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Erst in letzter Sekunde kippte das Oberverwaltungsgericht diese Verbannung – nachdem sie das Gericht in unterer Instanz zuvor noch für zulässig erklärt hatte.

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PS: Hier mein Livestream mit meiner Bilanz zu den Ereignissen von Leipzig.

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PS: Eine Leserin schrieb mir folgendes:

Hallo Herr Reitschuster,

keine Ahnung ob Sie mir glauben werden, wie die hinter die Front kamen. Ich hatte mich ein wenig zurückgezogen vom Demolärm, in den kleinen Park hinter der Oper. Dort liefen ab und zu in 5-7-Mann-Gruppen schwarz Vermummte rum. Die Polizei nahm keinen Anstoß, trotz vieler Menschen im Park. Und diese Vermummten haben den Leuten auch nichts getan, nichts gesagt oder ähnliches. Ich ging Richtung bzw. stand dann auf der Goethestraße und unterhielt mich. Da die Demo abgebrochen war, waren nur noch vereinzelte Demonstranten zusehen. (Die ganze Straße war voller Polizei und Autos.) Die Vermummten kamen aus dem Park, liefen hoch Richtung Augustusplatz. Blieben nach 100 m stehen, besprachen sich und dann rannten sie in einem lockeren Tempo los, 10-12 Mann, Richtung Bahnhof (nahmen aber keine Notiz von den vereinzelten Demonstranten). Ein Demonstrant machte die Polizei auf das Ereignis aufmerksam, die hat es aber nicht gejuckt, die blieben ganz ruhig stehen. Es war abgesprochen, sie wussten wer die Leute sind und dass sie keine Gefahr für die Demonstranten waren. Die waren bestellt, für das Schauspiel was Sie beobachtet hatten. Und ich habe mir den Kopf zerbrochen und konnte es nicht einordnen. Denn im Bereich der Nikolai-Kirche, ist die Polizei gegen eine Gruppe schwarz Vermummter vorgegangen und haben diese verhaftet. Dank Ihres Beitrages verstehe ich das jetzt alles. Und hoffe, Ihrem Kopf geht es besser und ich werde mir wohl langsam aber sicher eine Kamera besorgen, als Beleg für solche Ereignisse.
Mit freundlichen Grüßen
XX

Eine weitere Leserin schrieb:

Lieber Herr Reitschuster,

ich denke, Sie haben recht mit den Provokateuren von der Seite:

gegen 14:30 oder 15 Uhr sind mein Mann und ich im Hauptbahnhof zur Toilette gegangen und danach durch den kleinen Park hinter der Oper zur Straße zurückspaziert. Uns hat total gewundert, dass kurz zuvor vor dem Opernhaus auf der linken Seite des Parks (wenn man vom Hbf kam) an der letzten Weggabelung nur der Weg nach links frei war. Geradeaus war ein Areal mit rot weißem Flatterband abgesperrt, was das hinterste Wegstück absperrte, zu drei Seiten. Auf dem Weg und den Bänken innerhalb der Absperrung waren lauter junge/mittelalte etwas dubiose Männer, die da abhingen. Wir konnten das gar nicht einordnen, warum die da sind und warum die abgesperrt sind. Waren es Linke, waren es Nazis, Handwerker, oder was, wir fragten uns das.

Nach Ihrem Video, was ich eben gesehen habe, vermute ich mal, die hielten sich dort bereit. Warum man sie auffällig abgesperrt hat? Dadurch fielen die uns ja überhaupt erst auf …

Viele Grüße aus Leipzig

 

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Bild: Boris Reitschuster
Text: br

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