Maßnahmen dürfen Kindeswohl nicht gefährden „Long-Lockdown“-Symptome deutlich gefährlicher als das Virus

Von reitschuster.de

Dass Kinder und Jugendliche nach einer Infektion mit Corona in aller Regel nichts zu befürchten haben, ist wahrlich keine Neuigkeit. Auch die Tatsache, dass Maßnahmen wie die Schulschließungen zu massiven Beeinträchtigungen der Lebensqualität und Bildungschancen geführt haben, ist allgemein bekannt. Angesichts der Tatsache, dass Politiker wie Karl Lauterbach aber nach wie vor Jagd auf unsere Jüngsten machen und diese an den Corona-Pranger stellen, kann es nicht oft genug betont werden: Die Folgen der Maßnahmen sind für die Kinder und Jugendlichen weitaus schlimmer als das Virus selbst. Erst vor wenigen Tagen hat der Bundesgesundheitsminister betont, Eltern müssten vor ihren Kindern geschützt werden, ganz so, als ob das Virus per Einbahnstraße nur in eine Richtung übertragen werden könnte. Jetzt haben sich im „Deutschen Ärzteblatt“ fünf renommierte Kinder- und Jugendärzte zu Wort gemeldet und einen stärkeren Fokus auf das Kindeswohl gefordert.

Die 0- bis 19-Jährigen seien von Anfang an am wenigsten von dem Virus betroffen gewesen. Das galt bereits für die Delta-Variante und noch viel mehr, seit Omikron das Ruder übernommen hat. Dennoch hätten viele der zur „Abwehr der Pandemie“ getroffenen Maßnahmen die Jüngsten unserer Gesellschaft besonders hart getroffen. Die Mediziner liefern dazu sehr aussagekräftige Zahlen: „Bis Anfang September 2022 sind dem Robert-Koch-Institut circa 148.000 Todesfälle unter ungefähr 32,5 Millionen registrierten SARS-CoV-2-Infektionen gemeldet worden. Darunter finden sich etwa 100 Todesfälle im Alter von 0–19 Jahren bei rund 7,3 Millionen Infektionen.“ Auch die pädiatrischen Fachverbände hätten wiederholt auf die geringe primäre (durch das Virus verursachte) Krankheitslast und die sehr viel bedeutsamere sekundäre (Maßnahmen) Krankheitslast hingewiesen. Ferner sei die priorisierte Berücksichtigung des Kindeswohls in Stellungnahmen des Expertenrats sowie im Rahmen des Deutschen Ärztetags 2022 mehrfach angemahnt worden.

Geminderte Lebensqualität und vermehrt psychosomatische Störungen

Als weiteres Indiz für die geringe Krankheitslast, die für Kinder von einer akuten COVID-19-Erkrankung ausgeht, führen die Autoren den starken Rückgang der sogenannten PIMS-Fälle an. Das „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ wurde bei Kindern und Jugendlichen oft als Begleiterscheinung einer Coronainfektion beobachtet. Während der Delta-Welle lag die Wahrscheinlichkeit für diese Diagnose noch bei 1:4.000, bei Omikron hingegen nur noch bei 1:40.000 bis 1:80.000, wie die Fachärzte ausführen. Zum Vergleich: Am 21. Juli 2022 twitterte das Bundesgesundheitsministerium: „0,2 Verdachtsmeldungen pro 1.000 Impfdosen beträgt die Melderate ans Paul-Ehrlich-Institut für schwerwiegende Reaktionen.“ Dies entspricht einem Risiko von 1:5.000 – bei doppelter Impfung erleidet also einer von 2.500 Impflingen „schwerwiegende Reaktionen“, mit jeder weiteren Dosis steigt das Risiko dementsprechend.

Seit Beginn der Pandemie seien der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) insgesamt 902 PIMS-Fälle gemeldet worden und bei 97 Prozent der jungen Patienten sei es danach zu einer vollständigen Genesung gekommen. Auch zu den vermeintlichen Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion beziehen die Kinder- und Jugendärzte Stellung. Long Covid könne zwar auch bei der jüngsten Altersgruppe vorkommen, jedoch sei das „sehr viel seltener“ der Fall als bei Erwachsenen und jüngere Kinder seien davon kaum betroffen. Viel mehr Sorge bereitet den Autoren etwas, das sie als „Long-Lockdown“ bezeichnen. Dabei handelt es sich um „Probleme im Zusammenhang mit der Pandemieerfahrung und -bewältigung“, die neben anderen psychosomatischen Störungsbildern vor allem bei Kindern und Jugendlichen beobachtet werden. Die Folgen der Pandemie (nicht etwa der Infektion) hätten bei den Jüngsten „zu verschiedenen somatischen, psychosomatischen, psychischen und psychiatrischen Störungsbildern“ geführt. Nicht nur an dieser Stelle wird deutlich, dass die Autoren immer wieder – und offenbar ganz bewusst – zwischen den Folgen der „Pandemie“ (wo man auch „Maßnahmen“ einsetzen könnte) und der „Infektion“ unterscheiden.

Dabei kommt das Ausmaß der sekundären Krankheitslast keineswegs überraschend. Entsprechende Erkenntnisse liegen spätestens seit der Veröffentlichung der COPSY-Studie im Herbst 2020 vor. Die Politik hat es lediglich versäumt oder war schlicht nicht gewillt, diese Hinweise zur Kenntnis zu nehmen. Je länger die Maßnahmen dauerten und je strenger sie vollzogen wurden, umso mehr und schneller sank die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen in Deutschland und umso häufiger kam es zu psychosomatischen Beschwerden. Als weitere Beispiele für die sekundäre Krankheitslast nennen die Autoren emotionale Probleme, Probleme mit Gleichaltrigen, Ängste und depressive Symptome. Eine besonders hohe Gefährdung sehen die Experten bei Kindern und Jugendlichen mit bildungsfernen Eltern, prekären Lebensbedingungen, Migrationshintergrund oder psychischen Problemen der Eltern.

Den größten Anteil an dieser Entwicklung haben nach Ansicht der Ärzte neben den Schließungen von Kitas und Schulen insbesondere die Behinderung von Bildungs- und Sozialisationszielen, die eingeschränkte Teilhabe in verschiedenen außerschulischen Bereichen sowie die soziale Vereinsamung. Darüber hinaus wurde die Zunahme der Mediensucht sowie der Suizidversuche bei Jugendlichen belegt. Der Kinder- und Jugendreport 2022 der DAK zeigt zudem einen deutlichen Anstieg bei Diagnosen für Depressionen, Ess- und Angststörungen sowie Adipositas.

Deutliche Kritik an der Impfung von Kindern

Nachdem sich renommierte Experten wie Prof. Dr. Andreas Sönnichsen im Interview mit Boris Reitschuster bereits sehr deutlich gegen eine Impfung von Kindern ausgesprochen haben, wird diese Meinung auch von den Autoren des vorliegenden Berichts unterstützt. „Die rasante Entwicklung einer Impfung gegen COVID-19 mittels neuer Technologien ist ohne Beispiel in der Impfgeschichte“, merken die Kinder- und Jugendärzte an. Es gebe zwar einige Publikationen, die auf einen positiven Effekt der Impfung für das PIMS und möglicherweise auch Long COVID bei Kindern hindeuteten, aber: „Festzuhalten ist, dass die Impfung die Infektion nicht verhindern kann, sodass sich auch Geimpfte infizieren und erkranken können.“ Die STIKO empfehle zwar eine Impfung für Kinder ab 5 Jahren, dennoch weise die Kommission ausdrücklich auch darauf hin, „dass der Impfstatus bei Kindern nicht zu Einschränkungen in der sozialen Teilhabe führen darf“. Bei der Anwendung neuer Impfstofftechnologien, gerade wenn diese bei Kindern und Jugendlichen stattfindet, fordern die Autoren eine „systematische wissenschaftliche Nachbeobachtung“.

Die aktuell dominante Omikron-Variante BA.5 sei zwar hochansteckend, zeige dafür aber eine geringere Krankheitslast, was die Autoren insbesondere auf die stabilere Immunitätslage in der Bevölkerung, einschließlich bei den Kindern und Jugendlichen, zurückführen. Diese Entwicklung werde sich „vermutlich auch bei zukünftigen Varianten beziehungsweise Infektionswellen“ bestätigen, da eine Kreuzreaktivität gegenüber den bekannten SARS-CoV-2-Varianten belegt sei. Auch darauf haben Koryphäen wie Prof. Dr. Sucharit Bhakdi schon im Frühstadium der sogenannten „Pandemie“ hingewiesen. Aber auch diese Hinweise aus wahrlich berufenem Munde verhallten ungehört.

Die Kinder- und Jugendärzte betonen, dass sich Infektionen auch in Zukunft trotz aller Maßnahmen nicht verhindern lassen werden. Da die Altersgruppe der 0- bis 19-Jährigen aber nicht zum Risikokollektiv gehöre, müsse dies auch „nicht um jeden Preis“ angestrebt werden. „Insofern müssen Maßnahmen angemessen sein und die besonderen Bedürfnisse und Gegebenheiten von Kindern und Jugendlichen prioritär berücksichtigen“, fordern die Autoren. Und weiter: „Unbenommen bleibt auf individueller Ebene die Infektionsprävention bedeutsam – dies unterscheidet SARS-CoV-2 allerdings nicht von anderen respiratorischen Virusinfektionen.“ Mit anderen Worten: Corona sollte wie eine Grippe behandelt werden.

Fokus auf das Kindeswohl

Bei der Verhängung der bisherigen Maßnahmen sahen die Kinder- und Jugendärzte das Gebot der Verhältnismäßigkeit offenbar nicht immer als gegeben an. Einschränkungen sollten für die Jüngsten „nicht schärfer formuliert werden“ als für Erwachsene. Die infektionsepidemiologische Risikolage müsse nach „allgemeingültigen und nachvollziehbaren Kriterien definiert“ werden. Keinen Raum für Diskussionen sehen die Autoren bei der dauerhaft garantierten Öffnung von Kitas und Schulen sowie dem Zugang zu Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche. Diese Dinge haben nach Ansicht der Experten höchste Priorität zu genießen.

„Das Wohl des Kindes ist vorrangig zu berücksichtigen.“ Diese Forderung richtet nicht nur die UN-Kinderrechtskonvention an alle Maßnahmen, die Kinder betreffen, sondern sollte auch für Gesellschaft und Politik gelten, so die Mahnung der Ärzte. Neben der Aufarbeitung der Sekundärfolgen messen die Autoren vor allem der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen und Programmen besondere Bedeutung bei, die Kinder und Jugendliche auf ihrem künftigen Bildungs- und Entwicklungsweg unterstützen. Dies gelte umso mehr für solche aus sozial vernachlässigten und bildungsfernen Bevölkerungsgruppen.

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Bild: Shutterstock

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