Minus-Wählerstimmen für Trump? US-Wahlen

Ein Gastbeitrag von Gregor Amelung*

Im Moment erregt ein Telefonat von Donald Trump die Gemüter hierzulande. Der US-Präsident hatte am Wochenende zum Hörer gegriffen und den Staatsminister (Secretary of State) von Georgia Brad Raffensperger angerufen. Die Tagesschau schrieb dazu: „In dem etwa einstündigen Telefonat forderte der Präsident Raffensperger unverblümt dazu auf, genügend Stimmen für ihn „zu finden“ und das Ergebnis „nachzuberechnen“ (…) „Ich will nur 11.780 Stimmen finden… weil wir den Bundesstaat gewonnen haben“, sagte [Trump] dem Mitschnitt [,der der Washington Post vorliegt,] zufolge.

Raffensperger solle die Ergebnisse nochmals prüfen, forderte der amtierende US-Präsident. „Aber prüfen Sie es mit Leuten, die Antworten finden wollen“, sagte Trump. Raffensperger entgegnete dem Mitschnitt zufolge: „Wir müssen zu unseren Zahlen stehen. Wir glauben, unsere Zahlen stimmen.“ Daraufhin titelte der Stern sogar: „Brad Raffensperger: Der Mann, der Donald Trump die Stirn bietet“.

Nun, irgendwie hat man wohl übersehen, dass Raffensperger, der für die Korrektheit des Wahlergebnisses in Georgia zuständig ist, sagte: „Wir glauben, unsere Zahlen stimmen“. Das ist ein bisschen wenig, wenn man bedenkt, dass er nunmehr fast zwei Monate Zeit gehabt hat, um zu „wissen“, dass die „Zahlen stimmen“.

Darüber hinaus gibt es vielleicht sogar handfeste Gründe, warum Donald Trump am Samstag, den 2. Januar zum Telefon gegriffen hat, um seinem Parteifreund Raffensperger mal ordentlich die Meinung zu geigen. Denn wenige Tage zuvor, am 30. Dezember hatte es nicht nur eine Hackergruppe um Jovan Pulitzer vollbracht, sich in eine in Georgia laufende Nachwahl zum US-Senat einzuhacken, sondern eine Gruppe von Datenanalysten hatten auch ihr Untersuchungsergebnis zur Präsidentschaftswahl in Raffenspergers Staate Georgia vorgestellt.

Die sogenannte DIG (Data Integrity Group) bestehend aus einem ehemaligen CIA-Vertragspartner und Datenanalysten, einem Programmierer aus dem Bereich Versicherungsbetrug und einer Producerin aus dem Medienbereich war wie Pulitzer Gast des Justizunterausschusses des Senats von Georgia gewesen. Zu ihrer Analyse hatte sie die offiziell zugänglichen Zahlen ausgewertet und sich dabei auf die Bezirksebene konzentriert. Zur Erklärung: eine Wahl in den USA wird organisatorisch auf County-Ebene abgewickelt, das heißt: der Wähler geht in seinem Bezirk (precinct) zur Wahl, das County rechnet das Wahlergebnis seiner Bezirke zusammen und meldet es dann hoch an den Bundesstaat. In diesem Fall an das Büro von Brad Raffensperger. Gegenstand der Untersuchung von DIG war allerdings nicht das Wahlergebnis sondern die Zwischenergebnisse, die im Verlauf der Auszählung weitergemeldet worden waren.

Dabei fanden die Analysten negative Trump-Stimmen, also Subtraktionen. Eine Rechenoperation, die bei der Auszählung von Stimmzetteln eigentlich nicht vorkommen kann. Es sei denn, ein Fehler oder eine technische Panne würde korrigiert. Aber darüber müsste es erstens Aufzeichnungen im Sinne eines Protokolls geben, alleine schon, damit man mögliche technische Probleme für die nächste Wahl beheben kann, zweitens müsste es bei einer übersichtlichen Anzahl und Größe von Fehlern oder Pannen bleiben. Das heißt, die Subtraktion von Trump-Stimmen dürfte nur ein- oder zweimal auftreten und dann nur so 50 oder 100 Stimmen umfassen, die beispielsweise aus Versehen doppelt durch eine Zählmaschine gelaufen sind.

Aber derart klein und selten waren die Fehlerteufelchen, die die Data Integrity Group fand, nicht. Es waren regelrechte Höllenfürsten, die mehrfach auftraten und Hunderte sowie Tausende von Wählerstimmen schwer waren. Zum Beispiel in Putnam County in Georgia.

Dass die Abzüge zu Ungunsten von Trump niemanden auf bundesstaatlicher Ebene aufgefallen waren – auch nicht dem verantwortlichen Staatsminister Raffensperger –, erklärten die Analysten damit, dass der Bundesstaat nur Meldungen des Counties erhält, aber keine Zwischenmeldungen der Bezirksebenen (precinct updates).

Insgesamt gibt das Team an, dass auf diese Weise in ganz Georgia mehr als 30.000 Stimmen von Trump entfernt und weitere 12.173 Stimmen auf Joe Bidens Konto gutgeschrieben worden sind. Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass Bidens offizieller Vorsprung in Georgia im Moment 11.779 Stimmen beträgt.

Wenn das wahr ist, hätte Georgia seine 16 Wahlmänner niemals für Joe Biden zertifizieren dürfen. Nicht bevor jeder einzelne Wählerabzug detailliert untersucht und aufgeklärt worden wäre. Aber wie sagte Brad Raffenesperger noch? – „Wir glauben, unsere Zahlen stimmen.“

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* Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: lakshmiprasada S/Shutterstock
Text: gast

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Transparenzhinweis: Durch ein redaktionelles Versehen ist dieser Artikel leider nicht rechtzeitig online gegangen; da er aber zu wertvoll war, um ihn in der Ablage versauern zu lassen, habe ich ihn am 16. Januar rückdatiert auf den 11. Januar 2020 undatiert online gestellt – zu dem Zeitpunkt, als er eigentlich hätte.

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