Regierung sieht Zusammenhang zwischen AfD-Nähe und Impfskepsis Wanderwitz hat wieder zugeschlagen

Er kann es nicht lassen. Merkels Ostbeauftragter Marco Wanderwitz (CDU) hat wieder zugeschlagen. Wieder mit einer Aussage, die zum Lachen wäre, wäre es nicht so traurig, dass er die Menschen in Deutschland auf schier unerträgliche Weise spaltet.

Wanderwitz hatte bereits vergangenes Jahr ausgemacht, es gebe einen Zusammenhang zwischen Corona-Erkrankungen und Nähe zur AfD: „Es ist auffallend, dass die am stärksten betroffenen Regionen die sind, in denen der AfD-Stimmenanteil bei Wahlen am höchsten ist.“ (nachzulesen hier) Jetzt legt der Mann, der kaum eine Zündschnur auslässt, wenn es darum geht, die Gesellschaft auseinanderzudividieren, um damit offenbar seiner Chefin, der Bundeskanzlerin, zu gefallen, noch einmal nach.

„Es gibt zwischen der Zustimmung für die AfD und Impfablehnung einen klaren Zusammenhang“, sagte Wanderwitz den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Sämtliche AfD-Funktionäre leugnen Corona und raten vom Impfen ab. Das bedeutet in der Folge, dass sich der durchschnittliche AfD-Wähler nicht impfen lässt“, sagte Wanderwitz demnach. Und lügt damit dreist. Man kann zur AfD stehen, wie man will – dass „sämtliche Funktionäre“ der Partei „Corona leugnen“, ist falsch. Die Aussage wirkt wie üble Nachrede.

Weiter führt Wanderwitz aus, da es im Osten einen deutlich höheren Anteil von AfD-Wählern gebe, werde klar, wie es zu dem geringeren Impfanteil dort komme. Der Zusammenhang lasse sich „nicht wegdiskutieren“.

Das ist – mit Verlaub – absoluter Unsinn. Der Mann hat den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation nicht kapiert. Oder er führt absichtlich die Menschen in die Irre. Denn für geringere Impfquoten im Osten kann es zahllose andere Gründe dort geben als einen höheren Anteil an AfD-Wählern. Viel spricht dafür, dass vor allem die Diktaturerfahrung eine Rolle spielt – sowohl für die Affinität zu harter Opposition, als auch Abneigung gegen Impf-Propaganda. Aber das ist nur eine Annahme – die ich im Gegensatz zu Wanderwitz nie als „nicht wegdiskutierbar“ bezeichnen würde.

Der Ostbeauftragte kann denn auch keinen einzigen wissenschaftlichen oder sonstigen Beleg für seine steile These aufführen. Die ist in etwa so logisch, als wenn man sagen würde, Bayern hat einen besonders hohen Anteil von CSU-Wählern, viele CSU-Politiker sind übergewichtig, also gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen Übergewicht und CSU-Zustimmung.

Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind bundesweit bei den Erst- und Zweitimpfungen Schlusslicht.

Die AfD setze in ihrem Wahlkampf ganz auf das Thema Impfen und Corona. „Die allermeisten AfD-Funktionäre gehen aggressiv gegen das Impfen sowie gegen sämtliche Corona-Maßnahmen vor – ähnlich wie der frühere US-Präsident Donald Trump“, so die Aussage von Wanderwitz. Dies führe dazu, dass sich der durchschnittliche AfD-Wähler nicht impfen lasse, behauptet Wanderwitz. Ein merkwürdiges Bild vom Bürger – offenbar hält er den nicht für mündig, wenn er glaubt, er würde sich von der bevorzugten Partei vorsagen lassen, ob er sich impfen lässt.

Gegenüber der Zeitung „Welt“ untermauerte Wanderwitz seine steilen Thesen sogar. Er verwies auch auf Umfragen, „nach denen 70 bis 80 Prozent der AfD-Wähler die Corona-Maßnahmen ablehnten und spricht von einer ‘evidenten Korrelation‘. Auch in Umfragen sprachen sich mehr AfD-Wähler gegen eine Impfung aus, als es Wähler anderer Parteien tun.“ Dazu die „Welt“: „Wissenschaftlich in Studien belegt ist der Zusammenhang zwischen der politischen Einstellung und der Impfquote allerdings bisher nicht. Wanderwitz möchte seine Aussage daher auch als ‘politische‘ Bewertung verstanden wissen.“

Als ob Unsinn dadurch weniger unsinnig würde, dass man ihn als „politische Bewertung“ verstanden wissen will.

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Bild: Foto-AG Gymnasium Melle / Wikicommons / CC BY 3.0
Text: br


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