Sahra Wagenknecht über Regierung: „Haben die ihren Verstand verloren?“ „Das ganze Gerede über Herdenimmunität war von Anfang an eine Täuschung!“

Von reitschuster.de

Sahra Wagenknecht startet ihre aktuelle Wochenschau mit einer Reihe von Zitaten führender deutscher Politiker zur Impfpflicht:

Ich halte es nicht für notwendig, eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland zu verhängen, sagte Heiko Maas, der geschäftsführende Außenminister, gegenüber der Bildzeitung am 19. November 2021.

Also, erstens bin ich gegen eine Impfpflicht… verkündete der designierte neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am 12. September 2021 bei Maybritt Illner im ZDF.

Wir haben gesagt, es wird keine Impfpflicht geben, erklärte noch am 13. Juni 2021 Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier zitiert von den Tagesthemen.

Und weil es ja schon wieder anders behauptet wird – auch in den sozialen Medien –, ich gebe ihnen mein Wort, es wird in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben, erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn im Deutschen Bundestag am 18. November 2020.

So eine Art Impfzwang – ich will mal deutlich sagen, das ist Unfug. Niemand wird in der Bundesrepublik Deutschland gegen seinen Willen geimpft, twitterte Anfang Mai 2020 per Videoeinspieler Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer.

Eine Impfpflicht wäre nicht verhältnismäßig, so FDP-Chef Christian Lindner am 6. September 2021 bei Maybritt Illner im ZDF.

Sahra Wagenknecht (Die Linke) kommentiert diese in ihrer Dichte noch einmal mehr verstörende Sammlung an Lippenbekenntnissen in ihrer Wochenschau so: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Das sei ja ein erprobtes Politikermotto, das jetzt auch für die Impfpflicht gelten würde, so Wagenknecht, die weiter daran erinnert, dass zunächst der bayerische Ministerpräsident umgekippt sei, dann nach und nach weitere Länderchefs, zwischenzeitlich sei auch der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz dafür, dass die allgemeine Impfpflicht nun kommen soll.

Die Hospitalisierungsrate sinkt

Wagenknecht erinnert auch daran, dass die sogenannte Hospitalisierungsrate laut dem Robert Koch-Institut (RKI) seit einer Woche sinken würde, „warum auch immer“. Die Zustände wären aber weiter nicht gut, so die Politikerin mit gespielter Entrüstung, und dann käme als ultimativer Horror noch eine neue Supermutante hinzu.

Und diese Mutante sei besonders deshalb gefürchtet, lese man, so Wagenknecht, weil sie den Impfschutz umgehen könne. „Und klar, eine Mutante, die vielleicht den Impfschutz aushebelt, die ist natürlich das ultimative Argument für eine allgemeine Impfpflicht.“

Sahra Wagenknecht regt sich darüber auf, dass schon wieder die ganz große Panik gemacht wird. Dabei hätten doch die mRNA-Impfstoffhersteller gesagt, ein großer Vorteil der mRNA-Technologie sei doch, dass man sie immer wieder anpassen könne an neue Virusmutationen. Das wäre bei der Delta-Variante auch schon großspurig angekündigt worden. Und Wagenknecht erinnert daran, dass ein führender Virologe schon bestätigt hätte, dass genau auf die Delta-Variante zugeschnittene Impfungen doch längst vorrätig seien.

Kommentar der Politikerin dazu:

Ja, da fragt sich doch der naive Bürger, wieso eigentlich hat die Politik nicht drauf bestanden, dass genau diese Impfstoffe dann auch spätestens ab Sommer dieses Jahres eingesetzt werden? (…) Aber wir verimpfen nach wie vor genau den Impfstoff, der gegen ein Virus entwickelt wurde, das es so gar nicht mehr gibt.

Das Einzige, was sich verändert hätte gegenüber dem Frühjahr, sei der Preis, der wäre um 25 Prozent gestiegen, so Wagenknecht mit deutlichem Unterton.

Auch wurden die Leute nicht gewarnt, dass sie erstens auch ansteckend seien und zweitens mittlerweile fast genauso schlecht gegen die Delta-Variante geschützt seien wie die Ungeimpften.

'Der Impfstatus hat ein Verfallsdatum'

Aber die schon Geimpften sollten noch aus einem weiteren Grund hellhörig werden: „Herr Scholz hat gesagt, der Impfstatus hat ein Verfallsdatum“, so die prominente Linke, „nach seinem Vorschlag sollen das sechs Monate sein“. Und wer sich nach sechs Monaten nicht neu impfen ließe, gelte dann als Ungeimpfter. Und, ergänzt Sahra Wagenknecht, „der macht sich dann sogar strafbar, wenn es eine allgemeine Impfpflicht in Deutschland gibt“.

Die EU hätte vorgeschlagen, diese sechs Monate auf neun auszuweiten; der Geimpftenstatus würde dann immer nach neun Monaten verfallen. Laut Wagenknecht geht es hier darum, „die gesamte Bevölkerung alle paar Monate unter Strafandrohung durchzuimpfen“. Und sie fragt provokant:

Das soll jetzt wirklich der Ausweg aus der Corona-Pandemie sein? Also manchmal frage ich mich, haben die wirklich ihren Verstand verloren? Das kann man doch nicht ernsthaft vertreten.

Sahra Wagenknecht betont hier aber auch, dass sie sehr wohl froh sei, dass Impfungen erfunden worden seien, um schlimme Krankheiten teilweise sogar auszurotten. Oder zurückzudrängen. Und so gäbe es tatsächlich Situationen, wo man auch über eine allgemeine Impfpflicht nachdenken könne. Diese sei aber an Bedingungen geknüpft:

Es muss sich um eine Krankheit handeln, die alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen oder zumindest in ähnlicher Weise bedroht. (…) Eine Krankheit, die alle dahinrafft und wo man mit der Impfung ein Mittel hat, dieses schlimme Sterben zu beenden. Die Pest z.B. war so eine Krankheit.

Man könne dann sogar über eine Impfpflicht nachdenken, wenn diese vor der Übertragung wie auch vor der Ansteckung schützt. So ließe sich der Versuch unternehmen, mit einer Impfung eine Herdenimmunität zu erzeugen. Das aber würde uns bei Corona nur „vorgegaukelt“, keine der genannten beiden Bedingungen sei erfüllt für eine Impfpflicht, weiß Wagenknecht.

Ungeimpfte keine Superspreader

Die Ungeimpften wären nicht die Superspreader, als die sie verkauft würden. Die Linkspolitikerin wiederholt es schon über viele ihrer Beiträge hinweg wie eine Litanei, weil es ihr so wichtig ist:

Das ist falsch. (…) Alle aktuellen Studien belegen, dass es diesen Schutz vor Infektionen und vor der Weitergabe des Virus nicht gibt.

Sahra Wagenknecht zitiert aus MDR-Wissen online, die geschrieben hatten: „Fachleute warnen deshalb explizit davor, die Impfung überzubewerten.“

Und die Politikerin kommentiert es klipp und klar: Das Argument, dass Geimpfte das Virus weniger häufig verbreiten, stimme einfach nicht, das könne man auch an den hohen Inzidenzen in Ländern mit besonders hoher Impfquote ablesen.

'...von Anfang an eine Täuschung'

Wagenknecht fährt hier schwere Geschütze gegen die Regierung auf: „Das ganze Gerede über Herdenimmunität war von Anfang an eine Täuschung“. Damals hätte man erzählt, wir bräuchten 60 Prozent, dann 70 Prozent Durchimpfung, dann hätten wir Herdenimmunität. Jetzt wäre man schon bei 90 Prozent angekommen.

Das kommentiert sie so:

Völliger Blödsinn, wir kriegen keine Herdenimmunität mit diesen aktuellen Impfstoffen. Das ist erst einmal völlig klar, dieses Argument fällt weg. Und darauf haben ja auch immer wieder renommierte Virologen hingewiesen.

Im Zusammenhang mit der Impfpflicht stellt Wagenknecht noch eine zweite interessante Frage: „Darf man Menschen auch zum Eigenschutz zwingen?“ Das wäre, so die Politikerin, wenn, dann überhaupt erst erwägenswert, wenn das Gesundheitssystem sonst zusammenbräche und andere Krankheiten nicht mehr behandelt werden könnten.

Aber das sei eben nicht der Fall, Corona wäre für bestimmte genau definierbare Risikogruppen hochgefährlich. Diese Gruppen müsse man schützen und das sei auch die Idee gewesen von Anfang an.

Kein einziger junger Mensch nur an Corona gestorben

„Von über 100.000 Todesfällen, die wir in Deutschland inzwischen haben, sind gerade mal 1.500 unter 50 Jahre alt gewesen“, so die Politikerin zu den Todeszahlen nach einer COVID-19-Infektion, gestützt auf eingeblendete Zahlen des RKI.

Und sie betont, dass man davon ausgehen könnte, dass die allermeisten dieser 1,5 Prozent jüngeren Menschen eine Vorerkrankung hatten. Auch hätte der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO) darauf hingewiesen, dass noch kein einziger junger Mensch nur an Corona gestorben sei. Dennoch würde man hier für Ungeimpfte den Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben vorbereiten.

Schließlich kommt Wagenknecht auf die sogar von der WHO empfohlenen, weltweit schon milliardenfach verimpften klassischen Corona-Impfstoffe zu sprechen, die sogenannten Totimpfstoffe. Ihre Zulassung wäre ein Schlüssel hin zu einer gesteigerten Impfquote – auch unter solchen Älteren, die sich bisher noch nicht haben impfen lassen, auch die gäbe es ja noch.

Ein Schlüsselsatz dieser Wochenschau von Sahra Wagenknecht geht so:

Man muss klar sagen: Ein unter 40-jähriger gesunder Ungeimpfter hat ein viel geringeres Risiko, auf einer Intensivstation zu landen, als ein doppelt Geimpfter über 70-Jähriger, dessen Impfung vielleicht schon vier oder fünf Monate zurückliegt.

Die Linkspolitikerin erwähnt ergänzend zur Debatte noch eine weitere Gruppe, die bisher in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht oder kaum vorgekommen sei: Jene Menschen, die nicht geimpft und nicht genesen sind, sondern die einfach eine natürliche Immunität gegen Corona hätten. Auch diese gäbe es. Und gar nicht so selten, es beträfe vor allem Menschen, die beruflich viel mit Kindern zu tun hätten.

Medikamentöse Therapien ausschöpfen?

Auch frühzeitige medikamentöse Therapien seien noch viel zu wenig ausgeschöpft, sagt Wagenknecht, da würde man die Infizierten einfach nach Hause schicken und erst, wenn es ganz schlimm geworden sei, würde der Krankenwagen gerufen. Auch hier viel früher mit Medikamenten einzugreifen, könnte das Gesundheitssystem entlasten helfen.

Sahra Wagenknecht hat in dieser Wochenschau einen Rundumschlag versucht und viele Punkte aus anderen Sendungen und Beiträgen zusammengeführt. Man sollte der Linken nicht in allem bedingungslos folgen – Widerspruch war nie der schlechteste Ratgeber –, aber man darf sehr wohl anerkennen, dass speziell diese Folge der Wochenschau gut geeignet ist, sich auch einmal selbst zu fragen: Wo stehe ich in diesem oder jenem Punkt? Was ist meine Haltung dazu? Was sehe ich anders als Sahra Wagenknecht und wo nehme ich den Denkanstoß gerne mit?

Bild: Screenshot Sahra Wagenknecht Youtube
Text: reitschuster.de

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