Stiftung Bethel droht Ungeimpften weiter mit Kündigung Evangelisches Hilfswerk sieht Impfen als "christliche Pflicht"

Von Kai Rebmann

Die sektorale Impfpflicht im Gesundheitswesen hat sich als zahnloser Papiertiger erwiesen. Dabei war eigentlich schon vorher klar, dass sich diese Regelung angesichts eines eklatanten Pflegenotstands in Deutschland gar nicht konsequent durchsetzen lassen wird. Die praxisfernen Politiker in Berlin kümmerte das freilich wenig, sie wollten ihre Impfpflicht – wenn auch nur einrichtungsbezogen – und haben sie schließlich bekommen. Nur wenige Wochen nach dem Inkrafttreten Mitte März meldeten die ersten Pflegeheime und Gesundheitsämter, dass auf die Kündigung ungeimpfter Mitarbeiter bis auf weiteres verzichtet werden muss, ganz einfach weil diese Kräfte unverzichtbar sind. Damit war die sektorale Impfpflicht in Deutschland faktisch schon zum Scheitern verurteilt. Denn: Wo ein Gesetz nicht für alle gilt, muss es dem Gleichheitsgrundsatz folgend für niemanden gelten – zumindest in der Theorie.

Während immer mehr Bundesländer inzwischen offiziell oder aber stillschweigend von der einrichtungsbezogenen Impfpflicht abrücken, leistet ein unbeugsamer Impf-Apologet in Bielefeld unerbittlichen Widerstand. Der Pastor Ulrich Pohl ist Chef des evangelischen Hilfswerks Bethel, das eigenen Angaben zufolge in acht Bundesländern mehr als 20.000 Mitarbeiter in über 140 sozialen Einrichtungen beschäftigt. Zu diesen Einrichtungen gehören unter anderem Altenheime, Kliniken, Behinderten-Werkstätten, Schulen und Wohnheime. Im Interview mit der „Neuen Westfälischen“ outet sich Pohl nicht nur als Corona-Hardliner, sondern erklärt auch, warum er das Impfen als eine „christliche Pflicht“ ansieht.

Die wundersame Wandlung vom Saulus zum Paulus

Gleich zu Beginn des Interviews schaltet der Pastor so rasant in den Panikmodus, dass es selbst einem Karl Lauterbach zur Ehre gereichen würde. Auf die Frage, was ihm trotz der aktuell entspannten Lage am meisten Sorgen bereite, antwortete der Bethel-Chef: „Die nicht absehbare Entwicklung von Corona. Welche Welle kommt im Winter auf uns zu, welche Virus-Varianten?“ Ähnlich wie für den Bundesgesundheitsminister scheint auch für Pohl die Frage nicht zu sein, ob überhaupt neue Wellen kommen, sondern nur, wie schlimm diese werden und mit welchen Varianten. Und auch den Hang zu Kehrtwenden und Widersprüchen innerhalb nur weniger Sätze scheint sich Pohl bei Lauterbach abgeschaut zu haben. Zu möglichen Risiken der mRNA-Vakzine sagte der Sozialarbeiter: „Es werden Schauermärchen erzählt, die überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Das ist etwas anderes als die Furcht vor Impfungen, die es schon immer gab. Für die ich Verständnis habe.“ Nur drei Sätze später bezeichnete er die ungeimpften Bethel-Mitarbeiter dann als „Impf-Verweigerer“, von denen man sich trennen werde. Mit dem Verständnis für die verständliche „Furcht vor Impfungen“ scheint es bei Pohl also nicht allzu weit her zu sein.

Und auch ein weiterer Widerspruch zu den Vorzügen und dem Nutzen der Impfung scheint dem evangelischen Geistlichen überhaupt nicht mehr aufzufallen. Einerseits wirbt er durchweg für eine allgemeine Impfpflicht und lässt davon abweichende Meinungen überhaupt nicht mehr gelten, andererseits sagt Pohl aber auch Sätze wie diesen: „Nun aber, wo seit Ende 2020, Anfang und Mitte 2021 geimpft wird, oft schon zum dritten, manchmal zum vierten Mal, da sollten wir das Thema rationaler angehen.“ Damit tut der Bethel-Chef so, als sei es bei Impfungen, also einer Immunisierung, das Normalste der Welt, dass diese alle paar Monate aufgefrischt werden muss. Mit welch religiösem Eifer sich Pohl inzwischen seiner Rolle als Impfbotschafter verschrieben hat, macht die Behauptung deutlich, wonach er das Impfen als eine „christliche Pflicht“ ansieht.

Offenbar handelt es sich dabei um den offiziellen Sprachgebrauch, der innerhalb der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) vorgegeben oder zumindest „erwartet“ wird. Auch die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus hatte sich bereits wortgleich zu dieser Frage geäußert. Bemerkenswert: Pohl deutet in dem Interview an, dass er wohl nicht immer eine solch hohe Meinung von den Genfähren gehabt hat. „Ich selbst habe übrigens an mir entdeckt, dass sich Meinungen im Verlaufe der Pandemie wandeln können, und das möchte ich auch anderen zugestehen.“ Wie ist diese seltsame Wandlung vom Saulus zum Paulus zu erklären? Vielleicht ja so: Annette Kurschus war über viele Jahre hinweg in Pohls Heimat als Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen tätig und trat ihr Amt als EKD-Vorsitzende erst im November 2021 an. Kurz darauf begann Pohl, als Botschafter für die Vorzüge der Impfung aufzutreten. Nur Zufall?

Pohl tritt die Werte des eigenen Hilfswerks und des Christentums mit Füßen

Völlig losgelöst von der Frage, ob es innerhalb der EKD eine Vorgabe gibt, – der Verdacht erhärtet sich allerdings – ausgerechnet die Corona-Impfung als „christliche Pflicht“ zu predigen, sollte sich Ulrich Pohl auf die Werte besinnen, die sich das von ihm seit dem Jahr 2008 geleitete Hilfswerk selbst gegeben hat. Auf der Homepage von Bethel wird in dicken Lettern der wichtigste Grundsatz der Organisation angepriesen: „Gemeinschaft verwirklichen!“ Wie geht Gemeinschaft mit der Ausgrenzung Andersdenkender zusammen? Wie kann ein Geistlicher das auskömmliche Zusammenleben in einer Gesellschaft vom Impfstatus abhängig machen und sagen „Wir können in unserer Gesellschaft nicht allzu gut weiterleben, wenn sich nicht ein großer Teil der Ungeimpften endlich impfen lässt“?

Ein weiterer Aspekt, an den Pohl womöglich noch gar nicht gedacht hat, ist, dass er insbesondere christliche Glaubensbrüder trifft, wenn er diese aufgrund fehlender Impfung auf die Straße setzt. Ist dem Pastor oder sonst irgendjemandem bei der EKD schon einmal der Gedanke gekommen, dass sich viele Christen nicht mit mRNA-Impfstoffen impfen lassen, gerade weil sie Christen sind? In den Verlautbarungen von Kurschus, Pohl und Co. wird ständig nur gefragt, wie man Christ sein kann und sich trotzdem nicht impfen lassen kann. Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber eines steht fest: Ausgrenzung, Diffamierung und Spaltung werden an keiner Stelle des Evangeliums als Lösung von irgendwelchen Problemen gepredigt. Aber vielleicht kommt auch diese im wahrsten Sinne des Wortes „Frohe Botschaft“ eines Tages auch noch in Bethel und bei der EKD an.

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DAVID
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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