Trotz Lehrermangels: zu dick für die Verbeamtung Bauchklatscher für angehende Lehrerin

Von Daniel Weinmann

Der Mangel an Unterrichtenden, um es in bestem Gendersprech auszudrücken, verschärft sich immer weiter. Tausende Stellen sind unbesetzt – und es fehlt an qualifizierten Bewerbern. Die Zahl der Schüler in Deutschland wird nach Prognosen der Kultusministerkonferenz in den kommenden Jahren stärker steigen als bisher erwartet. Laut ihren jährlich aktualisierten Vorausberechnungen, die von der KMK am 20. September vorgelegt wurden, geht sie davon aus, dass die Zahl bis 2035 von heute elf auf zwölf Millionen steigen wird. Das sind 300.000 mehr als bei der Prognose vor Jahresfrist.

Allein in Berlin, wo 1500 Lehrer fehlen, hatten laut GEW zwei Drittel der neu eingestellten Lehrerinnen und Lehrer keinen regulären Lehramtsabschluss. Um die Personalnot zu lindern, wirbt der Senat neben Zulagen und Quer- sowie Seiteneinstiegen auch mit der Übernahme ins Staatsdienerverhältnis. „Wir verbeamten“, hat sich die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie auf die Fahnen geschrieben.

Es sei im Interesse der gesamten Schulgemeinschaft, von Eltern, Lehrkräften und Schüler/-innen, von Wirtschaft und Gewerkschaften, so viele Lehrkräfte wie nur möglich an den Berliner Schulen zu halten und attraktive Bedingungen für sie zu schaffen. „Deshalb kehrt Berlin nach 18 Jahren wieder zur Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern zurück“, so die Senatsverwaltung.

Dauerhaft mehr Netto vom Brutto – aber nur mit dem passenden Körperumfang

Das Lehrkräfteverbeamtungsgesetz ist im Februar in Kraft getreten. Auf dieser Grundlage können Bestandslehrkräfte bis zum 31. Dezember 2026 verbeamtet werden. Die Einstellung in ein Beamtenverhältnis erfolgt auf Antrag. CDU-Senatorin, Katharina Günther-Wünsch ging derweil mit Slogans wie „dauerhaft mehr Netto vom Brutto als Tarifbeschäftigte“, „Ernennung auf Lebenszeit sowie Pension statt gesetzlicher Rente“ auf Lehrer-Fang.

Vorsorgen: Strom für den Notfall

Was klingt wie eine „gmahde Wiesn“, entpuppt sich indes in manchen Fällen als buchstäbliche Bauchlandung, wie eine junge Frau gegenüber der „Berliner Zeitung“ schildert. Die 36-Jährige, die eigentlich Ärztin werden wollte, aber den dafür nötigen Notendurchschnitt knapp verfehlte, folgte dem Lockruf des Oberschulamts. „Herzlichen Glückwunsch, alle neuen Lehrer bekommen Gehaltsstufe 5, die höchste, von Anfang an“, lautete die verführerische Botschaft im ersten Studiensemester. Sogar Bewerber ohne Abitur seien zugelassen worden.

Sie entschied sich für eine Lehranstalt mit einem hohen Anteil von Kindern „nichtdeutscher Herkunftssprache“. Eine Freundin schwärmte vom Kollegium. Im Masterstudium bekam sie die Abschlussnote 1,1, das Staatsexamen bestand sie mit 1,0. Beste Voraussetzungen also für die verheiratete Mutter zweier Kinder.

Fünf Seiten Untersuchungsergebnisse

Es hätte so schön sein können, denn zur Vervollkommnung ihres beruflichen Glücks muss sie nur noch die obligate amtsärztliche Untersuchung hinter sich bringen. Doch diese entpuppt sich als demütigendes Desaster. Bis auf die Unterwäsche muss sie sich ausziehen, ihr Körper wird vermessen und inspiziert.

Sie muss mit geschlossenen Augen die Nase und bei durchgestreckten Knien den Boden mit der Hand berühren. Ohren, Augen und Reflexe werden getestet, Blutdruck, Puls, Taillenumfang abgezirkelt. Ebenfalls Gegenstand der Untersuchung sind der Ernährungszustand, Körperbau, Haltung, Muskulatur, Gangbild, Gesichtsfarbe, Zustand der Zähne, der Atmungsorgane sowie der oberen und unteren Extremitäten.

Die Ergebnisse erstrecken sich über fünf Seiten. Aus dem Rahmen fallen nur zwei Werte: ihr Gewicht und ihr Blutdruck. Die junge Frau ist sich sicher, nun bald den Amtseid schwören zu können. Doch das Landesamt für Gesundheit und Soziales sieht „gesundheitliche Bedenken“ – und eine Vielzahl von Krankheiten. Grund: Ihr Body-Mass-Index ist zu hoch.

Klage gegen die Ablehnung der Verbeamtung

Wegen ihres Gewichts erhält sie nicht den begehrten Beamtenstatus. „Das ist eine sehr bittere Erfahrung“, zetert die junge Frau. Sie habe es satt, das Gefühl, mehr zu leisten als andere, aber wegen ihres Gewichts dafür keine Wertschätzung zu bekommen. Statt dauerhaft mehr Nettolohn und höhere Altersbezüge muss sie nun wahlweise abspecken oder künftig kleinere Brötchen backen – was letztlich möglicherweise doch zum vom Berliner Senat verlangten Körpermasseindex führen könnte.

Doch diese Erniedrigung will sie nicht über sich ergehen lassen. Zwischenzeitlich hat sie Klage eingereicht gegen die Ablehnung der Verbeamtung und ihren Direktor wissen lassen, dass er sie im nächsten Schuljahr nicht mehr berücksichtigen muss. Sie hat die Nase voll von den Berliner Bürokraten. Außerdem hat sie ein neues Angebot – in Brandenburg.

Unter Beschuss – aber umso wichtiger ist Ihre Unterstützung!  

„Verschwörungsideologe“, „Nazi“ oder „rechter Hetzer“: Als kritischer Journalist muss man sich heute ständig mit Schmutz bewerfen lassen. Besonders aktive dabei: die öffentlich-rechtlichen Sender. Der ARD-Chef-Faktenfinder Gensing verklagte mich schon 2019, der Böhmermann-Sender ZDF verleumdete mich erst kürzlich als „Verbreiter von Verschwörungserzählungen“ – ohne einen einzigen Beleg zu benennen, und in einem Beitrag voller Lügen. Springer-Journalist Gabor Steingardt verleumdete mich im „Focus“, für den ich 16 Jahre lang arbeitete, als „Mitglied einer Armee von Zinn­soldaten“ und einer „medialen Kampf­maschine“ der AfD. Auf Initiative des „Westdeutschen Rundfunks“ wurde ich sogar zur Fahndung ausgeschrieben. Wehrt man sich juristisch, bleibt man auf den Kosten in der Regel selbst sitzen. Umso wichtiger ist Ihre Unterstützung. Auch moralisch. Sie spornt an, weiter zu machen, und nicht aufzugeben. Ich danke Ihnen ganz herzlich dafür, dass Sie mir mit Ihrem Beitrag meine Arbeit ermöglichen – ohne Zwangsgebühren und Steuergelder.
Aktuell sind (wieder) Zuwendungen via Kreditkarte, Apple Pay etc. möglich – trotz der Paypal-Sperre: über diesen Link. Alternativ via Banküberweisung, IBAN: DE30 6805 1207 0000 3701 71. Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut.

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock

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