Üppige Boni bei Berliner Landesunternehmen Gehälter übersteigen teils deutlich das Bundeskanzler-Salär

Von Daniel Weinmann

Als der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) die Bonuszahlungen für sein Spitzenpersonal offenlegte, ging ein Raunen durch die Republik. „Leistungsorientierte Vergütungen“ zwischen 30.000 und 40.000 Euro sind offenbar an der Tagesordnung. Während die RBB-Geschäftsleitung der korrupten Selbstbedienungsmentalität einen Riegel vorschieben will, schöpfen die Manager der Berliner Landesunternehmen aus dem Vollen.

Die „BZ“ nennt Beispiele en masse. Exemplarisch dafür steht Stephanie Otto: Die Chefin der Berliner Stadtreinigung kassierte im vergangenen Jahr 426.000 Euro, darin enthalten eine Sonderprämie für 2020 von 168.000 Euro. Damit erhielt die oberste Hauptstadt-Reinigerin mehr als Bundeskanzler Scholz, der laut Anfrage an die Bundesregierung inklusive Zuschläge und Dienstaufwandsentschädigung rund 30.000 Euro verdient – wobei die Frage, ob sein Wirken tatsächlich dieses Prädikat verdient, an dieser Stelle offenbleiben soll.

Weitere Prämien winken BSR-Chefin Otto für Tätigkeiten wie „Stadtsauberkeit erhöhen“, „Zuständigkeit für illegale Ablagerungen übernehmen“ und die Einrichtung eines Klimaschutzbüros.

Steigerung des Frauenanteils als Bedingung für Sonderzahlung

Auch Wolfgang Erfurt, Vorstand der Berliner Verkehrsbetriebe, durfte sich im vergangenen Jahr über einen sechsstelligen Bonus (110.000 Euro) für seine Verdienste in 2020 freuen. Insgesamt belief sich sein Salär auf 401.400 Euro. Zum Vergleich: Das monatliche Durchschnittsgehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers in Deutschland lag im Jahr 2021 laut Statista bei rund 4.100 Euro brutto – macht 49.200 Euro pro Jahr. Steigert Diplom-Kaufmann Erfurt die Kundenzufriedenheit in Umfragen auf 80 und den Frauenanteil auf 24 Prozent, wird er auch in diesem Jahr reichlich belohnt.

Viele Bundesbürger, denen angesichts ausufernder Inflation und horrender Energiepreise das Wasser bis zum Halse steht, würden sicherlich auch mit Frank Bruckmann tauschen. Der 62-Jährige ist Finanzvorstand bei den Berliner Wasserbetrieben und bezog im vergangenen Jahr laut „BZ“ 408.483 Euro, wovon sich der Bonus für 2020 auf 140.000 Euro belief.

Seine Aufgaben, die ihm weitere Sonderzahlungen in Aussicht stellen: aktuelle Daten zum Wasserverkauf abrufbar machen, eine Risikoanalyse von Lieferanten zur Bewertung bei Menschenrechtsverletzungen vornehmen sowie den Finanzbericht überarbeiten und mit interaktiven Bestandteilen fertigstellen.

Mehr Bescheidenheit stünde den Managern gut zu Gesicht

Fast bescheiden nehmen sich dagegen die Bezüge von Messe Berlin-Geschäftsführer Martin Ecknig aus. 2021 erhielt er 337.000 Euro. Auf den Bonus muss er noch warten, da er erst seit 2021 im Unternehmen ist. Mindestens 40.000 Euro sollten es schon werden. Das legt zumindest die Extrazahlung seines Geschäftsführer-Kollegen Dirk Hoffmann nahe, der 43.000 Euro zusätzlich bekam.

Zu den Aufgaben, an denen Ecknig gemessen wird, zählen neben der Reduzierung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Leitmessen auch die Analyse des IFA-unabhängigen Mehrwerts der Photo Week und ein Vorschlag zur mittelfristigen Geländenutzung inkl. Fotovoltaik-Installation.

Zwar sind diese Boni ausgehandelte Bestandteile der Gesamtbezüge und beziehen sich auf das Jahr 2020. Ob die Vorstände und Geschäftsführer der Hauptstadt-Betriebe angesichts der aktuellen Krise bereit sind, auf weitere Prämien zu verzichten, bleibt zunächst offen. Mehr Bescheidenheit stünde den Managern gut zu Gesicht.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

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