Wer betreibt Kriegstreiberei? Putin und seine Politik Ein Land, zwei Perspektiven: Ein Kreml-Kritiker und ein Kreml-Verteidiger

Was will Wladimir Putin wirklich? Wie tickt er? Ist sein Weg eine Alternative? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Ich habe 16 Jahre in Russland gelebt, Putin persönlich erlebt und gute Kontakte in sein Umfeld. Ich liebe das Land und die Menschen dort, aber ich bin Putin gegenüber ausgesprochen kritisch. Genauso wie jeder Regierung gegenüber, über die ich berichten muss. Mir sind generell Journalisten suspekt, die Regierungen verteidigen. Und ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, dass einige Menschen damit nicht leben können und einen für einen Russland-Hasser halten, wenn man Putin kritisiert. Bin ich dann auch ein Deutschland-Hasser, weil ich Merkel und Scholz kritisiere? Auch wenn einige besonders Laute sich echauffieren: Ich bin überzeugt, dass 99 Prozent meiner Leser nicht nur damit umgehen können, wenn ich in manchen Dingen eine andere Meinung habe als sie (völlige Einheitsmeinungen gibt es nur in Diktaturen, und auch da ist das nur gespielt). Mehr noch: Ich bin mir sicher, dass es meine Leser schätzen, dass ich niemandem nach dem Mund rede und im Zweifelsfall auch unbequeme Meinungen vertrete. Denn sie wissen: Sie brauchen unterschiedliche Sichtweisen, auch unbequeme, um sich wirklich ein Bild zu machen.

Genau das will ich Ihnen heute bieten. Zum einen mit einem langen Kommentar zu den aktuellen Ereignissen und meiner Einschätzung von Putin und seiner Politik, die eine Quintessenz meiner 16 Jahre in Russland ist und die ich aus tiefster Überzeugung vertrete (Link hier). In Ergänzung zu dem Video ist noch zu sagen, dass ich bei dessen Aufnahme noch nichts von dem neuen Papier über Gespräche zu angeblichen Versprechen, die NATO nicht zu erweitern, wusste. Da es sich dabei aber um Notizen von unverbindlichen Gesprächen handelt und später Russland in allen Verträgen auf eine solche Zusage verzichtete, ja es später sogar die Erweiterung ausdrücklich rechtlich akzeptierte in der NATO-Russland-Grundakte, halte ich das für eine neue Nebelkerze, die nichts am Sachverhalt ändert. Mehr noch: Es war Russland, das 2008 im Georgienkrieg und 2014 mit der Annexion der Krim und der Intervention in der Ostukraine gegen das in der Grundakte garantierte Recht aller Staaten auf territoriale Unversehrtheit verstieß (ebenso wie gegen das Budapester Memorandum, den Freundschaftsvertrag mit der Ukraine und diverse andere Verpflichtungen).

Als Service für Sie habe ich drei Videos über bzw. mit der russischen Kriegstreiberei online gestellt, die ich früher bei meinen Russland-Vorträgen zeigte; ich denke, diese Seite des Systems Putin ist hier kaum bekannt. Bei den Videos muss man sich immer auch dazu denken, was diese in den betroffenen Nachbarländern für Reaktionen auslösen und warum diese sich Richtung Westen orientieren (sie finden die Videos hier, hier, hier und hier ). Die Streifen sind zwar etwas älter, aber der Ton hat sich eher verschärft als entspannt. Besonders bedrückend ist das Video der als Soldaten verkleideten Kinder, die ankündigen, für Putin in den Endkampf zu gehen – und auch Alaska zurückzuholen. Es stammt von einer Abgeordneten der Putin-Partei und hatte siebenstellige Aufrufe:

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Ihnen diese Videos zu vermitteln ist mir insbesondere deshalb ein Bedürfnis, weil ich weiß, dass viele Menschen hierzulande glauben, (nur) die USA würden Kriegstreiberei betreiben. Ich bin kein US-Fachmann und bin deshalb mit Einschätzungen über diese sehr zurückhaltend. Sehr gut kann ich allerdings die Kriegstreiberei in Moskau einschätzen. Und – auch wenn es ein ganz anderes Thema ist, aber auch eines, bei dem hierzulande viele Illusionen haben – auch die islamistischen Tendenzen innerhalb Russlands (siehe Video hier).

So sehr es mir ein Bedürfnis ist, Ihnen meine Sicht der Dinge zu vermitteln, so wichtig ist es mir, Ihnen auch die Gegenmeinung zu präsentieren – von Alexander Rahr, dem Politikwissenschaftler und Autor vieler Bücher über Putin und Russland, der so etwas wie der Antipode von mir in Sachen Putin ist. Hier nun der kurze Gastbeitrag, den Milena Preradovic über ihr Interview mit ihm gemacht hat – und der Link zu diesem Interview. Der Transparenz wegen sei hier darauf hingewiesen, dass Alexander Rahr auch Berater von Gasprom ist. Und dass ich, obwohl böse Menschen über mich solche absurden Gerüchte verbreiten, nicht von russischen Oligarchen finanziert werde (wirklich erstaunlich, was für bizarre Lügen manche streuen, um kritische Geister zu diffamieren). Aber hier nun der Text von Milena Preradovic – auf dass Sie sich selbst aus unterschiedlichen Meinungen ein Bild zusammenfügen können.

Politik und Medien sehen Russland als Aggressor im Ukraine-Konflikt. Aber ist Putin wirklich kriegsgeil? Nein, sagt der Russland-Experte Prof. Alexander Rahr. Putin verlange angesichts der zahlreichen Nato-Militärbasen unweit der russischen Grenze Sicherheitsgarantien. Das müsse der Westen verstehen. Ohne weitere Nato-Osterweiterung sei der Konflikt befriedet.

Europa solle außerdem die eigenen Interessen im Blick haben und sich von den USA emanzipieren. „Europa braucht Russland“, sagt Rahr. Und es könne nicht im Interesse der Europäer sein, wenn sich der große Nachbar in Richtung Asien orientiere.

Der Talk mit Prof. Alexander Rahr:

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Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Bild: Igor Gavroliv
Text: Boris Reitschuster

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