Wie aus Umwelterziehung Umerziehung wird Sparkasse Bonn sponsert ein fragwürdiges Projekt

Ein Gastbeitrag von Josef Kraus

In Bonn können Grundschulkinder der 3. Klasse jetzt in den Maiwochen einen „Klimaführerschein“ machen. Was das mit Führerschein zu tun hat, wissen wir zwar nicht. Aber es reicht ja, dass hochtrabend eine „Bürgerstiftung Bonn, Stiftung Bonner Klimabotschafter“ dahintersteht. Sie hat mit Unterstützung eines Comiczeichners und einer Grundschullehrerin ein Heft entwickelt, mit dem das Klima gerettet werden soll. Gesponsert wird die Sache von der Sparkasse Köln/Bonn.

Das Heftchen beginnt holprig mit einem Song, der sich wie folgt reimt: „Unser Klima wandelt sich, das betrifft auch dich und mich! Helft alle mit, tut euren Teil, tragt zu dem Klimaschutz mit bei!“ Dann folgen sieben Kapitel zu Klima, Strom, Recycling, Transport, Ernährung, Heizen, Wasser – „dazu lustige Spiele und Rätsel“.

Natürlich darf ein netter Eisbär namens BO nicht fehlen. Er hatte die Arktis verlassen, weil es dort zu warm geworden war; er war offenbar das Nordmeer und die Nordsee und den Rhein stromaufwärts geschwommen und hatte in Bonn Unterschlupf bei dem Löwen BONNI gefunden. BO wird denn auch sofort Aktivist: Er schaltet in BONNIs Haus Elektrogeräte ab und hält Plädoyers für Windkraft, Sonnenlicht, Wasserkraft und Erdwärme.

Am Ende sollen die Kinder 26 Aufgaben lösen. Sie sollen zum Beispiel alle Glühbirnen zu Hause zählen und dabei zwischen normalen und Energiesparlampen unterscheiden. Oder darauf achten, dass Ladegeräte elektrischer Geräte nach dem Aufladen aus der Steckdose gezogen werden. Oder mit den Eltern nur einheimische Sachen im Supermarkt einkaufen. Oder die Energieeffizienz-Klasse des Kühlschranks der Familie notieren und mal fleischlos kochen. Oder nachschauen, ob Schulhefte aus Recyclingpapier sind. Und, und, und…

Zitieren wir eine der „Aufgaben“ wörtlich: „Du stehst vor dem Kühlschrank. Bevor du die Tür öffnest, überlege dir, was du herausholen willst. Wer rätselnd vor der offenen Kühlschranktür steht, lässt die kalte Luft entweichen – und der Kühlschrank benötigt viel Energie, um den Innenraum anschließend wieder zu kühlen. Klebe gut sichtbar den BONNi & BO-Aufkleber Nummer 2: TÜR ZU – MIR WIRD WARM! an die Kühlschranktür. (Frage deine Eltern aber zuerst um Erlaubnis! Falls du den Aufkleber nicht auf den Kühlschrank kleben darfst, kannst du ihn auch auf ein Blatt kleben und am Kühlschrank befestigen.)“

Will sagen: Kinder, Eltern, wenn ihr Strom verbraucht oder den Müll nicht trennt, sterben Eisbären. Dass die Population der Eisbären realiter zunimmt, spielt keine Rolle.

Für jede erledigte Aufgabe erhalten die Kinder von ihrer Lehrerin oder ihrem Lehrer einen Stempel in ihr BONNi & BO-Klimasparbuch. Ist das „Sparbuch“ schließlich voll, übergibt ihnen Ashok Sridharan, bis 2020 Oberbürgermeister von Bonn und Vorstandsvorsitzender der Stiftung, ein scheckkartengroßes Kärtchen: den BONNi & BO-Klimaführerschein. Das heißt, sie dürfen sich dann „Bonner Klimabotschafter“ nennen. Das ist doch mal was, wenn die Acht-/Neunjährigen schon – bedingt durch Corona – Hunderte von Stunden an Präsenzunterricht nicht bekamen. Aber was zählen Einmaleins und Rechtschreibung, wenn es um die Rettung der Welt geht?!

Fazit: Angeblich geht es hier um „Umwelterziehung“, aber wir können die vier Buchstaben „welt“ auch getrost weglassen, dann sehen wir: Es geht um Umerziehung, wie wir sie in indoktrinär geführten Systemen kennen. Und es geht darum, dass sich Kinder schuldig fühlen und dass sie – wie eben in gewissen Systemen üblich – ihre Eltern erziehen. Die Kinder sollen den Eltern auf die Finger schauen. Naiv ehrlich wie sie nun mal in diesem Alter sind, werden sie im Unterricht von zu Hause erzählen und vom CO2-Fußabdruck ihrer eigenen Eltern berichten. Erinnerungen werden wach: Schauen Eure Eltern Westfernsehen? Hören Eure Eltern BBC?

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.
Josef Kraus (*1949), Oberstudiendirektor a.D., Dipl.-Psychologe, 1987 bis 2017 ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, 1991 bis 2013 Mitglied im Beirat für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung; Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande (2009), Träger des Deutschen Sprachpreises 2018; Buchautor, Publizist; Buchtitel u.a. „Helikoptereltern“ (2013, auf der Spiegel-Bestsellerliste), „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt“ (2017), „Sternstunden deutscher Sprache“ (2018; herausgegeben zusammen mit Walter Krämer), „50 Jahre Umerziehung – Die 68 und ihre Hinterlassenschaften“ (2018), „Nicht einmal bedingt abwehrbereit – Die Bundeswehr zwischen Elitetruppe und Reformruine“ (2019, zusammen mit Richard Drexl)
Bild: Screenshot „Klimaführerschein Bonni&Bo“, Quelle hier.
Text: Gast

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