Wien: Dutzende kollabieren nach Impfung Gummibärchen als Prophylaxe

Von Christian Euler

„Die Hitze der Stadt ist im Sommer brutal, da man fürchterlich matt ist, wird das Leben zur Qual“, sang Reinhard Fendrich schon 1982 in seinem Hit „Oben ohne“. Angesichts von Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius in Wien müsste der österreichische Liedermacher seinen Text heute leicht dramatisieren.

Die Hitzewelle verlangt den Hauptstädtern viel ab. Wie „Heute“ berichtet, mussten zuletzt besonders diejenigen leiden, die nach einer Corona-Impfung verlangten. Die größte Gratis-Tageszeitung Österreichs, die laut Media-Analyse 2020 mit 874.000 Lesern 11,6 Prozent der Bevölkerung erreicht, zitiert einen Mitarbeiter der „Impfstraße“ im Austria Center Vienna in der Donaustadt. Wo jeden Tag 5000 Menschen ihren „kleinen Pieks“ erhalten, sind am vergangenen Wochenende 50 Menschen pro Tag kollabiert, so der Mitarbeiter.

Fast alle hatten zuvor eine Dosis des Vakzins von Johnson & Johnson erhalten. Betroffen waren vor allem Jüngere, denn der Impfstoff des US-Pharmazie-Giganten darf bereits ab 18 Jahren verabreicht werden. Leider komme es immer wieder dazu, dass nach der Impfung „ein paar“ zusammenbrechen, bestätigte die Wiener Gesundheitsbehörde eine Anfrage der „Heute“-Redaktion. Es seien allerdings nicht 50, sondern „30 bis 40“ Menschen am ganzen Wochenende zusammengebrochen.

Nimmt man die goldene Mitte beider Angaben, ist die Zahl noch immer hoch genug, um Fragen aufzuwerfen. Fragen, die offensichtlich keiner der täglich 5000 Menschen stellt, die in der Impfstraße auf ihre Impfung warten.

»Nicht dehydriert und unterzuckert zur Impfung kommen«

Die Stadt rät stattdessen zu einer Ruhephase nach der Impfung. Die Sanitäter des Samariterbundes seien daraufhin angewiesen worden, besonders auf „junge und schlanke“ Personen zu achten. Die Begründung mutet bizarr an: Gerade diese Personen würden vor der Verabreichung des Vakzins zu wenig trinken und essen, hieß es. Der Impfstoff sei jedenfalls nicht schuld.

Auch der Wiener Virologe und Impfexperte Christoph Steininger hält es für sehr unwahrscheinlich, dass diese Zusammenbrüche bereits Impfreaktionen waren. Denn diese entwickelten sich, wenn überhaupt, erst Stunden oder Tage nach der Impfung, so Steininger gegenüber „Heute“.

Wer sich in der Sommerhitze impfen lassen möchte, sollte daher den Rat von Gesundheitsstadtrat und SPÖ-Mitglied Peter Hacker befolgen: Es sei wichtig, nicht dehydriert und unterzuckert zur Impfung zu kommen, erklärte dessen Sprecher auf Twitter. Die Sanitäter des Samariterbundes nahmen sich dies zu Herzen – und verteilen künftig Gummibärchen und Wasser, um den Zusammenbrüchen entgegenzuwirken.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
Dipl.-Volkswirt Christian Euler widmet sich seit 1998 intensiv dem Finanz- und Wirtschaftsjournalismus. Nach Stationen bei Börse Online in München und als Korrespondent beim „Focus“ in Frankfurt schreibt er seit 2006 als Investment Writer und freier Autor u.a. für die „Welt“-Gruppe, Cash und den Wiener Börsen-Kurier.
Bild: Moshe EINHORN/Shutterstock (Symbolbild)
Text: ce
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