„Früher wussten wir, dass es Lüge ist“ – ein DDR-Bürger rechnet ab Ein Leipziger klagt: Heute fühlt es sich schlimmer an als vor 1989

„Es ist eine Verhöhnung aller Opfer des SED-Regimes!“ Mein Freund aus Leipzig redete sich regelrecht in Rage, als wir dieser Tage länger miteinander sprachen. Dass heute Mitglieder und Sympathisanten der AfD ständig mit Hass und Hetze übersät werden, während die umbenannte SED unter ihrem neuen Namen „Die Linke“ mitten in der Gesellschaft angekommen ist, ist für ihn ein tiefer Stachel in seinem Herzen und seiner Seele. „Wo bleibt da bitte die Brandmauer?“, fragte er mich empört: „Und wie kann es sein, dass jemand wie der jetzige Kanzleramtsminister Frei von der CDU sich hinstellt und sinngemäß sagt, der Gregor Gysi ist einer von uns?“

Er spielte damit darauf an, dass Frei den Mann aus der DDR-Nomenklatura, der gegen alle klagt, die ihm Stasi-Verbindungen unterstellen (bei KGB-Verbindungen bin ich mir nicht sicher, ob er klagt), und der auch schon zu DDR-Zeiten Beziehungen zu Merkels Elternhaus unterhielt, in Schutz nahm, als ihn die AfD kritisierte, als er als Alterspräsident den Bundestag eröffnete. Also als ihm genau die Ehre zuteil wurde, die eine ganz große Koalition von der „Linken“ bis zur CSU einst mit Tricks verhinderte, als AfD-Mann Gauland diese Ehre zuteil gekommen wäre.

Feinere Fühler

Mein Freund, der dem Sozialismus in der DDR immer kritisch gegenüber stand und selbst bei der friedlichen Revolution aktiv war, fühlt sich heute verraten und verkauft. Die Meinungsfreiheit und die Demokratie, auf die er sich so freute, seien heute pervertiert, so seine Überzeugung. Und ich konnte ihm leider nicht widersprechen. Er als gelernter DDR-Bürger hat ein viel feineres Gespür für all die Einschränkungen und Manipulationen, als viele von uns „Wessis“.

Was heute geschehe, erinnere ihn an den Roman „Die Farm der Tiere“, in dem George Orwell den Sozialismus bitter satirisch auf die Schippe nahm. In diesem genialen Werk jagen die Tiere ihren menschlichen Bauern vom Hof, um sich von der Unterdrückung zu befreien. Alle Tiere sind gleich, so das hehre Versprechen. Doch mit der Zeit übernehmen die Schweine die Führung – angeblich als klügste Tiere – und bauen Stück für Stück ein neues System der Kontrolle auf. Am Ende herrscht eine neue Elite, noch brutaler als die alte. Die Schweine tragen inzwischen Menschenkleidung, gehen auf zwei Beinen, nutzen die anderen Tiere grausam aus und verkaufen ihre Erzeugnisse an andere ausbeuterische Bauern. Der ursprüngliche Grundsatz „Alle Tiere sind gleich“ wird ergänzt zu: „Alle Tiere sind gleich – aber manche sind gleicher.“

Das Entscheidende: Die Tiere bemerken es kaum. Weil sie ständig neue Parolen an die Wand geschrieben bekommen. Weil ihnen eingeredet wird, dass alles besser geworden sei. Und weil Zweifel als gefährlich gelten. Zuerst hieß es dort: „Vier Beine gut, zwei Beine schlecht.“ Dann, als sich das neue Regime eingerichtet hatte, wurde der Satz einfach umgeschrieben: „Vier Beine gut, zwei Beine besser.“ Und die Tiere nickten, obwohl es dem gesunden Menschenverstand widersprach. Weil sie es nicht anders kannten. Weil ihnen täglich eingeredet wurde, dass es gut sei, was schlecht war.

„Genau so ist das heute auch“, sagte mein Freund. „Wenn sich eine Minderheit als Mehrheit inszeniert, wenn Grundrechte nur noch für die einen gelten und wenn jeder, der widerspricht, als Feind markiert wird – dann ist das nicht mehr weit von Orwells Dystopie entfernt.“

„Heute muss jeder, der sich offen zur AfD bekennt oder gar ein Amt für sie ausübt, einen unglaublichen Mut haben“, meint mein Freund: „Da sind dann Ausgrenzung und Diskriminierung an der Tagesordnung. Schau dir nur an, wie viele Autos dem AfD-Fraktionsgeschäftsführer Baumann schon abgefackelt wurden.“ Angriffe – verbal wie physisch – auf AfD-Leute seien an der Tagesordnung, so mein Freund völlig zutreffend. Und weiter: „Wo sind die Unionsleute, die FDP-Leute, die dagegen aufstehen, die sich dagegen wehren, die Solidarität zeigen? Alles Fehlanzeige!“

Feiges Totalversagen

Vor allem das Kuschen der vermeintlich Bürgerlichen vor den Rot-Grünen enttäuscht den Mann: „Die machen brav Männchen, aus Angst, selbst Zielscheibe zu werden“. Nur so ist zu erklären, dass die Union in der Regierung weiter Abermillionen für die ganzen demokratiefeindlichen angeblichen „Nichtregierungsorganisationen“ ausgeben, die unter dem Deckmantel des Demokratieschutzes die Demokratie pervertieren – und auch die Union, die sie finanziert, bekämpfen?

Ich musste an das Bonmot denken, das Winston Churchill zugeschrieben wird: „Appeasement ist, wenn man ein Krokodil füttert – in der Hoffnung, dass es einen zuletzt frisst.“ Genau so agieren unsere Schein-Konservativen, von Friedrich Merz bis hin zu Markus Söder. Sie alle haben Angst vor der medialen Lynchjustiz der rot-grünen Glaubenskrieger, die unser Land von Grund auf umkrempeln. Und dabei auf die Propaganda der großen Medien zählen können.

Ich entgegnete meinem Freund, dass es besonders traurig sei, dass auch ehemalige Politiker, die eigentlich wenig zu befürchten haben, noch Angst haben. Ich erzählte ihm von einem Treffen mit einem Mann, den bis in die früheren 2000er Jahre jedes Kind im Land kannte, und der mir vertraulich und sehr traurig, resigniert sagte: „Die DDR hat gewonnen“.

Nur öffentlich würde er so etwas nie sagen. Und viele andere genauso. Was einer der Gründe für das Elend ist, in dem sich unser Land befindet.

Auch mein Freund hat Kontakte zu hochrangigen konservativen Politikern im Ruhestand. Viele sähen die Lage so wie er, sagt er. Aber sie alle hätten Angst. Wer sich heute offen gegen das rot-grüne Meinungsdiktat oder nur gegen den Hass und die Hetze gegen die AfD stellt, oder gar die Brandmauer, habe mit schweren Folgen zu tun: „Manche sind noch wirtschaftlich aktiv, und die wissen – wenn sie ausscheren, gibt es Ärger. Von der Aufsicht bis zur Steuern. Andere sorgen sich um ihre Kinder oder Enkel – wenn sie von der Einheitslinie ausbrechen, gilt der Name als kontaminiert. Und sie haben auch fast alle Angst, nicht mehr dazuzugehören.“

Wer sich „falsch“ äußert, kann nicht nur sicher gehen, nicht mehr zu den Partys und Veranstaltungen der Mächtigen und der Schickeria eingeladen zu werden. Er kann von einem Moment zum anderen zum Aussätzigen werden, zum Unberührbaren.

Mein Freund sagte irgendwann einen Satz, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: „Weißt du, damals in der DDR wussten wir wenigstens, dass das alles Lüge ist. Heute glauben sie es wirklich.“ Er meinte damit nicht nur die Medien oder die Politiker – sondern die Masse der Menschen. Damals, so sagt er, habe man heimlich gelacht über die Parolen der Staatsführung. Heute aber glauben viele das, was ihnen als Moral, Konsens oder Wahrheit verkauft wird, aus voller Überzeugung. „Viele haben damals mehr durchschaut als heute.“ Und das mache es für ihn heute in mancher Hinsicht sogar schlimmer.

Ohne geistiges Geländer

Und nein, bitte verstehen Sie meinen Freund nicht falsch: Er verklärt das Unrecht von damals nicht – im Gegenteil. Aber er sagt: Was ihn heute so erschüttert, ist nicht nur das neue System, das in manchem dem alten ähnelt, nur in anderem Gewand – sondern dass so viele mitlaufen. Dass das geistige Geländer fehlt. Dass der Zweifel, der in der DDR zum guten Ton gehörte, heute verdächtig geworden ist.

Damals war das System brutaler – aber die Menschen waren klarer. Heute ist es weicher, aber klebriger. Und genau das macht es für ihn so unerträglich. Die Diktatur damals war offen. Die heutige kommt mit einem Lächeln.

Was bleibt?

Ein Land, in dem die Lüge höflich ist und die Wahrheit als Radikalität und als „rechts“ gilt. Ein Klima, in dem Menschen nicht mehr sagen, was sie denken – aus Angst vor dem nächsten Shitstorm, dem Karriereknick, dem Bankkonto-Kündigungsschreiben. Ein System, das sich „offen“ nennt – aber nur für jene, die die richtige Meinung haben.

Die Schweine gehen wieder auf zwei Beinen. Die anderen nicken. Und an der Wand steht längst ein neuer Satz:

„Demokratie ist, wenn du das Richtige denkst.“

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