Ein Gastbeitrag von Vera Lengsfeld
Die teilweise Veröffentlichung der „Epstein-Files“ ist auf aufschlußreiche, aber beunruhigende Reaktionen der Medien gestoßen. Es wird viel über die pädophilen Straftaten von Epstein & Co geschrieben, teils mit dem deutlichen Bestreben, diese hochkriminellen Machenschaften zu framen. Die Behauptung einer Geliebten von Prince Andrew, wer nicht in den Epstein-Files vorkomme, wäre nicht relevant, ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Schwärzung des Namens eines Mörders, der per E-Mail an Epstein schrieb, er hätte nicht von sich geglaubt, dass er einen Menschen ermorden könnte, könnte ein Anzeichen sein, dass an eine Verfolgung der Straftaten nicht gedacht wird. Wie weit das Bedürfnis nach Relativierung geht, hat leider die NZZ mit ihrer Frage bewiesen, ob es sinnvoll gewesen sei, die Akten zu veröffentlichen – also die Veröffentlichung eines globalen Netzwerks aus Machtmißbrauch, Menschenhandel und Verbrechen an Minderjährigen, die als Sexspielzeuge mißbraucht und anscheinend manchmal sogar ermordet wurden. Die Fragestellung irritiert. Die NZZ, von manchen ihrer Leser als „Westfernsehen“ glorifiziert, scheint an der Wahrheit nicht interessiert zu sein
Noch viel schlimmer ist, dass die verbrecherischen politischen Überlegungen und Planungen, die sich in den Epstein-Files finden, kaum beachtet werden, auch nicht von den freien Medien.
Es gibt eine Email vom 20.02.2011 von einem geschwärzten Absender an Epstein. Importance: Normal Subject Your neice (soll wohl niece heißen):
„Cool!!! I´ve been thinking a lot about that question that you asked bill gates how do we get rid of poor people as a whole` and I have an answer comment regarding that for you […) When can I call you today o discuss this??“
Um es ganz klar zu machen: Der Schreiber fragt, wann er mit E. telefonieren kann, denn er hätte einen Kommentar zu Epsteins Frage an Bill Gates, „wie man die armen Leute im Ganzen los werden kann“.
Wer das für einen Einzelfall, die Idee eines Verrückten, hält, sei daran erinnert, dass diese Frage schon seit über einem Jahrzehnt diskutiert wird. Die radikalen Klimaschützer haben längst den Menschen als Klimaschädling ausgemacht und propagieren Verzicht auf Nachwuchs, um die Schädlinge zu reduzieren. Yuval Harari, der Berater von Klaus Schwab, hat in seinem Buch „Homo Deus“ überlegt, was man mit all den durch KI überflüssig gemachten Menschen anfangen soll. Er zieht u.a. in Erwägung, sie mit Spielen zu beschäftigen, aber das löst das Problem des Menschen als angeblichen Klimaschädling nicht. Die Geschichte lehrt uns, dass radikale Ideen, einmal ausgesprochen, materielle Gewalt werden können. Die russische Intelligenzija des 19. Jahrhunderts, hat über den „überflüssigen Menschen“ philosophiert. Es endete bei Stalin mit : „Kein Mensch, kein Problem“. Die Nazis waren nur die grauenvolle Spitze des Eisbergs des eugenischen Zeitgeistes, der die Meinung vertrat, es gäbe lebensunwertes Leben. Manche, die diese Ideologie teilten, endeten später selbst als Opfer ihres Denkens. Nun wird offenbar in den selbsterklärten Eliten wieder so eine tödliche Frage diskutiert.
Nicht nur das. Der WEF-Präsident Borge Brende, empfahl Epstein am 16.09.2018 das WEF als „Zentrum“ der „Neuen Weltordnung“: „exactly, we need a new global architecture. WEF Davos “is uniquely positioned- public private,“ Epstein antwortet: „davos can really replace the UN…“.
Das WEF ist der Schöpfer der „Agenda 2030“, der sich auch unser Kanzler zweiter Wahl Friedrich Merz verpflichtet hat. Danach sollen wir 2030 nichts mehr besitzen, aber glücklich sein. Das Jahr 2030 ist nicht mehr weit entfernt, aber es ist erstaunlich ruhig um dieses Projekt, obwohl es auf der Website des WEF propagiert wurde.
Brende hat jedenfalls seine Pläne, die UN zu ersetzen keinesfalls aufgegeben. In einem Interview mit der „Zeit“ im Januar diesen Jahres betont er „die alte Art der Zusammenarbeit in den globalen Institutionen findet kaum mehr statt.“ Im „neuen Paradigma“ seien „Kooperationen maßgeschneiderter“ und spielten sich zwischen einer begrenzten Zahl von Ländern ab.“ Gleichzeitig lobt er das Geschäftsmodell des WEF als „gut“. Die „Kernfinanzierung“ käme aus 958 Unternehmenspartnern und wäre „bedingungslos“. Dagegen wären die UN und andere von Regierungen finanzierte Organisationen „unberechenbar“. Wie um Brende zu illustrieren kam gestern die Meldung, dass die UN zusammenbrechen würde, wenn die USA ihre Zahlung einstellen sollten. Nicht mehr Staaten, sondern Unternehmen sollen die Weltordnung bestimmen. Check and balances gibt es in Brendes Modell nicht mehr. Demokratie ist obsolet. Für mich ist das die Antwort auf die Friedliche Revolution 1989/90. Staaten, das haben ihre Bürger gezeigt, können grundlegend verändert werden, selbst wenn sie bis an die Zähne bewaffnet sind. Ein Unternehmens-Kartell, so glauben seine Schöpfer, ist schwerer angreifbar. Die Geschichte wird zeigen, ob es wirklich unbesiegbar ist.
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Vera Lengsfeld, geboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Sie betreibt einen Blog, den ich sehr empfehle. Das neue Buch „Ist mir egal“ zu Merkel können Sie hier vorbestellen.
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