Ich kann mich noch bestens erinnern: Als auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen Journalisten von ARD und ZDF angepöbelt wurden, gab es einen Aufschrei im Land, die Sender berichteten groß. Jetzt wurden am Wochenende Journalisten von der „Jungen Freiheit“ und „Apollo News“ am Rande des AfD-Parteitags in Erfurt von AfD-Gegnern Opfer einer regelrechten Hetzjagd, sie wurden brutal geschlagen, einer sogar, als er noch am Boden lag, sie kamen ins Krankenhaus – und ich habe das ganze Wochenende nichts davon gesehen in ARD und ZDF. Nur in einem Nebensatz sei in der Tagesschau etwas erwähnt worden, und auch das habe ich nur gelesen, in den Sendungen, die ich ansah, hörte ich es nicht. In einem der Sender – ich glaube, es war das ZDF – hieß es in den Nachrichten sogar, alles sei weitgehend friedlich geblieben.
Kein Wort auch darüber, dass die Veranstalter der Gegendemos auf ihrer Pressekonferenz die Gewalt sogar rechtfertigten. Der Sprecher des linken Bündnisses „Widersetzen“ sagte auf die Frage eines „Deutschlandfunk“-Reporters, ob das Bündnis die Angriffe verurteilen wolle: „Wir sind nach Erfurt gekommen, um Faschisten zu blockieren. Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten.“
Verdi zahlt, Demokraten schweigen
Das ist die totale moralische Bankrotterklärung derjenigen, die angeblich für die Demokratie kämpfen. Sie werfen der AfD Entmenschlichung vor – und sie sind es, die diese betreiben. Dadurch, dass sie Andersdenkende zu „Faschisten“ erklären und damit Gewalt gegen sie rechtfertigen.
Kein Detail am Rande: Indirekt subventioniert wurden die Anti-AfD-Proteste ausgerechnet durch die Gewerkschaft Verdi, die die Busfahrten von Gegendemonstranten bezahlte. Dass eine etablierte Großorganisation die Logistik für einen Aufmarsch stellt, an dessen Rande Reporter krankenhausreif geschlagen werden, ist eine politisch brisante Information. Doch auch dieses Sponsoring aus Mitgliedsbeiträgen wurde bei ARD und ZDF konsequent verschwiegen – es hätte das saubere Narrativ vom rein friedlichen, bürgerlichen Protest wohl zu stark beschädigt.
Doch es kommt noch dicker: Im „Sonntags-Stammtisch“ des Bayerischen Rundfunks redete ARD-Journalistin Anja Kohl dann doch über die Angriffe auf die Journalisten – und stellte Täter und Opfer völlig auf den Kopf. Die Dame – Moderatorin von „Börse im Ersten“ und auch in den „Tagesthemen“ zu sehen – warf doch tatsächlich der AfD vor, dass sie sich von den Angriffen nicht distanziert habe. Sie vermittelte den Zuschauern den Eindruck, es seien nicht die Gegendemonstranten gewesen, die Journalisten angegriffen haben, sondern AfD-Anhänger (anzusehen ist die Szene hier, die ganze Sendung hier)
Das eigentliche Lehrstück
Bezeichnend: Keiner in der illustren Runde rückte diese Desinformation zurecht – Moderator Hans Werner Kilz, früher Chefredakteur von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ genauso wenig wie Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Ex-Skiläufer Christian Neureuther. Nur Sänger Heinz-Rudolf Kunze blickte irritiert drein – machte aber ebenfalls den Mund nicht auf.
Diese Causa dokumentiert das logische Endstadium eines politisierten Journalismus: Wenn die Definition darüber, wer Schutz verdient und wer Freiwild ist, vom Logo auf dem Mikrofon abhängt, exekutiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Pressefreiheit im Namen des eigenen Gesinnungskorridors.
Wer Gewalt gegen Journalisten durch Verschweigen relativiert oder wie im Fall Kohl gezielt uminterpretiert, der zersetzt die Demokratie von innen heraus. Das Schweigen der prominenten Runde im Bayerischen Rundfunk ist das eigentliche Lehrstück dieses Wochenendes. Es zeigt, wie tief die Angst vor der falschen Solidarität sitzt. Lieber nehmen die selbsterklärten Moral-Überlegenen die handfeste Desinformation einer ARD-Kollegin schweigend hin, als im Verdacht zu stehen, die falschen Opfer zu verteidigen.
Der unbewusste Offenbarungseid
Die Deklarierung des politischen Gegners zum absoluten Bösen hebt im Kopf der vermeintlichen Antifaschisten, die sich für so moralisch halten, jeden Ansatz von zivilisatorischer Moral auf. In ihren Augen ist der Presseausweis wertlos, sobald die Gesinnung dahinter nicht stimmt. Anja Kohls Fehlleistung im BR-Studio war deshalb kein singulärer Aussetzer, sondern der unbewusste Offenbarungseid eines Milieus, das die Realität so lange biegt, bis sie ins Weltbild passt. Dass selbst andere Mainstream-Medien diesmal Klartext sprachen, ist kein Trost – es macht das Totalversagen der Gebührensender nur noch unentschuldbarer.
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Beitragsbild: Screenshot/ARD-Mediathek
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