Bei Maybrit Illner: Keine Massenzuwanderung aus Afghanistan Habeck versus Merz – Scheingefecht der Nichtkanzlerkandidaten

Von Alexander Wallasch

Prominentes Verliererballett bei Maybrit Illner: Zu Gast sind Friedrich Merz als Verlierer der Wahl zum CDU-Parteichef, also auch zum Kanzlerkandidaten der CDU, sowie Robert Habeck, der große Verlierer des Kandidaten-Duells gegen Annalena Baerbock.

Ebenfalls mit am Tisch sitzen Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der »Welt«, und Achim Truger, der als Wirtschaftsweiser so etwas wie der Glaskugelgucker der Bundesregierung ist. Er ist zugeschaltet via Monitor.

Maybrit Illners Thema heute: „Schwarz und Grün im Wahlkampf – Rivalen, Feinde, Partner?“ Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da soll also öffentlich-rechtlich erörtert werden, wo der Unterschied liegt zwischen Union und Grünen. Die haben wirklich Humor. Die Bundestagswahl 2021 ist nur leider an Beliebigkeit kaum noch zu toppen – die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht, jeder kann mittlerweile mit jedem, wenn man nur gemeinsam profitiert. Und wer sich nicht brav einreiht beim großen Fressen, der wird eben verjagt.

Kurz vor der Wahl sitzen also zwei potenzielle Koalitionäre am TV-Tisch und der Oppositionsführer im deutschen Bundestag ist mal wieder nicht dabei.

Diese Wahlkampf-Sendung für die Etablierten beginnt im Schatten von drei Terroranschlägen in Afghanistan samt etlichen Toten. Die Bundeswehr hat die deutsche Luftbrücke beendet, so Illner. Das ist natürlich ein Quatsch gleich zu Beginn, denn Außenminister Heiko Maas hat in den Nachbarstaaten zu Afghanistan längst sein Personal aufgestockt und die Einflugschneise nach Deutschland nur vom zugeschnürten Kabuler Flughafen auf die viel längere afghanische Außengrenze verlegt – jetzt geht es nämlich mutmaßlich erst richtig los mit den Transporten.

Für Merz ist, was in Afghanistan passiert, schlimmer als das, was die Amerikaner 1975 in Vietnam hinterlassen haben. Was für ein a-historischer Unsinn gleich zu Beginn schon angesichts der viel massiveren Zerstörungen in Vietnam und mindestens was das bescheidene Vernichtungspotential und die Feuerkraft der deutschen Truppe angeht.

Habeck gibt Merz gleich mal Recht, die militärische würde nur noch von einer moralischen Niederlage übertroffen – zwei Politiker aus vermeintlich unterschiedlichen Lagern bereiten verbal gemeinsam den Boden für die ganz große Reinhole.

Illner erinnert daran, dass der Einsatz der Bundeswehr von einem grünen Außenminister begonnen und von den Grünen selbst im Bundestag immer wieder neu abgenickt wurde.

Habeck sitzt also wie Merz als ein Vertreter einer Art Kriegspartei am Tisch. Illner fragt also nach der moralischen Verantwortung, bekommt aber eine ausweichende Antwort – viel sei in den letzten zwanzig Jahren schief gegangen. Wie peinlich für Habeck, der hier also Gelegenheit bekommt, gleichzuziehen mit Annalena Baerbock in Sachen Unaufrichtigkeit.

Ach so: Trump war schuld, so Habeck, weil er angefangen hätte, mit den Taliban zu reden. Dass Joe Biden es hätte anders machen können und Heiko Maas seine Vertreter in Katar mit den Taliban über Lösegeld für neue Zuwanderer verhandeln lässt, kommt bei Habeck selbstredend nicht vor und Merz will ihn nicht aufklären. Also keiner da, der diesen verbalen Mist mal hinterfragen würde. Stattdessen fahles Gerede von einer „neuen Kalibrierung der deutschen Außenpolitik“ – Habeck gibt den Baerbock.

Dagmar Rosenfeld, die Dame von Springer, kritisiert die Bundeskanzlerin scharf und hier insbesondere den Merkel-Satz zum Desaster in Afghanistan, nachher sei man immer klüger. Merkel hätte ihre Verantwortung „kollektiviert und internationalisiert“.

Und ja, das muss sie sich bei Heiko Maas abgeschaut haben, der hatte das „wir“ auch sofort parat, wo ein „ich“ angebrachter, ach was, wo ein Rücktritt mehr als erforderlich gewesen wäre, wenigstens noch mit Restanstand, das Amt noch vor der Wahl abzugeben. Sogar diese letzte Chance auf Respekt hat Maas vergeben.

Illner spricht es aber noch aus: Maas und Kramp-Karrenbauer hätten sich blamiert. Merz findet, es blamiert sich die westliche Staatengemeinschaft. Merz war es allerdings auch, der den Rücktritt von Maas gefordert hatte. Den Rücktritt der CDU-Verteidigungsministerin aber nicht – er hat sich also ebenso unglaubwürdig gemacht.

Schöner Gesichtsausdruck von Merz, als Illner wissen will, warum Merkel im Kino war und nicht im Krisenstab. Was gab es da eigentlich für einen Film? Rambo III? Blaues Licht – es leuchtet blau?

Merz erinnert daran, dass die Botschaften von Russland und China nicht geräumt, sondern im Gegenteil noch aufgestockt wurden. Merz lobt Kramp-Karrenbauer, sie hätte Verantwortung übernommen. Veteranen haben sich allerdings schon bitter über die Wortwahl der Verteidigungsministerin beschwert, die davon sprach, ihren Kopf hinzuhalten. Den Kopf hinhalten nicht nur im sprichwörtlichen Sinne mussten allerdings zwanzig Jahre lang 160.000 deutsche Afghanistan-Veteranen. Tatsächlich, genauso viele waren es über zwanzig Jahre hinweg, etliche von ihnen traumatisiert.

Robert Habeck spricht nun von einer grassierenden Verantwortungslosigkeit der Regierung, die Verantwortung würde hier wie eine heiße Kartoffel weggeworfen.

Illner kommt endlich auf den Punkt und fragt Habeck, wie viele Afghanen denn kommen sollen, damit die humanitäre Geste erfüllt sei. Habeck meint, die Sache sei anders gelagert als 2015. Es ginge um Menschen, denen „wir ein Wort gegeben haben“. Und gerade hatte Habeck noch von Wahrhaftigkeit gesprochen.

Nein, es geht nicht um ein paar hundert Ortskräfte der Bundeswehr, sicherlich sollen die ausgeflogen werden. Nein – unredlich ist es, weil Habeck längst um die gerade losgetretene monströse Welle derjenigen weiß, die bald das ganze Land nach Deutschland evakuieren wollen – private NGOs und grüne Politiker eng miteinander verknüpft in der Bemühung um Großraumflugzeuge und Zusagen von Kommunen und Städten, möglichst viele aufzunehmen, und zwar weit über die eigentliche Zahl der Hilfskräfte hinaus.

Illner möchte nun konkret die Größenordnung wissen. Warum aber befragt sie dafür ausgerechnet den Vertreter einer Zuwanderungspartei, die als kleinste Fraktion im Bundestag sitzt? Habeck drückt sich weiter um die Wahrheit herum: Wir hätten eine moralische Verpflichtung. Jedoch war da von fünfhundert Personen die Rede, nicht von einer Million.

Habeck nennt keine Zahl, weil er weiß, was auch seine Parteianhänger im Hintergrund längst schon inszenieren in Personalunion mit der Antifa. Und zuvor hatte er sich ausgerechnet noch großspurig über eine fehlende Regierungsverantwortung der Linken ausgelassen.

Immerhin dazu lässt sich Habeck herab: Die Bundesregierung sei genauso schlecht vorbereitet wie 2015. Also rechnet Habeck doch mit einer Million Afghanen oder mehr? Denn für fünfhundert Ortskräfte selbst samt Familien müsste die Regierung wahrlich keine Vorbereitungen treffen, so viele kommen nämlich fast täglich in Deutschland an, um um Asyl zu bitten.

Das Problem sei ja nicht, Menschen reinzulassen, sondern sie aus Afghanistan rauszuholen, blauäugelt die Chefredakteurin und beweist so nur den Unwillen, sich wenigstens einmal mit den einschlägigen Organisationen und ihrem Einfluss auf die Politik auseinanderzusetzen.

Der schon fast von der Bildfläche verschwundene Soros-finanzierte Zuwanderungsprophet Gerald Knaus ist auch schon wieder aus der Versenkung aufgetaucht, spricht anschließend gleich bei Markus Lanz, sieht seine Bedeutung wieder wachsen wie zuvor 2015, als sein Gesicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen fast so inflationär wurde wie das von Karl Lauterbach zu Corona.

Nein, es ist nicht sicher, ob die nächste Zuwanderungswelle kommt, aber ihre Profiteure, Brandbeschleuniger und Spekulanten sind alle schon da.

Merz versucht mal zu rechnen und erinnert an zwanzig Jahre Einsatz, das wären ja Generationen von Ortskräften, die uns geholfen hätten. Dass die Bundeswehr zunächst einmal diesen Menschen geholfen hatte, scheint vollkommen vergessen. Dass sogar die Taliban eine ganze Reihe dieser Ortskräfte regelmäßig eingesetzt und abgeschöpft hat, wie es zuletzt ein hochrangiger deutscher Veteran in einem Leserbrief der FAZ schrieb, interessiert Friedrich Merz nicht.

Merz und Habeck wissen wohl längs, was kommt, jeder bastelt nur auf seine Weise an seiner Legende dazu. „Wir haben keine Veranlassung, über eine neue Flüchtlingswelle zu diskutieren“, so Merz. Morgen ist also heute schon egal, was man gestern gesagt hat oder so ähnlich.

Einen Monat noch bis zur Wahl. Die Grünen lägen zwar im Moment zwei Tore hinten, aber bis zur Wahl sei es eine lange Zeit, so Habeck. Habeck und Merz wie beste Freunde. Eine Plauderei einen Monat vor der Wahl – irgendwie wäre das ja der eigentliche Skandal des Abends, wenn man diese Handreichung der Öffentlich-Rechtlichen für die Etablierten nicht schon so gewohnt wäre.

Dagmar Rosenfeld von der »Welt« findet, Laschet würde Fettnäpfchen nicht ausweichen. Aber um Himmels Willen, was soll man da noch über Annalena Baerbock sagen?

Der zugeschaltete Wirtschaftsweise Achim Truger wurde von Illner scheinbar vergessen. Oder ist er wortlos ausgestiegen? Nee, er darf dann doch noch erzählen, wie wenig Geld noch in der Staatsschatulle und die Lücke groß sei, aber wer kann sich darunter etwas vorstellen? Auch vor Massenzuwanderung und Corona mussten Eltern die maroden Klassenzimmer ihrer Kinder selbst streichen, am Flaschencontainer stocherten Rentner nach Pfand und plötzlich wurden auf einen Schlag hundert Milliarden ausgeschüttet, weil man sie brauchte.

Habeck philosophiert noch etwas von einer Belohnung mit der Wirklichkeit, von Wachstumsimpulsen und davon, Wohlstand zu generieren und Klimaneutralität. Merz grinst über das ganze Gesicht – nein, er hat die Hände davor gefaltet, man ahnt da Grinsen mehr, als dass man es sieht. Robert Habeck redet, wie wohl einer redet, der seinen Kindern die Monopoly-Regeln erklärt, während Mutter schon die Geldscheinhäufchen verteilt. „Was nutzt ein volles Sparbuch, wenn einem das Dach einfällt“, fügt er noch hinzu. Illner und Habeck diskutieren über die Wirtschaft und Merz ist schlau genug, die beiden einfach reden zu lassen.

Dieses halbherzige Sprechen über Schulden und Investitionen nach dem Afghanistanblock hat etwas von einem auslaufenden Käse, von diesem satten Gefühl, das man nach einem opulenten Mahl hat. Merz erinnert Habeck noch daran, dass der Staat gar kein volles Sparbuch hätte, um das Dach zu reparieren. Antwort Habeck, ganz leise: „Na ja …“

Und so darf man eine Sendung wie diese schon mal vor dem Schluss beenden. Denn Maybrit Illner sagt dann noch zu Habeck und Merz: „Also Sie sind eingeladen, damit Sie sich streiten – also ich würd‘ sagen, sie können das einfach tun.“

Ja, Merz pöbelt dann noch ein bisschen gegen Habeck, wirft den Grünen Staatsgläubigkeit vor, empfiehlt sich als Bundesminister – das übliche halt. Merz empfindet das Programm der Grünen als „Bedrohung für den Mittelstand“, aber auch Habeck hält eigentlich ganz gut mit, weil Merz eben mit Handbremse fährt. Später sitzt man in einem Bundeskabinett, da will man wohl nicht ausgerechnet vor der Wahl noch echten Wahlkampf machen.

Die Liste wird immer länger, die ich eigentlich korrigieren müsste heute Abend“, mault Habeck, weil er nach Merz nicht schon wieder dran ist. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn was hätte er wohl alles korrigieren müssen, wenn echte politische Gegner ihm gegenüber gesessen hätten und nicht auch noch eine begeisterte Moderatorin, die jeden Satz von Habeck wie eine Souffleuse zum Ende brachte, wenn sich Habeck wieder drohte zu verhaspeln.

Friedrich Merz hat sich trotzdem keinen Gefallen getan, jedesmal so breit zu grinsen, wenn Habeck über Wirtschaft sprach. Nicht weil er es besser wusste, sondern vor allem wegen der Zuschauer, die solche allzu offen zur Schau gestellten Altherren-Überheblichkeiten so gar nicht mögen.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Screenshot ZDF Maybrit Illner 26.07.2021
Text: wal

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