Chef-Impf-Entwickler lässt sich selbst nicht impfen Überraschende Aussage des Biontech-Chefs

In der Seefahrt ist es so, dass der Kapitän im Falle einer Havarie immer als letzter von Bord gehen sollte – das gehört zum Selbstverständnis. Umgekehrt erwartet man etwa von Köchen, dass sie das, was sie zubereitet haben, auch selbst kosten. Was vor allem dann von Bedeutung ist, wenn das Vertrauen entweder in den Koch oder in das Essen nicht allzu groß ist. Misstrauischen Herrschern auch der Gegenwart wird nachgesagt, dass sie Vorkoster bereit halten.

Da es viele Vorbehalte gegen den Corona-Impfstoff gibt, auch den der deutschen Firma Biontech, wäre es auch ein starkes Zeichen, wenn sich deren Chef Ugur Sahin als einer der ersten impfen lassen würde – was er bisher nicht tat, obwohl sein Impfstoff etwa in den USA schon zugelassen ist. So fragte den Chef-Impfstoff-Hersteller auch ein Kollege in einer ARD–Extra–Sendung, ob er nicht vorhabe, mit gutem Beispiel voran zu gehen: „Wäre das nicht ein starkes Signal an alle, die ja jetzt noch zögern, die noch nicht bereit sind, sich impfen zu lassen, wenn Sie sich selber impfen lassen, nach dem Motto, schaut her, ich, der Entwickler, bin bereit, mich selbst zu impfen, damit könntet ihr alle sehen, wie sehr ich meiner Entwicklung vertraue?“

Sahin hatte offenbar eine Schrecksekunde, denn er brauchte einen Moment, um zu antworten, und sah etwas betreten drein: „Ja, wir, also, ich möchte mich, natürlich äh, liebend gerne auch, äh, impfen lassen, wir müssen nur sehen, dass wir die rechtlichen Grundlagen dabei befolgen, wir werden in den nächsten zwölf Monaten über 1,3 Milliarden Impfstoffdosen herstellen müssen, es ist wichtig, dass da keine Mitarbeiter ausfallen, und dementsprechend denken wir darüber nach, dass wir eine Möglichkeit finden, die rechtlich uns auch erlaubt, unsere Mitarbeiter zu schützen, aber das ist momentan noch in der Abklärung.“ Ansehen können Sie sich die Aussage hier.

Macht sich der Chefentwickler Sorgen, seinen Impfstoff seinen Mitarbeitern zu geben, weil sie ausfallen könnten? Oder ist es umgekehrt? Denn genauso möglich ist die Interpretation seiner Aussage dahingehend, dass er seine Mitarbeiter eben durch die Impfung schützen lassen will, aber dies nicht dürfe. Ist Sahin wirklich so ungeschickt im Formulieren? Oder rettet er sich gezielt in eine nebulöse Ausdrucksweise (siehe dazu auch PS)?

Auf meine Frage in der Bundespressekonferenz am 14. Dezember, ob sich ein Mitglied der Bundesregierung schnell impfen lassen wolle, gab es ebenfalls keine positive Antwort, nur Schweigen (siehe hier im Text und hier im Video). Auch Österreichs Präsident und Bundeskanzler lassen sich noch nicht impfen (siehe hier).

Nur ‘nicht zu erwarten‘?

Im ZDF sagte Sahin im Gespräch mit Claus Kleber, durch die umstrittene Nutzung seines RNA-Impfstoffes seien „keine Erbgut-Veränderungen zu erwarten“. Diese Ausdrucksweise ist auch nicht unbedingt vertrauensfördernd – zwischen „nicht zu erwarten“ und „auszuschließen“ besteht ein enormer Unterschied. Sahin dämpfte auch die hohen Erwartungen an den Impfstoff. Auch mit ihm habe man momentan keine Möglichkeit, die Infektionszahlen zu beeinflussen: „Dafür werden zu wenige Personen am Anfang immunisiert.“

Im Internet sorgen derweil zwei Impf-Videos für Aufregung und Spekulationen. Zum einen eine Aufnahme, die zeigt, wie Israels Premierminister Benjamin Netanjahu den Impfstoff gespritzt bekommt. Blogger wollen mit diversen Analysen und Zeitlupenaufnahmen nachweisen, die Spritze sei an seinem Arm vorbei gespritzt worden, unter anderem mit Hinweis darauf, dass er die ganze Zeit entspannt drein blickte (siehe hier). Ein hoher US-Beamter wiederum wurde in den einen Arm geimpft, und zeigte am nächsten Tag auf seinen anderen Arm mit dem Hinweis, es zwicke noch etwas. Die Spekulationen kochen hoch, handfeste Beweise für „gefälschte“ Impfungen gibt es derweil nicht.

PS: Ich bekam folgende Zuschrift einer Leserin – und es gab auch diverse ähnliche Kommentare: „Gerade habe ich Ihren Artikel zu Ugur Sahin gelesen und auch die Leser-Kommentare, die mich teilweise im Ton etwas erschreckt haben (bei allem Verständnis für die Wut gegenüber den ganzen Ungeheuerlichkeiten der letzten Monate). Ich habe seine Antwort so gelesen: er findet es eher bedauerlich, dass seine Mitarbeiter nicht jetzt schon den Impfstoff bekommen und darum überlegt er, wie es rechtlich anders ginge, da er Ausfälle aufgrund Krankheit (in Form von Covid-19) befürchtet. Könnte es auch so gemeint sein?

Natürlich könnte (!) es auch so gemeint sein. Ich halte Herrn Sahin aber für einen klugen Menschen. Der durchaus in der Lage ist, so zu formulieren, dass eben niemand rätseln muss, wie es „gemeint sein könnte“. Er hätte klar sagen können: „Ich will mich so schnell wie möglich impfen lassen.“ Punkt. Die Doppeldeutigkeit seiner Antwort ist deshalb mehr als merkwürdig. Sahin muss wissen, dass angesichts von 1,3 Milliarden Impfdosen eine Dosis für ihn (und ein paar Dutzend für Mitarbeiter) keinerlei wirklich negative Auswirkung haben würde auf die Gesamtzahlen – aber eine immense, gewaltige auf die Motivation und das Vertrauen der Bevölkerung in seinen Impfstoff. Insofern müsste eine Abwägung hier eindeutig ausfallen. Entsprechend ist es kaum vorstellbar, dass die Behörden ihm eine Ausnahme verweigern würden. Aber einen entsprechenden Antrag scheint er nicht gestellt zu haben – er sagte selbst, „wir denken darüber nach“. Deshalb wirkt Sahins Argumentation für mich so fadenscheinig wie die eines Koches, der mit bisher unbekannten Zutaten, die manche für gefährlich halten, kochen muss, und dann sagt, er verzichtet aufs Probieren, aus Rücksicht auf die Anderen, die hätten das Recht zuerst zu probieren. Ein Leser merkte übrigens in den Kommentaren an, Sahin und sein Team hätten sich schon längst impfen lassen können – in der Testphase drei. Dies sei aber nicht geschehen.

Ich hoffe sehr, dass ich mich irre und die Leserin Recht hat.

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Bild: Screenshot/ARD
Text: br


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