Corona greift Gehirn an: Jetzt gibt Lauterbach den Neurologen Evidenzfreie Einlassungen wie am Fließband

Von Daniel Weinmann

Um möglichst viele Bürger zur Impfung mit wirkungslosen, nur bedingt zugelassenen Vakzinen zu bewegen, scheint Karl Lauterbach jedes Mittel recht. Da dem Gesundheitsminister angesichts immer weniger im Zusammenhang mit dem Coronavirus Gestorbenen jedoch zunehmend die Argumente ausgehen, besann er sich jüngst eines neuen Coups.

„Das Gehirn ist ein faszinierendes Organ, wir verstehen immer besser, wie es funktioniert“, twitterte Deutschlands Panik-Papst, „es ist einfach zu schade, es durch wiederholte Covid-Attacken dauerhaft zu beschädigen. Jede neue Infektion kann schaden. Covid ist keine Erkältung.“

Lauterbach muss es wissen. Schließlich war der nach eigenen Angaben Vierfachgeimpfte jüngst selbst betroffen – und hatte Paxlovid geschluckt, das laut der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft nur bei Vorliegen mehrerer Risikofaktoren eingenommen werden sollte. Mit seinem vehementen Eintreten für Paxlovid wirbt Lauterbach zugleich für ein bislang unbeliebtes Präparat, von dem der Bund bereits eine Million Therapieeinheiten beschafft hat.

„Ab sofort dürfen Hausärzte das antivirale Medikament Paxlovid selbst dem Patienten abgeben, auch ohne Gang zur Apotheke. Beim Hausbesuch oder in der Praxis. Paxlovid senkt bei Älteren die Corona Sterblichkeit um bis zu 90%. Es wird viel zu wenig genutzt“, twitterte der 59-Jährige an diesem Sonntag. 

Für Friedrich Pürner ist dieses Verhalten „völlig inakzeptabel“. „Sie sind ein Bote der Pharmafirmen. Ein Pharmavertreter sind Sie – kein Gesundheitsminister. Sie machen Werbung für ein Medikament. Das ist unethisch“, zürnte der Mediziner, der strafversetzt wurde, weil er zu Beginn der Coronakrise als Leiter des Gesundheitsamts im bayerischen Aichach-Friedberg öffentlich Kritik übte. „Sie wissen das genau – und machen es trotzdem. Ihr Verhalten ist völlig inakzeptabel.“

»Ich hatte keine Konkurrenz, deswegen bekam ich die Professur«

Lauterbachs jüngste Behauptung hinsichtlich der Gefahr von Corona für das Gehirn ist – wie so oft – frei von wissenschaftlicher Evidenz und dient allein dem Schüren von Ängsten. „Sars-CoV-2 ist ein bösartiges Virus, aber es ist nicht neurotrop, und es wird in der Regel nicht im Gehirn gefunden, außer bei sehr schweren – in der Regel tödlichen – Infektionen von Patienten, die mit Steroiden behandelt werden“, kontert etwa François Balloux, Direktor des UCL Genetics Institute und Professor für Computerbiologie am University College London.

Gleichermaßen ernüchternd und beschämend ist, dass diese billige Masche nach wie vor viel zu oft verfängt: Binnen weniger Stunden erhielt Lauterbachs Tweet knapp 1.600 Likes. Ein besonders bedauerliches Beispiel, was Lauterbach in manchen Menschen bewirkt, offenbart ein Video, das zwischenzeitlich von Twitter gelöscht wurde. Eine Frau erzählt konsterniert von ihren Corona-Beschwerden nach der dritten Impfung. Man erwartet, dass sie vor diesem Hintergrund keine weitere Impfung möchte. Doch weit gefehlt: Sie sehnt den vierten Piks herbei, der, so zeigt sie sich überzeugt, ihre gesundheitlichen Probleme beseitigen wird.

Wüsste die erbarmungswürdige Dame, wie ihr medizinischer Mentor seinen Professorentitel erlangte, würde sie möglicherweise umdenken. Lauterbach konnte sich nicht entblöden, dies so zu beschreiben: „Ich hatte keine Konkurrenz. Deswegen bekam ich die Professur. Ich riet der Universität, eine solche Professur einzurichten, und bewarb mich später um genau diese Professur. Und ob Sie es glauben oder nicht, ich entsprach genau den Kriterien für diese Professur. Das hat wunderbar funktioniert.“

Comedy oder trauriger Ernst?

Dass Lauterbach angesichts seiner Aussprache niemals Professor an einer englischsprachigen Universität werden kann, zeigt dieses Video aufs Trefflichste. Fragt sich nur, warum er das Aachener Auditorium nicht mit seinem rheinischen Singsang beglücken wollte und wie er mit diesem Englisch in Amerika zurechtkam.

Man ist versucht, seinen Auftritt einmal mehr als Comedy zu interpretieren. Dagegen spricht jedoch, dass er seinen Einstand als Komiker erst im Juni in der Sendung „One Mic Stand“ gab (Reitschuster.de berichtete).

Unterdessen lässt ein weiterer Tweet des Gesundheitsministers befürchten, dass in nicht allzu ferner Zukunft zur flächendeckenden Impfung gegen Mückenstiche aufgerufen wird. „Während ich mit Prof. Chanasit in der Corona Bekämpfung oft nicht übereinstimme, hat er hier wahrscheinlich Recht. Die Stechmücken werden mit dem Klimawandel bei uns zu einem Public Health Problem, eine frühe Bekämpfung wäre gute Investition.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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