„Danser encore“: Protest mit Musik Wieder tanzen gehen

Corona macht krank, Corona kann töten.

Corona ist schlimm, verändert die Gesellschaft und das Leben. Darüber berichten wir. Geschichten, die es nicht in die Medien schaffen.
Wir geben Zahlen einen Namen und eine Seele. Die Serie „Kollateralschaden“ basiert auf Berichten Betroffener der Coronapolitik. Damit keiner sagen kann: „Das haben wir nicht gewusst!“

‚Danser encore‘: Protest mit Musik

Von Johanna und Frank Wahlig

Pianistin Oxana hat alles verloren. Ihre Konzerte, alle Bühnen- und Kirchenauftritte sind abgesagt. Oxana fällt nach lebenslangem Studium und zwanzig Jahren als klassische Pianistin in Depressionen. Sie kann keine Musikstunden mehr geben. Ganze Tage in Tränen. Der Mann will die Scheidung. Die Tochter distanziert sich. Sie will beim Papa leben. Beide ertragen die Depressionen nicht mehr. Oxana kann die Miete für ihre Wohnung nicht bezahlen. Musiker will keiner im Haus haben. Der Flügel steht still. Klavierspiel stört die Nachbarn im Homeoffice.

„Viele Kollegen haben sich bereits das Leben genommen, zuletzt eine 33-jährige Hornistin und ein junger Cembalist, auch der Pianist Stefan Mickisch, den wir kennen“, schreibt Opernsängerin Gabriela. „Von dem wenigen Geld, das wir bekamen, müssen wir alles zurückbezahlen, weil im Nachhinein die Bedingungen geändert wurden.“

Orchester, Chöre, Bands und Musikschulen werden aufgelöst. Geiger, Dirigenten und Sänger berichten von Leid und Verzweiflung. Freiberufler und Solisten sind Einzelkämpfer und im musikalischen Wettbewerb Konkurrenten. Kaum einer ist in Verbänden organisiert. Privattheater, Kinos, Kulturstätten, Tanzschulen ebenso.

„Wie können wir uns organisieren?“, fragen unsere Leserinnen. Die Pianistin Oxana, eine Chorleiterin, eine Klarinettistin. Wie Oxana sind sie arbeitslos, hilflos und verzweifelt. Die Gerichte bleiben, ganz im Sinne der Regierungen, hart.

Todesurteil für Bühnen und Künstler

Theater und Opernhäuser sind dicht und bleiben dicht. Öffnung abgelehnt. Das hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof jetzt entschieden. Musiker, Sänger, Schauspieler leiden seit über einem Jahr. Künstler ohne Festanstellung. Musiklehrer ohne Schüler, Chöre ohne Sänger. Für die Betroffenen heißt das: Altersvorsorge aufbrauchen, Jobben im Supermarkt oder gleich Hartz IV.

Jetzt klagen die Künstler abermals beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof per „Popularklage“ für die „Freiheit der Kunst“. Unterstützer sind Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und der Bariton Christian Gerhaher. Sie sehen eine Ungleichbehandlung der Kultur gegenüber dem Einzelhandel, Friseuren oder den Kirchen gemäß der Bayerischen Verfassung. www.aufstehenfuerdiekunst.de heißt die Initiative.

Anders als Amtsgerichte stehen Verwaltungs- und Verfassungsgerichte den Regierungen nahe. Die Besetzungen der Amtsgerichte, die – wie in Weimar oder Weilheim – Coronamaßnahmen kippen konnten – sind unabhängiger. Die personelle Auswahl der Verwaltungs- und Verfassungsgerichte erfolgt dagegen auch aus politischer Motivation. Der Erfolg der Popularklage der bayerischen Künstler bleibt daher abzuwarten.

Wir tanzen um unser Leben: Ein Flashmob

„Danser encore“ heißt die neue Protestwelle. In einem Flashmob versammeln sich Musiker, Tänzer, Sänger auf Plätzen. Die musikalische Protestwelle startete vor zehn Tagen in Paris. Am Wochenende ist sie in Deutschland angekommen. Samstagnachmittag am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Gesungen, musiziert und getanzt wird spontan und ohne Vorwarnung an die Behörden. Den deutschen Text gibt es auf Telegram in der Gruppe „Danser encore“.

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In Deutschland organisiert sich der Flashmob. Von Hamburg bis ins Allgäu verbinden sich musikalische Protestgruppen. In Wohnzimmern wird geübt. Die Polizei weiß nicht, wo. Arbeitslose Künstler und Choristen üben Texte, Schritte und Musik. Protest gegen die Zu- und Aussperrer der Kultur. Für Lebensfreude und Musik. „Danser encore“ soll zeigen: Es ist genug. Wir können nicht mehr. Wir tanzen um unser Leben.

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DANSER ENCORE
Liedtext auf Deutsch

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn

Wir sind nicht so leicht zu spalten
sind nicht für was sie uns halten
Wir werden nichts versprechen
Wir wollen uns nicht rächen
Wir wollen nur das Schweigen brechen

Und jeden Abend im TV
erklärt die Königin genau
das sollt ihr denken
Doch wir lassen uns nicht lenken
Das kann sie sich ruhig schenken

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn

Regeln machen uns zum Depp
Totaler Blödsinn auf Rezept
wehe wenn du noch denken kannst
wehe wenn du noch draußen tanzt
wenn du dich nicht brav verschanzt

Verordnung hin Verordnung her
gar keine Sicherheiten mehr
Selbstvertrauen erschüttern
doch wir werden nicht zittern
und unsre Herzen nicht verbittern

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn

Wir lassen uns nicht überzeugen,
uns nicht von der Lüge beugen
die uns doch nur in Angst versetzt
die uns in den Wahnsinn hetzt
Unsere Seele die bleibt unverletzt

Unser Geist bleibt heil und frei
und wir singen noch dabei
zeigen Lächeln, zeigen Fantasie
und eines das sind wir nie
einfach nur euer Arbeitsvieh

Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn
Oh nein, oh nein, oh nein, oh
Freunde kommt, wir wollen wieder tanzen gehn
Leben ist doch nur als Ganzes schön
Wir lassen uns nicht den Verstand verdrehn 

Wer aus seinem beruflichen oder privaten Leben einen „Kollateralschaden“ melden möchte: Vertraulich und persönlich, per E-Mail an [email protected]

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
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Johanna Wahlig ist Politologin, Journalistin und Unternehmerin. Frank Wahlig ist Historiker und war 30 Jahre lang ARD-Hauptstadtkorrespondent.
 
Bild: privat
Text: Johanna und Frank Wahlig
 

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