Deutschland baut sich ab: Drittletzter im aktuellen ZEW-Ranking „Industriestandort hat dramatisch an Qualität verloren“

Von Daniel Weinmann

Dass die späten Merkel-Jahre dieses Land so tief in den Abgrund führen, hatten wohl nur die pessimistischsten Auguren auf der Agenda. In der neuen Ausgabe des „Länderindex Familienunternehmen“ des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) belegt die Bundesrepublik den 18. Platz unter 21 Ländern – vier Plätze schlechter als 2020. Deutschland steht damit so schlecht da wie noch nie seit der erstmaligen Erhebung des Rankings im Jahr 2006 und ist in den vergangenen 13 Jahren um sechs Rangplätze abgerutscht.

Schlechter hat sich kein anderes Land während dieses Zeitraums entwickelt. Auch im Vergleich der deutschsprachigen Länder hinterlässt die Bundesrepublik einen erbarmungswürdigen Eindruck: Die Schweiz rangiert auf Platz vier, während Österreich den dreizehnten Rang belegt. Insgesamt zeige sich „ein ernüchterndes Bild des deutschen Standorts“, bilanzieren die Studienautoren.

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Auftraggeber der Analyse war die Stiftung Familienunternehmen in München, die die neunte Auflage der seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Analyse am Montag veröffentlichte. „Der Industriestandort Deutschland hat dramatisch an Qualität verloren“, sekundiert Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Im internationalen Vergleich auf den hintersten Plätzen – das ist nicht das Feld, in das wir gehören.“

Deutsche Unternehmen zahlen mit die höchsten Steuern unter den OECD-Ländern

Die Studie nennt gleich ein ganzes Bündel von Versäumnissen, die zum Absturz führten: Zu viel Bürokratie, zu hohe Steuerbelastung, langsame Innovationsbereitschaft, hohe Energiekosten und Arbeitskräftemangel. Großen Verbesserungsbedarf attestiert das ZEW darüber hinaus dem Bildungswesen und verweist auf Schwächen in den Schlüsselfächern Deutsch und Mathematik.

Um nur einen der Punkte näher zu beleuchten: Während viele andere Länder wie die USA oder Frankreich die Steuern gesenkt haben, blieben sie hierzulande auf dem Niveau der Reform von 2008. Die Folge: Deutsche Unternehmen zahlen mit die höchsten Steuern unter den OECD-Ländern.

ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann schreibt von einem „ernüchternden Bild“. Der Befund zur Position Deutschlands bietet seiner Ansicht nach „erheblichen Anlass zur Sorge“. Besonders ernüchternd: Heinemann und sein Team sehen nicht die geringsten Anzeichen für eine Aufwärtsbewegung.

»Wir wollen 2045 weiter eines der ganz großen erfolgreichen Industrieländer in der Welt sein«

„Im Vergleich aller 21 betrachteten Standorte bietet Deutschland nur für den Bereich Finanzierung noch erstklassige Standortbedingungen“, heißt es in der Analyse. In keinem der anderen betrachteten Themenfelder könne die Bundesrepublik hingegen noch mit den Spitzenstandorten in Nordamerika, Westeuropa oder Skandinavien mithalten.“

Die Bundesregierung blubbert derweil in ihrer eigenen Märchenwelt – und riskiert einen weiteren Abstieg. Um die extreme Realitätsferne der Ampelmänner zu erfassen, muss man sich die Einlassung von Olaf Scholz anlässlich seines Besuchs des BASF-Standorts in Schwarzheide Anfang November vor Augen halten: „Wir wollen 2045 weiter eines der ganz großen erfolgreichen Industrieländer in der Welt sein“, tönte der Bundeskanzler. Man mag sich besser nicht vorstellen, was aus diesem Land bis dahin geworden ist, wenn nicht sehr bald ein Ruck zu einer fundamentalen politischen Wende führt.

Vielleicht hilft ja der zwischenzeitlich auf eine Milliarde Euro geschätzte Ausbau des Amtssitzes von Olaf Scholz, Deutschland im Standortranking wieder nach oben zu bringen.

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Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

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