Die Intoleranz der „Toleranten“ und die Unfreiheit im freien Westen "Unerklärliche Aggression den Anders-Denkenden gegenüber"

Von Ekaterina Quehl

Ich bin in einer Diktatur aufgewachsen, habe lange in einem autoritären Regime gelebt und ich habe mich noch nie so unfrei gefühlt wie im heutigen Deutschland. Und ich habe noch nie so wenig Toleranz erlebt wie hier in diesem Land, in dem die Medien und die Politik ständig von Toleranz reden, sie in Wirklichkeit aber da fehlt, wo sie am wichtigsten ist: gegenüber Menschen mit anderen Meinungen.

Wie ich zu diesen heftigen Schlussfolgerungen komme? Das ist eine eigene Geschichte. Es begann in einem Gespräch mit Boris Reitschuster. Wir rätselten über die nahe Zukunft Deutschlands. Er sagte, er sei optimistisch und hege Hoffnung auf eine positive Wendung. Und obwohl ich ein fröhlicher und optimistischer Mensch bin, kann ich leider seinen Optimismus nicht teilen.

Seit Monaten graut es mir vor morgen in Deutschland. Die vielen Parallelen zum sowjetischen autoritären Regime, die ich hier in der Bundesrepublik erkenne, machen mir richtig Angst davor, was mich in den nächsten Monaten und Jahren in diesem Land erwartet. Und besonders große Angst bereitet mir das menschliche Miteinander hier. Der Eifer, mit dem sich viele Menschen an bestimmte Entwicklungen klammern, wie sie auf sie reagieren und wie sie mit denjenigen umgehen, die auf diese Entwicklungen anders reagieren, scheint mir beinahe neurotisch und ist genau der Grund, warum ich nicht so optimistisch sein kann wie Boris Reitschuster.

1,5=35

Noch 2019 hatten wir ein großes Thema in Deutschland. Menschen gingen auf die Straßen, es wurden neue Regeln eingeführt, neue Ziele gesetzt. Medien schrien von einer Welt-Gefahr, die uns unweigerlich drohe. Und wenn wir jetzt nicht sofort etwas dagegen unternähmen, dann hätten unsere Kinder keine Zukunft mehr. Und Menschen, die dieses Narrativ hinterfragt haben, wurden sofort als Rechte bzw. Rechtsextreme eingestuft. Potenzielle Feinde, die dabei stören, die Welt zu retten. Ein öffentlicher Diskurs außerhalb des Narratives fand nicht statt. Sprache und Symbolik dienten als Instrument zur Unterstützung des Narratives. Das Rennen um das 1,5-Grad-Ziel schien in der Gesellschaft alles andere zu überschatten.

Als ich Boris Reitschuster damals fragte, warum man in Deutschland auf das Thema Klimawandel so fixiert sei und warum Menschen in ihrer Mehrheit sehr aggressiv auf diejenigen reagieren, die darauf nicht so fixiert sind bzw. das Thema unter einem anderen Blickwinkel betrachten, meinte er nur: „Warte ab, es kommt irgendwas Neues und sie werden dieses Thema vergessen.“

Heute, in 2021, haben Menschen in Deutschland ein neues Thema, auf das sich sehr viele fixieren. Ein Thema, das den Sinn unseres Lebens jetzt bestimmen soll. Wir haben eine Gefahr von außen, die wir mit allen unseren Kräften abwehren müssen. Wir haben ein gemeinsames Ziel und müssen stark sein und zusammenhalten, um das zu erreichen. Das Ziel 35. Verzicht und Einschränkungen dienen zum Erreichen des Ziels. Nur so können wir der Gefahr keine Chance geben. Diejenigen, die sie als „Nicht-Genug-Gefahr“ oder gar als „Nicht-Gefahr“ betrachten, sind Feinde. Rechtsradikale, Verschwörungstheoretiker, Coronaleugner, Coronaverharmloser, Covidioten, Querdenker.

Feinde, Zahlen und Parolen

In der Sowjetunion hatten wir immer Feinde. Feinde waren immer diejenigen, die die Gefahr, die der Sowjetunion stets von kapitalistischen Mächten drohte, verharmlosten und somit die Abwehr-Maßnahmen des sowjetischen Regimes infrage stellten. Die Gefahr, der sowjetische Bürger ausgesetzt wurden, musste ihnen immer bewusst sein. Wir Kinder mussten lernen, was zu tun ist, wenn ein atomarer Angriff auf unser Land ausgeübt wird. Im speziellen Schulunterricht haben wir Gasmasken tragen müssen und übten, wo man sich verstecken muss, wenn man einer radioaktiven Strahlung ausgesetzt wird. Dass das alles absurd war, wurde uns nicht erklärt. Dafür aber, dass diejenigen, die es für absurd hielten, unsere Feinde waren.

Unser heutiger Kapitalismus heißt Covid-19.

In der Sowjetunion hatten wir viele Zahlen. Zahlen waren unsere Gegenwart, Zahlen bestimmten unsere Zukunft. Wir lebten in einer Planwirtschaft und im ständigen Rennen nach der Erfüllung eines Fünf-Jahres-Plans. Es war unerheblich zu wissen, was sich konkret hinter diesem Plan verbirgt. Das hat auch keiner von uns verlangt. Maßgeblich war es aber, die Wichtigkeit dessen zu verstehen und diesen in vier – besser noch, in drei – Jahren zu erreichen. Wenn man eine Zahl als Zielpunkt definiert, dann nimmt das Ziel konkrete Züge an.

Unser heutiger Fünf-Jahres-Plan heißt 35. Oder 10? Oder vielleicht 0?

Mit der Zahl in der Zukunft lässt sich das gegenwärtige Streben nach ihr besser rechtfertigen. Dabei ist es völlig unerheblich, was sich hinter dieser Zahl konkret verbirgt.

In der Sowjetunion hatten wir unsere eigene Sprache, eine Art Neusprech, mit der wir das ganze Pathos des kommunistischen Lebensglücks perfekt zum Ausdruck bringen konnten. Und mussten. Dabei ließen sich Vorurteile mit Narrativen perfekt bedienen und das schwarz-weiße Weltbild aufrechterhalten. Hinterfragst du, ob das Schwarze schwarz ist oder denkst du gar, das Schwarze sei weiß, bist du Feind. Denkst du, es gibt außer schwarz und weiß noch andere Töne, bist du Feind.

Unsere heutigen Dissidenten heißen „Nazis“, „Verschwörungstheoretiker“ und „Coronaleugner“.

Verzicht

Ob freiwillig oder nicht, war Verzicht dem höheren Ziel zuliebe stets ein Teil unseres Lebens. Auf dem holprigen Weg zum kommunistischen Glück voller Gefahren und Feinde, machte es uns nichts aus, auf Dinge zu verzichten, die in einer demokratischen wohlhabenden Gesellschaft Spaß und Freude bringen, sei es Grundfreiheiten oder Konsum. Es wurde uns suggeriert, dass Einschränkungen ein notweniges Mittel seien, um das Ziel schneller zu erreichen und es doch nichts ausmache, wenn man sich etwas einschränke.

Unser heutiger Verzicht ist der Lockdown.

Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen und habe in Putin-Russland bis zu meinem 27. Lebensjahr gelebt. Doch noch niemals habe ich mich so unfrei gefühlt, wie im heutigen Deutschland. Bei all den Unfreiheiten, die ich in der Sowjetunion und in Putin-Russland erlebt habe.

Eine Handvoll Instrumente, derer sich autoritäre Regime immer wieder bedienen und die in etlichen Büchern – unter anderem auch im Orwells Roman 1984 – beschrieben sind, sind genauso simpel wie wirkungsvoll. Und die Tatsache, dass auch in demokratischen Gesellschaften solche Instrumente immer wieder Anwendung finden, bestätigt nur, wie fragil diese Gesellschaften häufig sind und wie gefährlich es ist, die Schrecken der Vergangenheit nicht ganz aufgearbeitet zu haben.

Neben diesen universellen Instrumenten fällt mir jedoch in Deutschland eine Besonderheit auf, die ich in der damaligen Sowjetunion und im heutigen Russland im menschlichen Verhalten nicht gesehen habe und die mich meines Optimismus bei der aktuellen Entwicklung in Deutschland beraubt. Das menschliche Miteinander. Die für mich unerklärliche Inakzeptanz, ja Aggression den Anders-Denkenden gegenüber, das Denunziantentum und die Intoleranz. Ja, die Intoleranz. Hier, in Deutschland, wird sehr viel über Toleranz gesprochen. Toleranz gegenüber Menschen anderer Nationalitäten, anderer Religionen, Toleranz gegenüber Schwerbehinderten, Toleranz gegenüber Homosexuellen, gegenüber Regen und Sonne und was weiß ich, was noch. Doch wie wäre es mit Toleranz gegenüber kritischen Stimmen, gegenüber denen, die nicht mit allem einverstanden sind, was die Mehrheit vertritt, gegenüber denen, die das aktuelle mediale und politische Narrativ nicht teilen und andere Ansichten vertreten? Und wie wäre es mit Klardenken? Statt sich von der Angst fesseln zu lassen und die eigene Aggression auf die zu richten, die diese Angst nicht haben? Und lernen, Werte und Freiheiten zu behalten, die jahrzehntelang so schwer errungen wurden und sie nicht über Bord werfen, wegen etwas, was es definitiv nicht wert ist?

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Ekaterina Quehl ist gebürtige St. Petersburgerin, russische Jüdin, und lebt seit über 15 Jahren in Berlin. Pioniergruß, Schuluniform und Samisdat-Bücher gehörten zu ihrem Leben wie Perestroika und Lebensmittelmarken. Ihre Affinität zur deutschen Sprache hat sie bereits als Schulkind entwickelt. Aus dieser heraus weigert sie sich hartnäckig, zu gendern. Mit 27 kam sie nach einem abgeschlossenen Informatik-Studium aus privaten Gründen nach Berlin und arbeitete nach ihrem zweiten Studienabschluss viele Jahre als Übersetzerin, aber auch als Grafik-Designerin. Mittlerweile arbeitet sie für reitschuster.de und studiert nebenberuflich Design und Journalismus.

Bild: inamar/Shutterstock

Text: eq

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Kathleen Kümling
11 Tage zuvor

Sie spricht mir aus der Seele. Ich bin in der DDR aufgewachsen. Ich erlebe gerade DDR 2.0. Ich verstehe die Menschen nicht mehr. Alles was die Regierung sagt, ist richtig. Nur wenn man hinterfragt, ist man ein Coronaleugner, oder was auch immer. Macht weiter so!!!

Lg

Kathleen Kümling

Gunar
11 Tage zuvor

Kenn ich nur zu gut, hier mal ein kleiner Teil meiner Erinnerungen…

1986 ich war 14 ich hatte Jugendweihe gefeiert und war natürlich wie fast Jeder um mich herum Thälmannpionier. Ich hatte gelernt zwischen den Zeilen in Zeitungen zu lesen. Ich wusste mit wem ich worüber reden durfte oder konnte. Ich schraubte in der Produktiven Arbeit (ein Unterrichtsfach) Herde für den Otto Katalog und den „Klassenfeind“zusammen. Ich hoffte später niemals auf Deutsche schießen zu müssen.

Und ich sammelte jeden Zeitungsschnipsel und klebte ihn in ein Heft, Zeitungsschnipsel über die Fußballweltmeisterschaft in Mexiko. Viele tolle Mannschaften und Stars. Wer erinnert sich nicht an Diego Maradonnas Solo und seine „Hand Gottes“ gegen England?!

Aber stolz war ich wie Viele andere auf unsere Deutsche Nationalmannschaft. Auch wenn manchmal der Ball im Gegensatz zu anderen Nationen nicht ihr Freund zu sein schien. Aufgeben war keine Option. Es schien sich Jeder zu zerreißen für unser Land.

Finale gegen Argentinien.
Gequält schrie der Wohnblock auf bei den ersten beiden Toren der Argentinier. Dann 1:2 Rummenigge und dann 2:2 durch Rudi Völler in der 81. Minute. Ein lauter Aufschrei aus Tausend Kehlen entlud sich. Ein Mann ging auf seinen Balkon und schwenkte eine schwarz rot goldene Fahne.  Sie trug keinen Hammer,Zirkel Ährenkranz

Wenig später hielt ein Polizeifahrzeug um ihn abzuholen….

1989
die Menschen gingen auf die Straße, in meinem Ort 70.000 von 120.000. Sie wollten frei ihre Meinung sagen dürfen.Sie wollten weg von staatlicher Willkür,Zensur und vorgefertigten Sprechblasen. Sie wollten das der Schwanz aufhört mit dem Hund zu wedeln.

Wir hatten Angst. dass der Staat Gewalt gegen uns Demonstranten anwendet.

Vielen Bundesbürgern scheint nicht bewusst zu sein wie elementar ihre Grundrechte wirklich sind. Wenn man auf Sie verzichtet sollte dem Souverän signifikante Gründe vorgelegt werden. Die Insidenz (von Wievielen???) ist sicher keiner.

Ich bin in einer Diktatur aufgewachsen. Und spätestens seit 2015 lese ich wieder zwischen den Zeilen…

ich wünsche Jedem hier die nötige Gelassenheit, wir werden Sie noch oft benötigen

Kausalitätenjäger
11 Tage zuvor

Liebe Ekaterina, (Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so anspreche. Dies geschieht nicht aus Respektlosigkeit sondern entspringt vielmehr einem Gefühl der Verbundenheit im Geiste.)

dieser Kommentar ist dazu gedacht, Sie aufzumuntern.

Zunächst – auch ich bin wie noch viele andere unserer Generation in einer Diktatur aufgewachsen, obwohl ich dies ehrlicherweise lange Zeit überhaupt nicht so empfunden habe. Ich wurde zu DDR-Zeiten an der sogenannten Arbeiter- und Bauernfakultät auf mein Studium im sozialistischen Bruderland vorbereitet.  In der Zeit vor der Wende hatte ich meinen Wehrdienst abzuleisten. Wegen Glasnost & Perestroika kursierten damals regelmäßig Exemplare der Zeitschrift Sputnik zwischen den Soldatenstuben, was der strengen Informationsquarantäne komplett zuwiderlief. (Es war z.B. streng untersagt, den Frequenzanzeiger am UKW-Radio auf eine Position einzustellen, die nicht auf einem eigens angebrachten Heftpflasterstreifen darunter mit Kugelschreiber als erlaubter Sender markiert war. Für die Missachtung dieser Regel wurde ich vom Gefreiten zum Soldaten zurück degradiert … geschenkt!) Die Hefte zirkulierten trotzdem unter der Hand und bei der gemeinsamen Lektüre auf den Zimmern wurden die Lieder von Bettina Wegener gesungen, was ja damals noch viel verbotener war. Es dauerte nicht lange, bis die Stasi uns alle am Wickel hatte. Ich möchte jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, dass die meisten von uns in einen Militärknast einfuhren und das solche Anstalten nicht mit zivilen Gefängnissen zu vergleichen sind, da man als Soldat zu dieser Zeit ohnehin noch viel weniger Rechte (um nicht zu sagen überhaupt keine) hatte als ein Zivilist. Auch konnten die meisten von uns damit ihr Vorhaben zu studieren erst einmal begraben. Aber ich möchte davon erzählen, wie ich als 19-jähriger von der Stasi förmlich durch die Mangel gedreht wurde: „Ich könnte im Knast verrotten … ob ich mal an meine Familie gedacht hätte … was meine Eltern auf ihren Arbeitsstellen für Ärger erwartet … was wohl aus meiner jüngeren Schwester werden sollte, wenn ich nicht kooperiere und nicht endlich mit den Namen herausrücken würde …“. Ich hatte zwar am Ende das große Glück, davon gekommen zu sein, weil keiner der Anderen mich ausreichend belastet hatte. Am Ende war das Ganze aber trotzdem mein Schlüsselmoment. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich wochenlang in einer Ecke hockte und heulte – Nicht weil man mich so übel bedroht hatte wegen harmloser Kleinigkeiten wie Sputnik lesen oder Lieder zur Gitarre singen. Nein – einerseits hatte es andere weit schlimmer erwischt als mich und andererseits wog der Verlust des Urvertrauens in die Gesellschaft, in der ich aufgewachsen war, weit schwerer als das Selbstmitleid.

Worauf will ich damit hinaus? Bis zu dieser Konfrontation mit der Stasi war keiner von uns ein „Dissident“ oder irgendwie staatsfeindlich eingestellt. Wir träumten vielleicht von Reformen wie in Gorbatschows UdSSR, nicht einmal nachdem man uns wie Feinde behandelt hatte, wurden wir zu solchen. Allerdings war eben das Vertrauen von dem Moment an unreparierbar zerstört und wir alle wussten eigentlich schon, dass dieser Staat verloren hatte. Ich war darüber als junger Mensch voller Trauer und bin es eigentlich bis heute, denn ich bin immer noch überzeugt davon, dass viel bessere Wege hätten eingeschlagen werden können, wenn man nur in der Lage gewesen wäre, zu verhindern, dass Freunde zu Feinden gemacht wurden.

Eine Gesellschaft muss den Dialog gerade mit den kritischen Stimmen in ihr suchen, tut sie das nicht oder diffamiert sie diese oder versucht sie zum Schweigen zu bringen, ist sie unweigerlich dem Untergang geweiht.

Es ist dieser Dialog, den Herr Reitschuster aktiv betreibt und der ihn deshalb solange optimistisch stimmt, wie er noch möglich ist bzw. gedeihen kann. Je mehr ihn unterstützen, um so eher wird diese Gesellschaft, die inzwischen leider sehr krank geworden ist, wieder gesunden können.

Übrigens gibt es in dem oben erwähnten Roman von Georg Orwell am Schluss eine Aussage, an die ich in letzter Zeit oft erinnert werde:

„Wenn es eine Hoffnung gibt, dann liegt sie bei den Proles, weil nur dort, in diesen wimmelnden, missachteten Massen, fünfundachtzig Prozent der Bevölkerung Ozeaniens, jemals die Kraft entstehen könnte, um die Partei zu zerstören.“

Das klingt vielleicht etwas pathetisch, aber es sind tatsächlich die einfachen Menschen, die mir tagtäglich begegnen und mit denen ich ins Gespräch komme, die mich daran erinnern, dass sie es letztlich sind, die über die Zukunft der Gesellschaft entscheiden, und wenn sie zu dem Schluss kommen, dass es notwendig ist, dann wird es Veränderungen geben (- unabhängig davon, was sich unsere intellektuellen Vorturner alles noch so einfallen lassen).

 

HB
Antwort an  Kausalitätenjäger
11 Tage zuvor

Leider steht ihr Artikel sehr weit unten, so dass ihn nur wenige lese werden. Und was ist aus Ihren Peinigern geworden? Die oder auch ihre Kinder sind heute wieder mit vorn dabei, was man gut erkennen kann, wenn man sich bestimmte Biografien von Leuten einer bestimmten Partei anschaut. Da aber in der DDR schließlich zu viele der eigenen Vorteile wegen mitgemacht haben, gelang es den ehemaligen Funktionären sehr gut, alle diejenigen, die nach der Wende ihren Job verloren hatten, in die Opferolle zu drängen. Und fast keiner fragte mehr nach dem warum, alle wollten wieder maximal profitieren.

Metal-Sergej
11 Tage zuvor

Liebe Ekaterina, ich, ein Kind Sibiriens und auch Ihre Altersgruppe, kann Ihren Überlegungen nur zustimmen!

Stefan
11 Tage zuvor

Sehr geehrte Frau Quehl- vielen Dank für Ihren sehr wichtigen und emotionalen Text.Ich hätte auch nicht geglaubt, daß ich nach ca. 30 Jahren Fall der Mauer nunmehr wider in der Situation bin, mich zurückerinnern zu müssen. Ich hatte es immer vermieden, auf  die auch positiven Seiten in meinem Leben im Osten zu verweisen- wollte ich ja nicht als unbelehrbar „ewiggestriger „gelten, der sich die DDR zurückwünscht( was ich nie wollte). Aber bereits seit Gründung von Pegida habe ich erkennen müssen, daß da Leute zusammenkommen,die nach dem Sturz des komm. Regimes und ihrer ganz persönlich genutzten Chance zu einem Neubeginn eines erfolgreichen Lebens dieses nicht mehr leichtfertig aufgeben wollten.

Inzwischen bin ich in der selben Situation wie Sie und eben auch die Demonstrierenden und möchte diese „Errungenschaften“nicht mehr leichtfertig aufgeben- und plötzlich steht man als „Staatsfeind“und „Nazi“ da und daraus resultierend weise ich eben auch darauf hin, daß ich heutzutage so etwas in der Ehemaligen eigentlich nicht erleben mußte.

Noch ein persönliches Schmankerl: Ich durfte bei meiner Arbeit (vor allem in Italien) viele russische Freunde kennenlernen dürfen und habe sogar wieder begonnen, meine russischen Sprachkenntnisse aus meinem Hinterstübchen hervorzukramen.

Was mich dabei immer wieder berührt und fasziniert ist, daß man beim „Trinken“immer zuerst auf den Frieden und darauf folgend die Familie, die Gesundheit etc.anstößt. Und ich habe nie das Gefühl, daß dies irgendwie aufgesetzt ist.

Argonautiker
11 Tage zuvor

Manchmal ist das Geschriebene so rund, daß ich noch nicht mal mehr einen Kommentar dazu schreiben möchte, weil, wenn etwas in sich stimmig ist, dann ist es in sich stimmig, und jeder Senf dazu, wäre eben nur Senf dazu. Ein zustimmendes schweigendes Lob an Sie, Ekaterina

Natalie Stein
11 Tage zuvor

Liebe Frau Quehl,

vielen Dank für Ihren emotionalen und doch so stimmigen Beitrag – ich finde mich da zu 100% wieder. Auch in mir – mittlerweile Mutter von zwei Kindern – weckt die gegenwärtige Situation mit all den Einschränkungen, Schulterblicken, dem öffentlichen Schweigen der Bürger und den hitzigen Diskussionen am heimischen Küchentisch die Erinnerungen an meine Sowjetkindheit. Die Angst vor der Zukunft, wenn es so weiter geht, und die Entrüstung über die Passivität und die Akzeptanz der Entwicklung stimmt mich sehr pessimistisch und belastet mich. Ich finde mich zudem in einer Zwickmühle: als Nicht-Bürgerin dieser Republik (kein deutscher Pass) möchte ich nicht den Eindruck erwecken, ich würde meine neue Heimat nicht schätzen. Aber es fällt mir unendlich schwer, den Mund zu halten. So viele Einheimische in unserem Umfeld nehmen die Situation hin, quasi die Ewig-Positiven: „Wir machen das Beste daraus.“ Für mich unverständlich und erschreckend.

Ich lasse mich trotz allem sehr gern von Aktivisten und Klardenkern mit ihrem Enthusiasmus und Optimismus anstecken, damit die Angst nicht das Leben bestimmt. Zum Glück beobachte ich das Erwachen der Gesellschaft aus dem Schäfchen-Schlaf. Ich drücke diesem Land vom Herzen die Daumen: Wacht auf.  Holt euch die Freiheit und die Selbstbestimmung und diese Vielfalt zurück, die dieses Land so lebens- und liebenswürdig macht.

Dank Ihrer Arbeit #TeamReitschuster, werden immer mehr auf die Missstände aufgeweckt. Danke dafür.

Paulsen, Sönke
11 Tage zuvor

Super Artikel!! Es gibt noch viele andere Parallelen zwischen unserer Corona Diktatur und dem real existierenden Sozialismus. Beispielsweise kaufen die Leute jetzt was da ist und nicht, was sie brauchen, wie es damals war, als man in der DDR alles kaufte, was in den Regalen lag, um später Tauschgeschäfte damit zu tätigen. Ich bin auch schon eingedeckt, habe jede Menge zum tauschen. Allerdings systemisch betrachtet, denke ich, dass der Kapitalismus genauso zwangsläufig in die Diktatur führt, wie der Kommunismus. Der Hebel dafür ist der Hyperwettbewerb der eine gewaltige Anpassung erzwingt. Nicht umsonst haben sie die die uniformen Business-Männer an der Startlinie als Titelbild 🙂 Ne Demokratie muss permanent erkämpft werden, sonst wird sie einem einfach weggenommen! Es gibt zu viele Menschen die Macht wollen, da geht es ohne Kampf nicht.

Vlad
Antwort an  Paulsen, Sönke
11 Tage zuvor

Herr Paulson

Vor allem geht es ohne gerechte Regeln nicht.

Als Kommunist und Verfechter der Perestroika kann ich Ihnen nur zustimmen.

1984
11 Tage zuvor

Wo ist mein Kommentar von gestern geblieben? Zu dick aufgetragen, Thema verfehlt? Zensur bei Reitschuster. de ?

Norbert Brausse
Antwort an  1984
11 Tage zuvor

In seltenen Fällen scheint es noch immer der Fall zu sein, dass der Server manchmal so sehr beschäftigt ist, dass er einen Kommentar nicht verarbeiten kann, obwohl das Gegenteil behauptet wird. Ob und wann zensiert wird, weiß ich nicht, aber ganz ohne wird es nicht mehr gehen, denn die Seite ist jetzt so bekannt, dass ich mir vorstellen kann, dass es immer jemand gibt, der nicht mit Herrn Reitschusters Meinung einverstanden ist, und das durch unflätige Worte tun wird.

D. Preuß
11 Tage zuvor

„Die vielen Parallelen zum sowjetischen autoritären Regime, die ich hier in der Bundesrepublik erkenne, …“. Und genau diese Parallelen zum Gehabe in der DDR erkennen die Ossis jetzt in den heutigen Reaktionen des Staates gegen unbotmäßige Meinungen ebenfalls. Darum ist hier auch der Anteil an Nörglern, Abweichlern, Verweigerern, Leugnern, Defätisten so groß.

Norbert Brausse
Antwort an  D. Preuß
11 Tage zuvor

D. Preuß, für mich sprechen Sie in Rätseln bzw. widersprechen sich. Sagen Sie bitte mit einfachen Worten das, was Sie uns wirklich mitteilen wollen. Es wäre doch umso schöner, wenn Sie uns davon überzeugen können, dass wir weiter einer glorreichen Zukunft entgegen gehen werden.