Die verquere Logik des Olaf Scholz Zurechtbiegung der Realität

Von Marcel Luthe

Entweder hat der neue Bundeskanzler ein schwieriges Verhältnis zur formalen Logik oder zum Leitbild des souveränen Staatsbürgers, das unser Grundgesetz vorsieht, wenn er nicht „nur“ keine Ahnung hat, sondern die Bürger mit dieser Propaganda hinters Licht führen will.

Ungeachtet der Frage des Impfstatus verbreiten Menschen Viren – übrigens seit Beginn der Menschheit. Der Unterschied soll bei „Geimpften“ in zwei Punkten liegen: Diese haben – übrigens völlig unpräzise und schlicht behauptet – einen „milderen Verlauf“ und sind in vielen Bereichen von einer Pflicht zu Tests auf ein Virus ausgenommen.

Mit anderen Worten: Diese „Geimpften“ spüren bei gleichem, eigentlich schwachen Verlauf gegenüber „Ungeimpften“ gar keine Symptome und haben folglich keinen Anlass, sich für krank zu halten und ggf. einer Diagnostik zu unterziehen.

Zum anderen werden sie auch nicht – wie „Ungeimpfte“ – anlasslos getestet und werden auch deshalb nicht erfahren, dass sie ein Virus verbreiten.

Dies natürlich stets vorausgesetzt, die Hunderte von am Markt verfügbaren, unterschiedlichen Corona-Tests wiesen alle eine gleich hohe Spezifität und Sensitivität auf und seien daher vergleichbar oder auch nur durchweg präzise. Aber das Prinzip der statistischen Standardisierung wird nun seit fast zwei Jahren von meinem Kollegen weitgehend nicht begriffen.

Es ist nach dem Obenstehenden jedenfalls völlig klar, dass das Gegenteil dessen, was Herr Scholz behauptet, zutreffend ist: Quelle des „Infektionsgeschehens“ ist – wenn überhaupt – die Gruppe der „Geimpften“.

Warum „wenn überhaupt“?

Eine „Pandemie“ ist nach der Definition der Bundesregierung selbst – dort des dem Gesundheitsministerium nachgelagerten RKI – die „neu, aber zeitlich begrenzt in Erscheinung tretende, weltweite starke Ausbreitung einer Infektionskrankheit mit hohen Erkrankungszahlen und i. d. R. auch mit schweren Krankheitsverläufen.“

Ob eine „Pandemie“ besteht, hängt also von „Infektionskrankheiten“ ab.

Wieder die Bundesregierung:

„Infektionskrankheiten werden durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht. Eine menschliche Ansteckung kann über direkten (zum Beispiel durch Anhusten) oder indirekten Kontakt (zum Beispiel über Händeschütteln oder den Genuss von Nahrungsmitteln) erfolgen. Die Dauer und Schwere einer Infektionskrankheit hängen unter anderem von der Art der Infektion, den Eigenschaften des Krankheitserregers sowie von der körperlichen Verfassung und der Immunantwort der betreffenden Person ab. Eine Infektion muss nicht immer zu einer Erkrankung führen.“

Also: Infektion ungleich Infektionskrankheit.

Was ist denn eine Krankheit?

Das deutsche Standardwerk der medizinischen Wörterbücher, der „Pschyrembel“, definiert Krankheit als „Störung der Lebensvorgänge in Organen oder im gesamten Organismus mit der Folge von subjektiv empfundenen und/oder objektiv feststellbaren körperlichen, geistigen oder seelischen Veränderungen“.

Mit anderen Worten: Ohne Symptome keine Krankheit.

Von einer Bundesregierung, die zumindest in kleinen Teilen auch von Abgeordneten getragen wird, bei denen ich in den letzten Jahrzehnten persönlicher Gespräche den Eindruck hatte, dass diese des logischen Denkens fähig sind, erwarte ich nun endlich eine Abkehr von diesem unwissenschaftlich-populistischen Geschwafel hin zu einer erklärenden, substantiierten Politik, die nicht in blinder Hysterie Schlagzeilen folgt, sondern endlich wieder zur Rationalität zurückkehrt. 

Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen, und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können. 

Marcel Luthe war von 2016 bis 2021 Mitglied des Abgeordnetenhaus für Berlin, zunächst für die FDP und später für die Freien Wähler. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler ist Autor und Unternehmer. 

 
Bild: Alexandros Michailidis/Shutterstock
Text: Gast

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