Die verstörenden Fehlprognosen des Karl Lauterbach Zerrissen zwischen Wahn und Wirklichkeit

Von Daniel Weinmann

An Selbstbewusstsein mangelt es dem derzeitigen Bundesgesundheitsminister sicherlich nicht, denn die Coronakrise hat Karl zum Großen gemacht. In einem aktuellen Interview mit der „taz“ betrachtet sich der SPD-Politiker gar als Verteidiger der Wahrheit.

Der Mann, für den Corona zum Lebensmittelpunkt geworden ist, gibt sich gern als Wissender. „Mich entspannt das Lesen von wissenschaftlicher Literatur“, vertraute er kürzlich dem „Stern“ an. Geht es um seine zahllosen Prophezeiungen, zeigt er sich gewissenhaft: „In der Tat achte ich sehr darauf, bei welchen Prognosen ich falsch lag und bei welchen meine Erwartung ungefähr eingetreten ist“, zitierte ihn die „Mediengruppe Kreiszeitung“ im vergangenen Juli.

Die „Zeit“ machte den 59-Jährigen am 8. Dezember dennoch zu „Karl, dem Fehlbaren“. Ein kleines Kompendium seiner skurrilsten Fehltritte bestätigt diesen Befund:

Ohne jegliche wissenschaftliche Untermauerung behauptete Lauterbach beispielsweise am 26. Dezember 2019 per Twitter: „Der Feinstaub der Silvesternacht bleibt leider für Monate im Körper. Leider lagert er sich auch im Gehirn ab.“

Fast ironisch mutet dieser – ernst gemeinte – Tweet vom 6. April 2020 an: „Staubsaugerbeutel-Masken sind sehr gut.“

«Massiv überlastete Krankenhäuser, viele Menschen tot»

Wenig wissenschaftlich fundiert liest sich diese Erkenntnis: „Die Aerosole von der Toilettenspülung der Infizierten im Erdgeschoss und der tiefen Stockwerke landen im Bad der oberen Etagen“, verkündete er per Twitter im September 2020.

Gleiches gilt für seine Einlassung bei „Maybrit Illner“ am 16. April vergangenen Jahres: „Diejenigen, die jetzt auf Intensivstationen behandelt werden, sind im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt. Die Hälfte von denen stirbt. Viele Kinder verlieren ihre Eltern. Das ist eine Tragödie.“

Corona – Angst. Was mit unserer Psyche geschieht."Ende Oktober prognostizierte er mit Blick auf mögliche Lockerungen ab dem 20. März: „Klar ist aber, dass die meisten Ungeimpften von heute bis dahin entweder geimpft, genesen oder leider verstorben sind, denn das Infektionsgeschehen mit schweren Verläufen betrifft vor allem Impfverweigerer.“

„Modelle zeigen, dass vor Mitte Dezember Welle Höhepunkt nicht erreicht“, mahnte Lauterbach am 28. November vergangenen Jahres, „bis dahin wären die Krankenhäuser massiv überlastet, viele Menschen tot.“ Fakt ist: Der Höhepunkt der vierten Welle war einen Tag später, am 29. November.

Bisweilen verlässt ihn sein Erinnerungsvermögen

Nur zehn Tage später warnte er: „Problem ist, dass Mitte Dezember die Intensivstationen voll sind, trotz Verlegung. Boosterimpfungen helfen dafür nicht, senken in 1 Monat Intensivfälle um weniger als 2%. Selbst die Impfung der Ungeimpften, dringend nötig, kommt dafür viel zu spät. Was bleibt also?“ Der Blick zurück zeigt: Die Intensivstationen waren weder Mitte Dezember noch danach voll.

Die „Bild“-Zeitung zitierte Lauterbach am 17. Februar auf ihrer Titelseite so: „Die Intensivstationen waren nie überlastet!“ Das wollte der SPD-Politiker indes so nicht auf sich sitzen lassen und wetterte in der „taz“: „Die Bild-Zeitung und der Springer-Verlag fahren Kampagnen gegen mich und verbreiten Unwahrheiten.“

„Omikron ist für Ungeimpfte lebensgefährlich“, glaubte er noch am 1. Januar 2022 posten zu müssen. Gute sechs Wochen später, am 16. Februar 2022, war er sich sicher: „Hab sehr früh gesagt, dass Omikron harmloser verläuft als die Delta-Welle.“

Am 10. Januar postulierte er in der TV-Sendung „Hart aber fair“ über Depressionen bei Kindern, „dass das nicht einfach dem Lockdown (…) in die Schuhe geschoben werden darf. (…) Das geben die Studien aus meiner Sicht nicht her.“ Der Expertenrat des Bundestags sieht das gänzlich anders: „Besonders schwerwiegend ist (…) die Krankheitslast (…) der Kinder und Jugendlichen, ausgelöst u. a. durch Lockdown-Maßnahmen.“

Am 21. Januar 2022 sagte er „mindestens 400.000 neue Covid-Fälle pro Tag“ voraus. Zum Vergleich: Am 4. Februar erreichte Deutschland den Spitzenwert – mit 248.838 Fällen.

«Die dreifache Impfung ist der sichere Weg in die Freiheit»

Am 16. Februar behauptete der Gesundheitsexperte bei „Maischberger“, er habe „sehr früh“ – und noch vor renommierten Wissenschaftlern – gesagt, dass Omikron milder verlaufe als Delta. „Ich erinnere mich an so was sehr genau.“ Tatsächlich hatte er am 18. Dezember geschrieben, dass es „unwahrscheinlich ist, dass Omikron deutlich milder verläuft“.

„Ich werde seltener in Talkshows sein, weil ich jetzt eine andere Arbeit leisten muss“, sagte Lauterbach dem „Spiegel“ vom 11. Dezember. Seither war er – trotz der Weihnachts- und Neujahrspause der Polit-Talks – je zweimal bei „Lanz“, „Maischberger“ und „Anne Will“ und je einmal bei „Hart aber Fair“ und „Maybrit Illner“.

Mit Blick auf die nahe Zukunft weiß der Gesundheitsminister bereits jetzt, dass ohne Impfpflicht „das Problem im Herbst in voller Stärke zurückkommen“ werde. „Die dreifache Impfung ist der sichere Weg, die Freiheit zurückzuerlangen.“

Markus Veit, Mitglied im Ausschuss Pharmazeutische Chemie der Deutschen Arzneibuch-Kommission, brachte Anfang Dezember vergangenen Jahres auf den Punkt, was viele besorgte Bundesbürger angesichts solcher Verirrungen bewegen dürfte:

„Mit Karl Lauterbachs Ernennung zum Gesundheitsminister ist meine letzte Hoffnung gestorben, dass es eine Chance gibt, einen Einfluss auf das zu nehmen, was diese Gesellschaft offensichtlich als ihre neuen ‚Werte‘ definiert. Ich blicke fassungslos auf ein Land, in dem Politiker und Medien (und leider auch Wissenschaftler) gezielt Menschen in Angst und Schrecken versetzen, anstatt ihrem Auftrag nachzukommen, sachgerecht Risiken und Chancen aufzuzeigen und Menschen zu beruhigen.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Juergen Nowak/Shutterstock
Text: dw

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