Entgleisung: Ralph Brinkhaus hetzt Geimpfte gegen Ungeimpfte Politische Klasse greift zum letzten Mittel: Bürger gegen Bürger

Von Alexander Wallasch

Sollte man Mitleid bekommen, wenn sich wieder ein Vertreter der politischen Klasse in den sozialen Medien einen Shitstorm einfängt, weil da wieder einer die nächste Dämlichkeit rausposaunt oder hingegrinst hat wie Armin Laschet im Schatten der Flutopfer?

Selbstverständlich nicht, denn es geht hier in den seltensten Fällen um nicht so gemeinte Ausrutscher, sondern viel mehr um klassische Momente fehlender Selbstkontrolle. Dann nämlich, wenn das wahre Ich, die authentische innere Haltung hinter dem Vorhang hervorlugt und den Bürgern für den kurzen Moment zeigt, was wirklich los ist.

Nun ist ein Grinsen im Nacken des sozialdemokratischen Bundespräsidenten das eine, aber was sich Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der Bundestagsfraktion der CDU/CSU im Gespräch mit der Fuldaer Zeitung geleistet hat, ist in seiner letztendlichen Konsequenz ein härteres Kaliber, eine Lautäußerung, welche die ganze Verachtung dieser politischen Klasse für den Bürger in ein grelles Scheinwerferlicht stellt: Brinkhaus hetzt die Bürger gegeneinander auf, er operiert sogar machtpolitisch mit diesem Graben, der die Gesellschaft spaltet. Der Christdemokrat sät Hass in der Horizontalen – um so den Hass von unten nach oben umzuleiten?

Aber was konkret sagte Brinkhaus? Die Fuldaer Zeitung (FZ) befragte den Politiker zur Impfkampagne der Bundesregierung:

FZ: „Die Impfkampagne stockt. Müssen wir uns damit abfinden, dass sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung nicht piksen lassen will?“

Und Brinkhaus antwortete:

„Es werden zwei Sachen passieren. Erstens werden die Geimpften allmählich sauer auf die Ungeimpften. Hier entsteht ein Gruppendruck. Zweitens gehe ich davon aus, dass viele Clubbesitzer, Hoteliers und Gaststättenbetreiber bald nur noch Geimpften und Genesenen Zutritt gewähren. Auch, weil ihre Gäste das von ihnen erwarten. Dann wird sich einiges schon von selbst regeln. Wer sich nicht impfen lässt, was ja sein gutes Recht ist, wird dann eben mit den Konsequenzen leben müssen.“

Die Zeitung fragt also in der Sprache des Kinderarztes nach dem lustigen Piks mit der Nadel und der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag erklärt fast jovial, der Gruppendruck wird es „von selbst regeln.“

Wie bitte? Wer nicht geimpft werden will, wird von der Gruppe schon diszipliniert werden?

Was für ein Menschenbild. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf? Diktatorische Regimes zu allen Zeiten haben damit gearbeitet, dass ein Teil der Bevölkerung dem anderen schon Beine machen wird, selbst dann noch, wenn alle im selben sinkenden Boot sitzen.

Dieses Verhalten ist den DDR-Nachgeborenen seiner Herkunft nach fremd. Aber die Älteren werden sich erinnern, wie das war, wenn auf diese Weise Druck aufgebaut wird, wenn eine Minderheit aus Angst und Sorge vor Ausgrenzung und existentieller Notlage dem Druck einer Mehrheit wohl oder übel nachgibt oder eben umerzogen wird mit anderen Mitteln.

Ralph Brinkhaus muss sich allerdings darüber im Klaren sein, dass, was er als führender CDU-Politiker äußert, wahrgenommen und kritisch betrachtet wird, insbesondere zu einem Thema, dass so brisant ist wie die Impfstrategie und die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung.

Wie ernst Ralph Brinkhaus seine Rolle nimmt, mag eine weitere Brinkhaus-Sequenz aus diesem Interview beleuchten – eine Betrachtung der Bundeskanzlerin, die das Fremdscham-Messgerät umstandslos weit aus dem roten Bereich katapultiert.

Wer solche Sätze wie die folgenden über diese Katastrophenkanzlerin sagt, der hat die Kontrolle über sich, sein Amt und über so etwas wie eine innere politische Hygiene verloren:

„In der Nachbetrachtung ihrer gesamten 16 Regierungsjahre wird sicherlich noch einmal deutlicher werden, was viele Deutsche schon jetzt zu würdigen wissen: Wow, wir hatten schon eine überragende Staatsfrau an der Spitze.“

Wow, was für eine moralische Kernschmelze ist das eigentlich, Bürger aufeinanderzuhetzen? Ein Akt, vergleichbar mit der Plakatierung der Partei, die „Nazis töten“ an Laternenmasten aufhängt und sich damit herausquatscht, dass Nazis ja andere töten und dass es sowieso Satire wäre.

Und Ralph Brinkhaus demonstriert in diesem Interview übrigens auch, wie ernst es ihm wirklich mit seiner überragenden Wow-Kanzlerin ist, wo diese noch Anfang 2021 befand: „Unsere Gesellschaft ist menschlicher geworden, Spaltungen und Polarisierung konnten verringert, vielleicht sogar überwunden werden, und Zusammenhalt ist neu gewachsen.“

So floskelhaft auch das ist, so ist es doch etwas ganz anderes, als was der ungelenke Ralph Brinkhaus da gegenüber der Fuldaer Zeitung gesagt hat, als er befürwortete, dass Geimpfte die Ungeimpften schon disziplinieren würden. An irgendeiner Stelle dieses misslungenen Interviews sagt Brinkhaus dann noch: „Alfred Dregger hätte hier gesagt: Es geht auch um die Freiheit.“ Was für eine Phrasendreschmaschine an der Spitze der Bundestagsfraktion der Regierungspartei.

Aber ist dieses Interview tatsächlich „misslungen“? Nein, es ist von besonderem Wert, denn es zeigt einmal mehr, was von der politischen Klasse tatsächlich zu halten ist: herzlich wenig.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster.“

Bild: photocosmos1/Shutterstock
Text: wal

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