Fast die Hälfte der Deutschen steht nicht hinter Lockdown-Verlängerung Exklusive Umfrage zeigt tiefe Spaltung in Sachen Corona-Politik

Fast die Hälfte der Deutschen ist nicht für eine Verlängerung des Lockdowns. Die Bundeskanzlerin und die Länderchefs können sich bei der geplanten Entscheidung, die Corona-Maßnahmen noch weit über das bisher vereinbarte Datum Ende Januar hinaus zu verlängern, nicht auf eine breite Mehrheit der Menschen stützen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die ich beim Meinungsforschungsinstitut INSA in Auftrag gegeben habe. Dabei war folgende These vorgegeben, und die mehr als 2000 via Telefon und online repräsentativ Befragten konnten ihr zustimmen oder sie verneinen: „Eine Verlängerung des Lockdowns um acht bis zehn Wochen, wie unter anderem von der Bundeskanzlerin vorgeschlagen, halte ich für richtig.“

Das Ergebnis: Nur eine sehr knappe Mehrheit von 53 Prozent der Deutschen unterstützt die Verlängerung. Fast genauso viele – 47 Prozent – sind dagegen, machen keine Angaben oder antworten mit „weiß nicht“.

 

Mit 32 Prozent spricht sich fast jeder dritte Befragte ganz klar gegen eine Verlängerung aus. Befragte mit Migrationshintergrund sprechen sich sogar noch deutlich häufiger gegen eine Verlängerung des Lockdowns um acht bis zehn Wochen aus, als dies Befragte ohne Migrationshintergrund tun (45 zu 55 Prozent):

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch je nach Alter: Jüngere Befragte sprechen sich deutlich häufiger gegen eine Verlängerung des Lockdowns um acht bis zehn Wochen aus, als dies Befragte ab 60 tun (46 bis 51 Prozent zu 64). In den Altersgruppen unter 49 Jahren gibt es keine Mehrheit für eine Verlängerung.

Aktuelle Wähler der Grünen und der Union (jeweils 74 zu 16 Prozent) sowie der SPD (69 zu 21 Prozent) sprechen sich mehrheitlich für eine Verlängerung des Lockdowns um acht bis zehn Wochen aus. Wähler der Linken tun dies zu 47 Prozent, nicht viel weniger sind dagegen. Wähler der FDP (58 zu 30 Prozent) und der AfD (62 zu 23 Prozent) sprechen sich mehrheitlich gegen eine solche Verlängerung des Lockdowns aus.

Insgesamt zeigt die Umfrage, dass sich die Bundesregierung bei ihren Schritten nicht auf einen breiten Konsens verlassen kann und Deutschland in der Frage der Lockdown-Verlängerung gespalten ist.


Einige von Ihnen werden sich jetzt fragen: Was ist mit dem Reitschuster los? Das ist doch absolutes Framing, wie er hier die Ergebnisse präsentiert. Genau das ist es, liebe Leserinnen und Leser. Und das war auch der Sinn der Sache. Ich will Ihnen drastisch vor Augen führen, wie man aus ein und derselben Umfrage zwei völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen und die Menschen in eine völlig andere Richtung steuern kann. Die Idee entstand, weil ich lange mit mir rang, was ich als Überschrift und Vorspann nehme. Deshalb habe ich hier zwei völlig gegensätzliche Beiträge zu ein und derselben Umfrage geschrieben. Lesen Sie hier das Gegenbeispiel.

Welche Variante ist richtig? Keine! Richtig liegt der, der beide Beiträge liest und sich dann sein Urteil bildet.

Gäbe es in unserer Presselandschaft diese Vielfalt, und würden wir unterschiedliche Interpretationen lesen, wie das etwa in der vielgescholtenen polnischen Medienlandschaft der Fall ist, wäre mit Demokratie und Pluralismus alles in Ordnung und ich hätte hier nicht dieses Experiment machen müssen. Wenn aber in den großen Medien fast nur eine Sichtweise und Interpretation existiert wie in Deutschland, ist solch ein drastisches Experiment bitter nötig, um die Möglichkeiten der Manipulation aufzuzeigen – und die Probleme mit allzu einfachen „Wahrheiten“, die uns so viele verkaufen wollen. Und die es nicht gibt. Meine Empfehlung: Verschicken Sie einen Link eines der beiden Beiträge an jemanden, dem wohl der jeweils andere Tenor besser gefallen würde. Und erfahren Sie dann, wer zu Ende liest – und wen dieses Experiment ins Grübeln bringt!


Diese Umfrage haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit Ihrer Unterstützung ermöglicht. Realisierbar ist dieses Gegenhalten gegen die Meinungs-Monokultur und das betreute Informieren in den großen Medien nur mit Ihrer Unterstützung! Helfen Sie mit, setzen Sie einen Akzent gegen das Framing: direkt hier via Paypal oder Überweisung (IBAN DE92 1001 1001 2629 8468 32, N26 Berlin). Verwendungszweck: Meinung ohne Framing.


Hier das Video zum Text:



Bild: Krakenimages.com/Shutterstock
Text: br


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Albrecht Storz
1 Monat zuvor

Ich möchte auch hier noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen:

Solche Umfragen sind nicht repräsentativ!

Es wird nur die Meinung des Personenkreises abgebildet, von Leuten die gewillt sind, an solchen Umfragen auch teilzunehmen.

Wie viele Nummer müssen da wohl abtelefoniert werden, bis 2.000 Antworten beisammen sind? 6.000, 10.000? Und was denken die restlichen 4-8 Tausend Personen? Das wird in der Umfrage nicht abgebildet.

Genau so, wie die Angabe eines Wahlergebnisses ohne die Angabe der Nicht-Wähler-Anzahl unvollständig ist, ist auch hier die Angabe der Prozentzahlen unvollständig, wenn nicht auch angegeben wird, wie viel Leute eine Teilnahme ablehnten.

Vielleicht kann Herr Reitschuster als Auftraggeber der Umfrage noch Details nachfragen und hier mitteilen?

Wie viele Telefonate wurden geführt um die 2.000 Antworten zu erhalten?

Beatrice Peter
1 Monat zuvor

Sehr gut!

Hat eigentlich schon mal jemand oder mehrere darüber geschrieben, daß Demokratie nicht Diktatur der Massen bedeutet? Sonst könnten selbst nach dieser Version der Ausdeutung ja viele auf der Fortführung des Lockdown bestehen, da scheinbar die Mehrheit dafür ist (je nach Repräsentativität der Studie).

ziemlich egal
1 Monat zuvor

ein interessantes Experiment!

aber:  was würde es bedeuten, wenn eine Umfrage  die Stimmung (ohne Framingsversuch) zutreffend wiedergäbe?
> es wäre wohl auch ein Hinweis, wie erfolgreich die mediale Manipulation durch Staatsfunk ff. war…

Kati
1 Monat zuvor

Headlines sind eine furchtbare Sache. Gerade heutzutage, wo keiner mehr die Inhalte liest. Man sieht eine Headline mit einer Aussage, darunter einen langen Text und geht davon aus, die Kernaussage der Headline wäre damit verifiziert.

Je nach Medium – vor allem aber bei Focus und Spiegel widerspricht die Headline jedoch dem Inhalt (oder relativiert diese zumindest stark) , wenn man denn Zeit hat, den Text darunter genau zu lesen. Und das wissen die „Journalisten“ ganz genau. Man kann ihnen nicht nachsagen, nicht über Fakten berichten zu haben, dennoch manipulieren Sie die Leser genau in die Richtung wie sie es wollen.

Ich wäre dafür, Headlines nur noch einem Thema sachlich zuzuordnen, ohne Meinung, ohne Schlüsse. Die soll der Leser selber ziehen. Wie bei Ihnen. Ich finde es großartig, was Sie machen.

Danke.

Norbert Höfs
1 Monat zuvor
ich-bin-genervt
1 Monat zuvor

Ich hoffe ja stark, dass die SPD herrn lauterbach als kanzlerkandidaten aufstellt. der gibt sich so mühe wirklich in jedes mikro seine nörgelende expertenmeinung abzugeben, dass man ihn wirklich dafür belohnen müsste. ich finde den mann richtig gut. man kann sogar sagen, dass man, solange man immer alles genau gegensätzlich zu lauterbachs meinung handelt, immer richtig liegt. lauterbach fordert, krankenhäuser dicht machen. heisst übersetzt – bloß nicht schließen. lauterbach fordert harten lockdown – also kein lockdown. wenn man die logik erstmal begriffen hat, dann ist der mann goldwert. ich bin fest davon überzeugt, dass es ihm gelingen würde, die spd aus ihrem umfragetief zu holen und endgültig unter die magische 5% hürde zu drücken.

Thomas Jäger
1 Monat zuvor

Gut gemacht. Man könnte zusätzlich auch noch an der Fragestellung drehen:

Allein die Art der Fragestellung bestimmt die Ergebnisse. Was wäre wohl bei folgender Fragestellung herausgekommen. Diese lässt erstens die Bundeskanzlerin (als Respektsperson) weg und zweitens betont das  „nicht richtig“ und suggieriert damit eine entsprechende Antwort:

„Eine Verlängerung des Lockdowns um acht bis zehn Wochen halte ich für „nicht richtig“„.

Wetten, dass dann die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr hinter der Lockdown-Verlängerung steht.

Dirk
1 Monat zuvor

Danke für das offensichtlich machen, derart manipulative Berichterstattung begegnet einem ja quasi ständig in den Mainstream Medien. Das ist in meinen Augen kein objektiver, neutraler Journalismus sondern reine Stimmungsmache zugunsten der eigenen Sichtweise.

Ich würde sogar soweit gehn, das hier ganz bewust und mit voller Absicht versucht wird den Leser zu manipulieren. Eigeninterpretationen einer Statistik müssten eindeutig als solche gekenzeichnet und vom Rest des Artikels getrennt als Kommentar erkennbar gemacht werden.

Mir ist das schleierhaft, warum das überhaupt geduldet wird. Aber ich bin kein Journalist, und weiss nicht welchen Regeln man dort unterliegt. Wie sich das mir darstellt, aber wohl traurigerweise garkeinen mehr. Da wird einfach frei nach Schnauze drauflosgeschrieben.

HeikoH.
1 Monat zuvor

Wenn man die Gruppe der über 65-jährigen mal ausklammern würde , wäre das Bild ein völlig anderes. Dann würde die arbeitende Bevölkerung sehr gut zeigen , was sie von den geplanten und verschärften Maßnahmen hält – nämlich überwiegend nix ! Rentner haben zunächst mal ein gesichertes Einkommen und konsumieren leider überproportional häufig die Staatsmedien . Leider , leider ….

 

tomtom
1 Monat zuvor

Ja, man sieht wie unterschiedlich sich etwas darstellen lässt. Es ändert aber nix an den Zahlen und man sieht, die Mehrheit ist für weitere Verschärfung oder findet es zumindets ganz doll, was die Regierung da so macht. Kein Wunder, wenn man den ganzen Tag im „öffentlich rechtlichen“ und in den Zeitungen nix anderes hört, sieht und liest. Andererseits ist es dann doch positiv zu bewerten, wenn sich trotz dieser total einseitigen Informationen so viele Menschen gegen die Maßnahmen der Regierung äussern. So gesehen gibt die (recht große) Minderheit Anlaß zu Hoffnung, denn es bräuchte ja nur objektive Informationsquellen, die dem Bürger leicht zugänglich sind. Die Verhältnisse würden sich dann sofort drehen. Die Übeltäter sitzen einerseits als Macht in den Reihen der Politikerverbrecher, andererseits in den Medienhäusern. Bleibt die Frage, wie man diesen Kräften ins Handwerk pfuschen kann. Und zwar schnell und nachhaltig.

Phantombürger
Antwort an  tomtom
1 Monat zuvor

53 % Zustimmung für irgendwas. Das sind doch Stimmenwerte, wie sie früher die CSU bei Ihren Landtagwahlen immer hatte !?

Jeder zweite Bürger. Das finde ich schon sehr heftich !!