Merkels Doktorhut hängt schief Halbseidene Privat-Universität verleiht der Kanzlerin die Ehrendoktorwürde

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Angela Merkel erhält die Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore. Es wird fälschlich behauptet, dass es sich dabei um eine Elite-Universität handelt. Viel eher ist es eine recht umstrittene Privat-Uni.

An dieser Stelle kann man auch einfach weitergehen und die nächsten Meldungen lesen. Man kann sich aber auch daran erinnern, was das Corona-Research-Center der JHU für die deutschen Politiker in den Hochzeiten der Pandemie getan hat. Die Zahlen des Zentrums, die übrigens von deutschen Zeitungen wie der Berliner Morgenpost, Zeit Online und dem Tagesspiegel an die Universität übermittelt wurden, waren immer früher da als die des RKI und sie lagen, so gut wie immer, höher!

Wie das entstanden ist, sollte rückblickend analysiert werden. Ob die Abweichungen tatsächlich durch unvollständige Meldungen an das RKI entstanden sind, wie es auch der involvierte Karlsruher Think-Tank Risklayer und das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) nachgewiesen haben will, oder ob die „Schätztechnik“, die angewendet und von den Medien übernommen wurde, die Ursache war, ist nicht geklärt.

Jedenfalls veröffentlichte und legitimierte die Uni während der gesamten Pandemie die höheren Zahlen der deutschen Mainstream-Medien.

Eines ist dabei sicher. Die Zahlen der amerikanischen Universität beruhten immer auf Schätzungen und die Zahlen des RKI auf Meldungen, was Spielraum für gewollte Tendenzen bei Medien und Politikern schuf. Denn, im Unterschied zum RKI, zeigten die „Inzidenzen“ bei der Johns-Hopkins-Universität meist nach oben.

Für die Bundesregierung waren die Zahlen der Universität also besser, weil sie früher Tendenzen anzeigten, die nach oben gingen, auch wenn sie sich nicht immer bewahrheiteten. Das half aber, die ersten Lockdowns in Deutschland zu rechtfertigen. Die Zahlen des RKI waren ehrlicher und kamen langsamer. Für politische Entscheider und die Medien, die ihr Geschäftsmodell auf Dramatisierung errichtet haben, war die JHU sehr hilfreich, wenn auch wissenschaftlich fragwürdig.

Noch ein paar Informationen zur Johns-Hopkins-Universität

Man kann auch fragen, was das für eine Universität ist, die in den Medien als Elite-Uni bezeichnet wird, weil sie drei Dutzend Nobelpreisträger bei sich listet, jedoch als durchaus teure Privat-Uni in den USA, zumindest bei den Studenten, umstritten ist. Die JHU initiiert zwar öffentlichkeitswirksame Forschungsprojekte, vernachlässigt aber nach allgemeiner Einschätzung der Studenten die Lehre. Auch ist wissenschaftliche Arbeit für nicht graduierte Studenten eben doch nicht so sehr an der Universität vertreten, weil viele Projekte außerhalb laufen. Bei den Studenten geht es mehr darum, dass sie die Uni mit ihren Gebühren finanziell tragen und sie legitimieren, während das Management ständig auf der Suche nach neuen medienwirksamen Projekten ist, und sei es auch nur, einer deutschen Kanzlerin die achzehnte Ehrendoktorwürde zu verleihen.

Ein politischer Narzissmus Merkels, den ihr Regierungssprecher Seibert kürzlich, unschuldig, in der Bundespressekonferenz verkündete. So signalisiert man Verbindlichkeit und einen kleinen Dank an die JHU für politikkompatible Pseudowissenschaft in der Pandemie.

Für uns in Deutschland war die JHU, die sich sonst eher mit Drohnen für das US-Militär und Forschungen über billige Medizin für arme US-Bürger hervortut, ein Treiber der Corona-Hysterie und der Lockdowns, der von den Medien und der Kanzlerin dankbar aufgenommen wurde. Auch wenn die Zahlen letztlich in Deutschland ermittelt und geschätzt wurden, hat diese amerikanische Universität dafür die Legitimation bereitgestellt. Ein einfacher deutscher Think-Tank, der die Meldungen in Wirklichkeit ermittelt hat, wäre da wohl nicht so glaubwürdig gewesen.

Zusammenfassend handelt es sich hier um eine geschickt gemanagte Privat-Uni, die sich auf dem Weg zur Elite-Universität befindet und dabei viel PR betreibt. Das wissenschaftliche Niveau ist häufig umstritten, die Lehre ist schlecht, die Preise sind teuer, aber das Marketing ist wirksam.

Herzlichen Glückwunsch, Frau Bundeskanzlerin, zu dieser Ehrendoktorwürde einer halbseidenen und recht hilfreichen Universität. Vielleicht kommt ja der nächste Ehrendoktor von der Central European University von George Soros. Der war ja vorher in der Flüchtlingskrise auch schon recht hilfreich und hat nun Aufnahme in Berlin gefunden, nachdem man ihn in Ungarn nicht mehr haben wollte. Dann kommt die Kanzlerin bald an den nächsten Doktorhut, den man auch im Regen aufsetzen kann. Ein Regenschirm wäre allerdings besser.

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Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“. Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

Bild: Sonias drawings/Andriy Blokhin/Shutterstock/Ekaterina Quehl
Text: Gast

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