Peinlich, ein Deutscher in Schweden zu sein Die deutsche Medienkampagne gegen den „schwedischen Weg“.

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Ich habe mir vor knapp zwanzig Jahren ein Ferienhaus in Schweden gekauft und bin seitdem unzählige Male dort gewesen. Ich könnte viel über die Schweden sagen, Positives und nicht so Positives, auch das schwedische Wetter könnte ich kritisieren, das ich als äußerst unzuverlässig erlebt habe, aber eines kann ich, nach den Jahren, überhaupt nicht sagen: dass die Schweden zur Unvernunft neigen.

Im Jahr gibt es von 365 Tagen genau einen Tag, an dem die Schweden unvernünftig sind. Zum Johannisfest, das auch als Mittsommerfest bezeichnet wird, sind fast alle Schweden, zumindest die männlichen, alkoholisiert bis besoffen. Vielleicht ist das der Preis für die große Vernunft dieser Landsleute, die dadurch oft etwas langweilig wirken.

In der Einschätzung Schwedens hat sich seit Beginn der Pandemie in Deutschland (aber nicht bei mir) einiges geändert. Fast scheint es so, als müssten sie nun erneut den Preis für ihre stoische Vernunft bezahlen, die sie dazu geführt hat, den europäischen Weg in der Pandemiebekämpfung, der von Lockdowns und Freiheitsbeschränkungen gekennzeichnet ist, nicht mitzugehen.

Die Schweden sind auch in der Pandemie liberal geblieben.

Der Preis ist, dass das Land seitdem in unseren Medien systematisch heruntergeschrieben wird. Wäre Schweden kein Land, sondern ein börsenorientiertes Unternehmen, wäre es jetzt pleite. Denn die Art, mit der bei uns über den „schwedischen Weg“ berichtet wurde und wird, folgt der altbekannten Methode, börsennotierte Unternehmen herunterzuschreiben, bis sie „übernahmereif“ sind.

Was ist damit gemeint?

Man schreibt einen börsennotierten Wert dadurch herunter oder nach oben, indem man die Tiefs oder Hochs des Wertes betont und zeitlich passend dazu an die Öffentlichkeit geht. Bei dem „schwedischen Wert“ konnte man darauf wetten, dass immer dann, wenn die Infektionszahlen im Rahmen einer neuen Welle nach oben gingen, der vermeintlich falsche und gefährliche „schwedische Weg“ in unseren Leitmedien thematisiert wurde. Wenn dagegen die schwedischen Zahlen deutlich besser aussahen, als die deutschen, blieb es im Äther still!

Eine Gegenüberstellung der Infektionskurven, einschließlich der Zahl der Todesfälle in Deutschland und Schweden, verdeutlicht dies. Der Verlauf zeigt im Prinzip synchron verlaufende Erkrankungswellen in Deutschland und Schweden, wobei die schwedischen Werte etwas langsamer ansteigen und abfallen als die deutsche Kurve, die auf Grund der Verwendung absoluter Zahlen natürlich höher ausfällt.

Darum geht es aber auch nicht, sondern um die Feststellung, dass die Schweden im Prinzip vergleichbare Krankheitswellen und relativ vergleichbare Zahlen in der Pandemie haben. Es soll nicht verschwiegen werden, dass der Verlauf im Vergleich zu den skandinavischen Nachbarn Finnland und Norwegen in Schweden deutlich dramatischer ausfällt, aber dennoch im europäischen Mittel liegt.
Während sich aber bei der Suche nach Artikeln, über Google, für die guten Monate Juni bis September 2020 kaum etwas über die Corona-Lage in Schweden findet, gibt es auf dem Höhepunkt der zweiten Welle von Oktober bis Dezember 2020 eine Vielzahl von vernichtenden Artikeln über den „schwedischen Weg“, die besonders aus unseren Leitmedien zu kommen schienen.

Im Februar 2021, als in beiden Ländern die Zahlen wieder abflauen, gibt es kaum noch einen Bericht über den „schwedischen Sonderweg“. Erst als im April in Deutschland eine, wesentlich dramatischere, dritte Infektionswelle über das Land schwappt als in Schweden, flammt die „schwedenkritische“ Berichterstattung in unseren Leitmedien wieder auf. Die Tagesschau berichtet beispielsweise am 05.05.2021 äußerst kritisch über das schwedische Modell und betont die 14.000 Opfer der Pandemie, die relativ gesehen (das sagt die Tagesschau nicht) im europäischen (aber nicht im skandinavischen) Mittel liegen und mit den deutschen Zahlen vergleichbar sind.

Ich habe bei dieser Betrachtung vor allem die Leitmedien beachtet und die Zahl der Artikel zu den unterschiedlichen Zeitpunkten grob geschätzt. Der Trend, dass in Deutschland immer dann und sehr kritisch über Schweden berichtet wurde, wenn bei unserer  die Zahlen hochgingen, lässt sich aber kaum übersehen.

Frage nach dem Warum

Die Frage ist nur, warum die deutschen Medien so feindlich über unser Nachbarland berichtet haben, dass man in einigen Artikeln den Eindruck bekam, in Schweden seien skrupellose Schwerstkriminelle an der Regierung.

 

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Die Frage ist sehr schwer zu beantworten. Ich vermute drei Gründe dafür, dass die „schwedische Vernunft“ bei uns derartig in Abrede gestellt wurde und wird.

Erstens sind wir aus Gründen einer politischen Entscheidung, wie Merkel bereits zugab, den größten EU-Ländern gefolgt.

Zweitens stiegen die Zahlen bei uns und in Schweden jeweils grob synchron an, was angesichts der Verschiedenartigkeit der deutschen und schwedischen Pandemiebekämpfung bei uns einen heftigen Abgrenzungswunsch in den Medien verursacht haben mag. Wir müssen Lockdowns machen, dafür sind die Schweden wenigstens die unmoralischen Akteure in der Pandemie.

Drittens wurde sehr häufig der Startschuss für das nächste „Schweden-Bashing“ in den öffentlich-rechtlichen Medien gegeben, die eine besondere Verantwortung für sich sehen, die Regierungsmeinung gegenüber der Bevölkerung zu vertreten.

Es handelt sich also um Gruppeneffekte mit einem Schuss staatlicher Propaganda gegen Schweden.

Unangenehm war mir diese Art des Herunterschreibens eines Landes durch die deutschen Medien natürlich ganz besonders. Als Deutscher fühle ich mich gegenüber den Schweden fast schon schuldig, weil ich aus einem Land komme, das mit der Mehrheit der Europäer über ein kleines Land mit ungeheurer Charakterfestigkeit herzieht und es schlecht und verächtlich macht.

Da die “Anti-Schweden-Medien“ im Mainstream vor allem die Minderheiten-Meinungen bei unserem nördlichen Nachbarn zur Corona-Politik betonen, möchte ich an dieser Stelle alle deutschsprachigen Schweden bitten, sich lieber an reitschuster.de und nicht an der Tagesschau zu orientieren. Im letzteren Falle könnte man, als Schwede, nämlich an dem fiesen Charakter der Mehrheits-Deutschen verzweifeln.

Und hier noch ein Corona-Kontrastprogramm zum Schmunzeln in diesen schweren Zeiten:

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Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt auch in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt

Hier finden Sie seine Fortsetzungsgeschichte „Angriff auf die Welt“ – der „wahre“ Bond.

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Text: Gast
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