Neue Kulturrevolution gegen deutsches Liedgut Angeblicher Sexismus und Rassismus

Von Kai Rebmann

Einmal mehr stehen zwei zeitlose Klassiker des deutschen Liedguts am Pranger des woken Zeitgeistes. Jetzt hat es innerhalb weniger Tage zunächst den Karneval-Hit „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“ von der Kölner Kult-Band De Höhner erwischt. Am Wochenende sorgte dann in der ARD eine „politisch korrekte“ Interpretation von Klaus Lages „1000 und eine Nacht“ für Irritationen. In der Abschiedsshow für Jürgen Drews sangen Moderator Florian Silbereisen und Beatrice Egli: „Erinnerst du dich, wir haben zusammen gespielt.“ Der Indianer, der hier eigentlich anstatt „zusammen“ stehen müsste, ist also gestrichen worden.

Kölner Hotel wirbt mit sprachlichem Brauchtum

Die Floskel „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“ gehört gerade während der fünften Jahreszeit zu Köln wie der Dom. Daher ist es wohl auch kein Zufall, dass ein direkt am Rhein gelegenes Hotel gerade jetzt diesen Spruch gut sichtbar an seiner Fassade angebracht hat. Doch die deutsche Sprache hält per se schon einige linguistische Fallstricke bereit, umso mehr gilt dies für Dialekte. Diese Tatsache ist jetzt auch einer Anwohnerin des Hotels zum Verhängnis geworden, die hinter dem Gemäuer des Gastronomiebetriebs irrtümlich ein Etablissement des horizontalen Gewerbes verortete. Die Frau, die sprachlich offenbar außerhalb der Domstadt sozialisiert wurde, wandte sich mit einem Beschwerdeschreiben an das Hotel und forderte die Entfernung des aus ihrer Sicht anzüglichen Spruchs.

Dirk Metzner hat für die Aufregung hingegen nur wenig Verständnis. Dem WDR sagte der Hotelchef: „Wir haben uns ein bisschen echauffiert über diese Mail, haben auch freundlich darauf geantwortet. Der Dame dann gesagt, sie kann jederzeit zu uns kommen. Wir bringen ihr gerne bei, wie wir in Köln feiern und wie die Worte zu verstehen sind.“ Der Gastronom sieht jedenfalls keinen Grund, an der Außengestaltung seines Hotels etwas zu ändern, und wird den Spruch deshalb auch nicht entfernen. Und auch bei De Höhner gibt es offenbar keine Überlegungen, den eigenen Kult-Song zu zensieren oder ihn sogar ganz auf dem Index verschwinden zu lassen. Bandchef Patrick Lück empfiehlt der Frau: „Vielleicht sollte sie sich mal ein wenig mit der kölschen Sprache beschäftigen. Das ist halt ein Dialekt.“ Der Nachbarin wird also künftig nichts anderes übrigbleiben, als die Vorhänge in ihrem Wohnzimmer noch etwas weiter zuzuziehen.

Indianer-Zensur sorgt für Empörung

Mit ihrer als große Verabschiedung von Jürgen Drews angekündigten Schlagershow verärgerte die ARD die Zwangsgebührenzahler vor den Fernsehgeräten gleich in mehrfacher Hinsicht. Die Sendung wurde – anders als von Moderator Florian Silbereisen immer wieder suggeriert – nicht live ausgestrahlt, sondern schon vor Wochen aufgezeichnet, und um den Kult-König von Mallorca ging es allenfalls im Kleingedruckten der Programmbeschreibung. Und als die auftretenden Sänger dann nur die Lippen zu aus der Konserve gespielten Liedern bewegten, fühlte sich manch einer an die Mini-Playback-Show erinnert, die in den 1990er-Jahren allerdings auf einem anderen Sender lief.

Als wäre das alles für einen Sender des weltweit größten ÖRR-Universums nicht schon peinlich genug, stimmten nicht einmal die Liedtexte. Zumindest nicht im Fall von Klaus Lages „1000 und eine Nacht“. Bereits bei einer früheren ARD-Schlagershow im August 2022 hatten Florian Silbereisen und Beatrice Egli die von ihnen (oder der ARD) angepasste Liedzeile zum Besten gegeben.

Ob es sich dabei um vorauseilenden Gehorsam gegenüber der woken Sprachpolizei handelt oder eine selbstgewählte Erziehungsmaßnahme für die Zwangsgebührenzahler: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass selbst absolute Kult-Hits des deutschen Liedguts – oder sonstigen sprachlichen Brauchtums – immer wieder von Bessermenschen angeprangert werden, die nicht selten deutlich jünger sind als die von ihnen zur Zensur ausgeschriebenen Texte und Wörter. So erschien „Blootwoosch, Kölsch un e lecker Mädche“ erstmals im Jahr 1979 und „1000 und eine Nacht“ wird seit 1984 gespielt, ohne dass sich davon jemals jemand gestört gefühlt hätte – bis jetzt!

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Amrei-Marie, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

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