Pflegenotstand führt Impfpflicht ad absurdum Geimpfte mit positivem Test dürfen arbeiten, negativ getestete Ungeimpfte sind verpönt

Von Daniel Weinmann

Die Krankenhäuser in Schleswig-Holstein haben stärker denn je mit Personalmangel zu kämpfen, das Klinikum Bamberg kann derzeit nur noch Notoperationen durchführen – und das Bayerische Rote Kreuz beklagt „die schwersten Zeiten seit vielen Jahren“. „In vielen Krankenhäusern müssen planbare Operationen verschoben und zeitweise ganze Bereiche abgemeldet werden“, brachte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, die Lage gegenüber den Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ auf den Punkt.

Der Grund für die Malaise: Der hohe Krankenstand des Personals durch positive Corona-Tests, die vielfach gleich zu Infektionen hochstilisiert werden.

Die Corona-Politik frisst ihre Kinder. Nun wird von der Wirklichkeit eingeholt, wovor kritische Medien wie reitschuster.de seit langem mahnen. Was lange als Verschwörungstheorie gebrandmarkt wurde, ist spätestens jetzt Tatsache geworden: Anlassloses Testen bei Menschen ohne Symptome widerspricht nicht nur jeglicher medizinischer Evidenz, sondern bringt zudem die medizinische Versorgung an den Rand des Zusammenbruchs.

Maßnahme-Verfechtern wird der Boden entzogen

Die Lösung aus diesem Dilemma offenbart die hoffnungslose Überforderung der deutschen Corona-Politik: Positiv Getestete mit vollständiger Impfung dürfen seit diesem Montag in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bereits ab dem sechsten Tag wieder arbeiten, Ungeimpfte mit negativem Testergebnis aber gar nicht – frei nach dem Motto: Hauptsache geimpft, auch wenn positiv Getestete potenziell Patienten und Kollegen anstecken können.

Die einrichtungsbezogene Impfpflicht wird damit ad absurdum geführt: Genau jene Institution, die hierzulande mit einer Impfpflicht belegt wurde, fällt aus, weil es zu viele Ansteckungen mit einer Krankheit gibt, gegen die sich die Angestellten impfen mussten. Mehr an Evidenz braucht es nicht, um sofort das Impfen abzustellen.

Ebenso wird dem seit Beginn der Coronakrise von den Maßnahme-Verfechtern wie eine Monstranz vor sich hergetragenen Mantra der besonders zu schützenden Gruppen der Boden entzogen.

Ein Schelm, wer angesichts der selbstverschuldeten Misere der Politik Böses dabei denkt, dass einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ zufolge nur drei Bundesländer insgesamt 70 Betreuungsverbote gegen insgesamt 190.000 ungeimpfte Pflegende ausgesprochen haben – obwohl für diese seit Mitte März eine Impfpflicht gilt. Vier Bundesländer verzichten komplett auf Sanktionen. Auch vom Verhängen von Bußgeldern machten die Länder bislang wenig oder gar nicht Gebrauch.

»Wir müssen zurück zur Normalität. Wer krank ist, bleibt zu Hause«

„Wir quarantänisieren uns zu Tode“ schrieb der Internist Matthias Schrappe bereits im Januar in einem Positionspapier. Der Gesundheitsökonom fordert den Verzicht auf Isolation und Quarantäne und will „gesunde SARS2-positive Personen“ in den Gesundheitseinrichtungen arbeiten lassen.

„In Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Pflege wird es unumgänglich sein, über die Neuordnung von Isolation, Quarantäne und den Einsatz von (potentiell) asymptomatisch Infizierten nachzudenken“, mahnte Schrappe am 27. März in einer Adhoc-Stellungnahme mit seinen Mitstreitern René Gottschalk, Klaus Püschel und der Ärztin Andrea Knipp-Selke.

„Wir müssen zurück zur Normalität. Wer krank ist, bleibt zu Hause. Wer sich gesund fühlt, geht zur Arbeit“, spricht sich auch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen für eine Aufhebung aller Corona-Isolations- und Quarantänepflichten aus. „So halten wir es mit anderen Infektionskrankheiten wie der Grippe auch“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

»Die Isolierungsdauer von Patienten mit Covid-19 sollte nicht mehr von staatlicher Seite fixiert sein«

Gassen konzediert, dass die Infektionszahlen seit Monaten sehr hoch seien und es wegen weniger Tests vermutlich zusätzlich Hunderttausende nicht erkannter Ansteckungen pro Tag gebe. Die Verläufe seien aber fast immer mild. „Das Problem sind also nicht die vielen Infektionen, sondern, dass positiv Getestete auch ohne Symptome mehrere Tage zu Hause bleiben, in Isolation geschickt werden. Dadurch entstehen die Personalengpässe in den Kliniken und anderswo.“

Ähnlich sieht es der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann. „Dies ist ein lösungsorientierter Ansatz, um einen klügeren und individuellen Umgang mit Corona-Infektionen zu ermöglichen“, teilte er am Samstag mit. „Die Isolierungsdauer von Patienten mit Covid-19 sollte nicht mehr von staatlicher Seite fixiert sein. So können wir zu einer gewissen Normalität und Unaufgeregtheit zurückkehren.“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bleibt derweil seiner Linie treu und lehnt Forderungen nach einem Ende der Isolationspflicht für Corona-Infizierte konsequent ab. „Infizierte müssen zu Hause bleiben“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter. „Sonst steigen nicht nur die Fallzahlen noch mehr, sondern der Arbeitsplatz selbst wird zum Sicherheitsrisiko.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Daniel Weinmann arbeitete viele Jahre als Redakteur bei einem der bekanntesten deutschen Medien. Er schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: dw

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