RKI-Gesprächskarten als Diskussionshilfe zur Impfung “Nutzen Sie das Fakten-Sandwich”

Von Mario Martin

Kennen Sie das Problem? Sie sprechen mit Ihren Angehörigen und Freunden und wollen diese überzeugen, sich endlich impfen zu lassen, da Sie sich von den nicht-geimpften Mitmenschen bedroht fühlen?

Aber die Gesprächspartner wollen sich partout nicht impfen lassen und argumentieren dagegen. Leichte Wut regt sich in Ihnen und sie fragen sich, wie das Gegenüber nur so unsolidarisch sein kann. Und dann gehen Ihnen auch noch die Argumente aus.

Forscher entwickeln Gesprächskarten

Das wird Ihnen das letzte Mal passiert sein, denn es gibt Abhilfe. Auf der Website des RKI ist zu lesen: “Forschende der Universität Erfurt, der Uni Bristol und des Robert Koch-Instituts haben Gesprächskarten entwickelt, die helfen sollen, übers Impfen zu sprechen: mit Familienmitgliedern, mit Freundinnen und Freunden, mit Bekannten, mit Kolleginnen und Kollegen. Denn mit einem respektvollen Gespräch kann man viel erreichen wie gegenseitiges Verständnis, neue Perspektiven, Denkanstöße und Vertrauen.”

Bevor Sie sich die Karten ausdrucken und sie beim nächsten Gespräch mit einem Impfskeptiker nutzen, werfen wir hier einen Blick auf die Karten, damit Sie sich optimal vorbereiten können.

Gestörte Kommunikation

Zuerst bringen Sie in Erfahrung, wie der Gesprächspartner zur Impfung eingestellt ist. Um eine Unterhaltung über die Impfung zu führen, müssen Sie erstmal ins Gespräch kommen und Vertrauen beim Gegenüber aufbauen.

“Was denkst du über Impfungen?”, fragen Sie. Alternativ können Sie auch gleich nach der Anzahl der erhaltenen Impfungen fragen und daraus den Standpunkt ableiten.

Nehmen Sie die Maske nicht ab, damit ihr Gegenüber Sie nicht richtig versteht.

Verständnis vortäuschen

Jetzt kommt das Dosentelefon ins Spiel, um die Kommunikation noch weiter zu erschweren.

Vergessen Sie bloß nicht, Verständnis für den Gesprächspartner verbal vorzutäuschen zu äußern. Vorbehalte behalten Sie erstmal für sich, obwohl Sie dem wissenschaftsleugnenden Impfverweigerer insgeheim schon gern jetzt die wüstesten Sachen an den Kopf werfen würden.

Behandeln Sie den Gesprächspartner wie ein Kleinkind, in dem Sie gönnerhafte Äußerungen machen, wie: “Ich finde es gut, dass du dich schon viel informiert hast.”

Immer diplomatisch bleiben

Sie halten das Gegenüber für einen egoistischen Solidaritätsverweigerer, aber das sagen Sie natürlich nicht so offen. Das wäre zu ehrlich. Um die Gefühle des Gegenübers nicht zu verletzten, knallen Sie ihm die eigene Meinung nicht vor den Latz, sondern versuchen es passiv-aggressiv, indem Sie, nachdem Sie Verständnis geheuchelt haben, fragen, ob Sie nun Ihre Meinung äußern dürfen.

Werden Sie zum Impflotsen

Geduld ist eine Tugend. Daher sollten Sie niemals aufgeben, auch den hartnäckigsten Impfgegner am Ende mit klaren Argumenten doch noch von der Impfung überzeugen zu wollen.

Ein bisschen gekünstelte Freundlichkeit kann Wunder bewirken. Sagen Sie dem Gesprächspartner einfach: “Ich würde mich freuen, wenn du nochmal über eine Impfung nachdenkst.” Nach der freundlichen Ansprache überlegt er es sich wahrscheinlich nochmal und ist glücklich über den gutgemeinten Ratschlag. Rufen Sie die Impflotsen, damit der Gesprächspartner sofort geimpft wird, bevor er es sich anders überlegt.

Vertraue der Wissenschaft

Hat sich das Gegenüber bis hierher noch immer nicht überzeugen lassen, kommen jetzt die harten Fakten auf den Tisch. Lassen Sie das Gegenüber spüren, wie viel Angst die Medien und die Politik Ihnen in den letzten zwei Jahren eingejagt haben, vor einer Erkrankung, die eine Sterberate von durchschnittlich ~0,15 Prozent hat und die eigentlich nur für Übergewichtige, sehr alte und vorerkrankte Personen eine ernsthafte Gefahr darstellt, für jüngere Menschen aber ungefährlich ist.

Transportieren Sie Ihre Ängste an den Impfverweigerer vor Ihnen und dann sagen Sie dreimal folgenden Satz: “Die Impfung schützt vor schweren Verläufen.”

Verschweigen Sie aber anderslautende Hinweise oder Zahlen, die darauf hindeuten, dass der Impfstatus für die Schwere des Verlaufs kaum einen Unterschied macht.

Die Impfung schützt Dich und andere

Jetzt ist es Zeit für das nächste Narrativ: Die Impfung schützt Dich und andere. Ein Appell an die Solidarität mit der Gesellschaft ist an dieser Stelle Pflicht.

Zwar gibt es Studien, die eine negative Wirksamkeit der Impfung ab der Omikron-Variante schon nach wenigen Wochen belegen, aber lernen Sie von den Profis und machen es, sollte eine unbequeme Nachfrage zu einzelnen Studien kommen, wie die Regierungssprecher in der Bundespressekonferenz: Weisen Sie den Gesprächspartner darauf hin, dass Sie einzelne Studien an dieser Stelle nicht kommentieren.

Wenn der Gesprächspartner versucht, darauf hinzuweisen, dass die Impfung keinen Unterschied für die vorhandene Viruslast bei einer Erkrankung habe und die Personen damit in gleicher Weise ansteckend sind, wiederholen Sie den Satz: “Die Impfung schützt Dich und andere.”

Betone die wissenschaftliche Einigkeit

Jetzt kommt das Argument, das Sie schon gut aus zahlreichen Diskussionen zum menschengemachten Klimawandel kennen, um kritische Nachfragen abzubügeln. Sagen Sie, die Wissenschaft ist sich einig. Erklären Sie, dass Wissenschaft immer demokratisch funktioniert und Wissenschaftler mit anderer Meinung daher zwangsläufig Verschwörungstheoretiker sind. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Feind der Wissenschaft. #trustthescience

Die Impfung ist zwar noch in der experimentellen Phase 3, aber das sollte Sie nicht stören. Argumentieren Sie, die Nebenwirkungen und Inhaltsstoffe der Impfung seien bereits bestens bekannt.

Die Allianz mit dem Hausarzt

Schicken Sie den renitenten Impfgegner zum Hausarzt, denn der Hausarzt ist immer auch ein Fachmann für Impfungen und weiß, was er macht. Pro Impfung erhält der Arzt gerade einmal lächerliche 28 bis 36 Euro.

Falschinformationen austreiben

Nun geht es an das Entkräften der Ihnen entgegengehaltenen Falschinformationen. Da Sie sich oft bei den großen Faktenchecker-Portalen informieren, wissen Sie schon, wie der Hase läuft. Sie kennen die perfiden Techniken der Impfleugner.

Schützen Sie durch diese Techniken Dritte, die während des Gesprächs anwesend sind, damit sich der Fake-News-Virus nicht noch weiter ausbreiten kann.

Das Fakten-Sandwich

Zu guter Letzt, nutzen Sie das Fakten-Sandwich: Fakt – Benennung – Aufklärung – Fakt wiederholen. Guten Appetit! Aber passen Sie auf, dass Ihrem Gegenüber das Fakten-Sandwich nicht zu schwer im Magen liegt. Nicht, dass noch ein Unglück passiert!

WDR: Ohne Fakten-Sandwich geht's auch

Einen noch besseren Tipp zum Umgang mit Impfleugnern bietet der WDR an. Um nicht in Schwierigkeiten zu geraten, vermeiden Sie es doch einfach gänzlich, über Fakten zu diskutieren. Damit sparen Sie sich das Fakten-Sandwich und die ganze Diskussion.

 

Und passen Sie auf, dass ihr Gegenüber keine Lachkrämpfe erleidet, wenn Sie mit ihren RKI-Gesprächskarten vor ihm sitzen und die angeratenen “Kniffe” in einem echten Gespräch zur Anwendung bringen. Es könnte gefährlich werden.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Mario Martin ist Ökonom und arbeitet als Software-Projektmanager in Berlin.

Bild: Shutterstock
Text: mm

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