Wenn Ärzte politische Wahrheiten verkünden "Nackte Stellungnahmen" in Sachen Masken

Ein Gastbeitrag von Sönke Paulsen

Seit Wochen suchte ich nach Studien, die die Wirksamkeit von Alltagsmasken belegen und fand nur aufgebauschte Medienberichte.

Hätte sich der Ärztepräsident Reinhardt in der Talkshow von Markus Lanz nicht verplappert, hätte ich das Thema wohl aufgegeben. Denn es gibt weltweit nur wenige valide Studien zur Wirksamkeit des Mund-Nasenschutzes im „non-health-care“ Bereich. Davon abgesehen gibt es sehr wohl Studien zur Wirksamkeit von FFP2 Masken, die in Kliniken unter Infektionsbedingungen getragen werden, aber wir reden ja von „Alltagsmasken“ dem sogenannten „Mund-Nasenschutz“.

Mit diesem Thema beschäftigte sich eine viel erwähnte, aber wenig zitierte Metaanalyse, die im Juni im Lancet veröffentlich wurde und für jeden abrufbar ist. Gleich zu Beginn der Berichtes erwähnen die Autoren der verdienstvollen Analyse folgendes:

“Our search identified 172 observational studies across 16 countries and six continents, with no randomised controlled trials and 44 relevant comparative studies in health-care and non-health-care settings (n=25 697 patients).” Auf deutsch: Unsere Suche ergab 172 Beobachtungsstudien in 16 Ländern und sechs Kontinenten ohne randomisierte kontrollierte Studien und 44 relevante Vergleichsstudien im Gesundheitswesen und außerhalb des Gesundheitswesens (n = 25.697 Patienten).

Es gab also keine einzige randomisierte, kontrollierte Studie, die den Kriterien für hinreichende wissenschaftliche Evidenz entsprechen würde, zu diesem Thema. Ich kenne keine einzige medizinische Fachgesellschaft, die Empfehlungen in ihre Leitlinien aufnehmen würde, die nicht mindestens durch eine kontrollierte randomisierte Studie mit ausreichender Patientenzahl gestützt sind.

Die Autoren, die fleißig, weltweit in allen gängigen Datenbanken recherchiert haben, schreiben bereits in der ersten Interpretation der Studienergebnisse.

„Robust randomised trials are needed to better inform the evidence for these interventions, but this systematic appraisal of currently best available evidence might inform interim guidance.” Auf deutsch: „Robuste randomisierte Studien sind erforderlich, um die Evidenz dieser Maßnahmen besser zu belegen, aber diese systematische Bewertung der derzeit besten verfügbaren Evidenz könnte die vorläufige Unterweisung bestätigen.“

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Es handelt sich, wenn man die Kriterien von medizinischen Leitlinien heranziehen möchte, um eine sehr, sehr schwache Empfehlung. („might inform interim guidance“) Sie ist ehrlich und erwähnt sehr deutlich, dass für eine echte Evidenzgrundlage zum Schutz durch „Mund-Nasen-Schutz“ natürlich kontrollierte Studien erforderlich sind („robust randomised trials“).

Daraus wurde im Juni ein Vorwurf an die WHO und das RKI konstruiert, dass beide Institutionen durch ihre zurückhaltenden Empfehlungen für Alltagsmasken Todesopfer zu verantworten hätten. Das gibt diese Metaanalyse wirklich nicht her.

Bedenklich ist auch, dass nach den nachvollziehbaren Äußerungen des Ärztepräsidenten Reinhardt in besagter Talkshow, über die hier schon berichtet wurde, ein Sturm gegen diesen losbrach, der durch die tatsächlichen Evidenzen überhaupt nicht gerechtfertigt ist.

So sind auch alle öffentlichen Stellungnahmen aus überwiegend politischen Ärzteorganisationen vollkommen nackt, wenn es um Quellenangaben für ihre eindeutigen Evidenzen zum Nutzen von Alltagsmasken geht. Es scheint ihnen zu reichen, gemeinsame und scharf gehaltene Erklärungen abzugeben.

Durch die Masse und institutionelle Stellung der Unterzeichner wird dabei die schwache Evidenz, die behauptet wird, scheinbar ausgeglichen. Dafür wurde auch der Ärztepräsident mit politischen Rücktrittsforderungen und Drohungen geglättet.

Aus meiner Sicht ist es aber unredlich, wenn Mediziner aus schwachen Evidenzen starke Empfehlungen machen, wenn sie also das Feld der Wissenschaft verlassen und stattdessen politische Wahrheiten verkünden.

Das ist hier leider in den letzten Tagen geschehen.

Die sogenannte kritische Öffentlichkeit (gemeint ist Markus Lanz und diejenigen, die sich an der Empörungswelle gegen Reinhardt beteiligt haben) hat der tatsächlichen Öffentlichkeit keinen Gefallen getan. Wer die Sendung gesehen hat, weiß auch, dass Markus Lanz das chinesische Beispiel der Pandemiebekämpfung quasi als Vorbild darstellt hat, dem wir nacheifern müssen.

In China aber wurden Zahlen manipuliert, Wohnungen vergittert, Menschen auf der Straße angebunden und zur Schau gestellt, wenn sie keine Masken trugen.

Das ist die andere Seite, auf die der Ärztepräsident hinaus wollte, die gesellschaftliche Seite, die derzeit nicht diskutiert werden darf.

China ist kein Vorbild für uns. Wer das behauptet, hat ein problematisches Verhältnis zu Menschenrechten und Demokratie!


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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.


Sönke Paulsen ist freier Blogger und Publizist. Er schreibt in seiner eigenen Zeitschrift „Heralt“


Bild: photocosmos1/Shutterstock
Text: Gast

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