Ramelows „Candy Crash“: Wie er den Zynismus der rotgrünen Blase entlarvt Massive Verteidigung für den "Linken"-Ministerpräsidenten

Sagt Ihnen der Begriff „Whataboutismus“ etwas? Wenn nicht, sollten Sie ihn sich merken: Er geht auf den „Kalten Krieg“ zurück. Und in den USA bezeichnete man so die Taktik der Kommunisten, auf jeden Vorwurf mit einem Gegenvorwurf zu reagieren. Ich erkläre ihn am besten mit einem alten russischen Witz, der ihn wunderbar auf den Punkt bringt. Unter Leonid Breschnew besucht eine Delegation aus den USA Moskau. Zur Stadtrundfahrt gehört ein Besuch in der prächtigen Metro. Der Reiseführer prahlt: „Bei uns fährt die U-Bahn besser als in Amerika, jede Minute ein Zug“. Einer der US-Senatoren schaut auf die Uhr und sagt dann augenzwinkernd zu einem Kollegen: „Na, das stimmt aber nicht, wir sind seit zwei Minuten hier“. Der sowjetische Delegationsleiter hört das, läuft rot an und schreit erregt: „Und was habt Ihr mit den Indianern gemacht?“

Genau daran erinnern die Reaktionen in der linksgrünen Blase auf die Forderung von CSU-Generalsekretär Markus Blume nach einem Rücktritt von Bodo Ramelow. Der Mann aus der Partei, der schon mal öffentlich Nostalgie für Stalin andeutete, sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil er in dem neuen Chat-Portal „Clubhouse“ die Bundeskanzlerin als „Merkelchen“ verspottete und auf seinem Smartphone „Candy Crush“ spielte. Ersteres ist rein menschlich unschön – denn schließlich war es keine andere als die Regierungschefin, die Ramelow im Februar 2020 per „Ordre de Mufti“ bzw. „Ordre de Mutti“ gegen alle demokratischen Traditionen ins Amt gehievt hat. Indem sie die Wahl seines Konkurrenten als „unverzeihlich“ bezeichnete und eine Korrektur forderte. Dankbarkeit scheint nicht die Sache des Linken-Politikers zu sein.

Was aber weitaus schwerer wiegt: Wenn 83 Millionen Menschen massiv in ihren Grundrechten beschnitten, die Wirtschaft an die Wand gefahren, Millionen Kinder in Schwierigkeiten gebracht werden, erwarte ich als Staatsbürger, dass alle Verantwortlichen bei den Verhandlungen über solche Einschnitte voll bei der Sache sind. Umso mehr jemand, der für besondere Härte plädiert wie Ramelow. Dass so jemand als Verantwortlicher nebenher „Candy Crush“ spielt, ist eine Ohrfeige für 83 Millionen Menschen, wie sie schlimmer nicht sein könnte. Insofern ist die Rücktrittsforderung durchaus nachvollziehbar. Zumal Ramelow, der nach Angeben von Betroffenen in den sozialen Netzwerken zuweilen kritische Kommentare über sich löscht,  in geschickter Weise die für April geplanten Wahlen in Thüringen verschoben hat, so dass die Wähler nicht die Möglichkeit haben, ihn für dieses unmögliche Verhalten zeitnah abzustrafen.

Und was geschieht nun in der linksgrünen politisch-medialen Blase? Nicht etwa Ramelows Verhalten wird angeprangert – sondern die Kritik daran! Und die Rücktrittsforderung. Wichtigstes Argument dabei auf Twitter: Verkehrsminister Andreas Scheuer. So groß ist die Empörung über die Kritik an Ramelow, dass „Rücktritt“ Trend Nummer eins ist in dem sozialen Medium, also dieses Thema besonders oft behandelt wird.

Solche Reaktionen sind nicht nur der Beleg für eine moralische Verwahrlosung von vielen derjenigen, die sich ständig selbst die „Guten“ nennen (was eigentlich jeden kritischen Menschen schon stutzig machen sollte, denn wer wirklich bei den „Guten“ ist, würde sich damit nie brüsten, das schließt sich aus). Es ist auch – mit Verlaub – ein Beleg für eine deutliche Infantilisierung, ja Verblödung. So als wenn ein Kindergartenkind, das gerade seinen Nachbarn blutig geschlagen hat, damit kommt, dass der seinen Spinat nicht aufgegessen habe.

Die Reaktionen zeigen auch, wie weit man sich in der linksgrünen politisch-medialen Blase von den Menschen entfernt hat und wie sehr es an Empathie mangelt. Offenbar kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie Ramelows Spielerei während des Corona-Gipfels und das Prahlen damit vor Zuhörern wirken auf Menschen, die um ihre Arbeit und/oder ihre Existenz bangen, die ihre Kinder zu Hause leiden sehen ohne Schule, die selbst psychische Probleme haben aufgrund des Lockdowns.

So erschreckend der Zynismus und die Verachtung gegenüber den Menschen ist, die aus Ramelows Verhalten sprechen – noch viel erschreckender ist, dass diese in der Blase offenbar gar nicht mehr als Affront erkannt werden und dieser Zynismus offenbar Allgemeingut ist. Das erklärt vielleicht auch den völligen Kadaver-Gehorsam gegenüber der haltlosen Lockdown-Politik und das Unverständnis und fehlende Mitgefühl für all die Millionen, die darunter leiden.

Man muss Ramelow fast schon dankbar sein, dass er all das ans Tageslicht gebracht hat.

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Bild: photocosmos1/Shutterstock
Text: br

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