Wieder „Partyszene“ und wieder Vertuschen Ort neu: München. Framing alt: wie immer

In der offiziellen Polizeimeldung steht Klartext. Die meisten Zeitungsleser in Deutschland erfahren dagegen nur einen Teil der Realität. Laut Polizeipräsidium München kam es am Freitag Abend am Karlsplatz wiederholt zu „Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Personengruppen“, so dass die Polizei den Platz vorübergehend räumen musste. Den offiziellen Angaben zufolge beteiligten sich 20 Personen, zwei Gruppen aus jeweils zehn Mann. 80 Polizeibeamte waren im Einsatz. Festgenommen wurden vier Afghanen im Alter zwischen 21 und 35 Jahren.

Die Information aus dem letzten Satz fehlt bei zahlreichen Medien, wie eine Schnell-Analyse von reitschuster.de aufzeigt. Nicht nur der Migrationshintergrund wurde bei vielen verschwiegen. Auch die Meldung selbst läuft nur unter „ferner liefen“ und bleibt somit den schnellen Lesern verborgen. Und die sind heute womöglich in der Mehrheit.

Einige Medien berichten abweichend von der Polizei von bis 150 Beteiligten – insofern liegt der Verdacht auf der Hand, dass die Behörde nur teilweise Klartext spricht. Diese viel höhere Zahl als die offizielle wird allerdings in vielen Medien, die sie bringen, erst weiter unten im Artikel genannt. Die Abweichung von den Polizei-Angaben wird auch nicht thematisiert, wie das Pflicht wäre. Bei fast allen Medien sind die Berichte entweder weit unten auf der Startseite zu finden (etwa Focus Online) oder in den Rubriken „Regionales“ oder „Aus aller Welt“ (etwa in der Welt). Nur beim Polizeipräsidium sowie bei wenigen regionalen Zeitungen gibt es Angaben über den Migrationshintergrund. In den meisten Blättern wird dieser verschwiegen.

Vorbildlich und fast wie aus dem Schulbuch berichtet das kleine regionale Portal „rosenheim24.de“ in seinem Artikel „Schlägerei zwischen Gruppen eskaliert komplett – Polizei muss Stachus räumen“. Dort heißt es, dass es „wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Personengruppen auf dem Karlsplatz“ kam: „Etwa 80 Polizisten drängten zwischen 20 und 21.30 Uhr die 100 bis etwa 150 Personen durch Drücken und Schieben vom Platz.“ Weiter heißt es: „Nach dem Eintreffen der hinzugezogenen Streifen entfernten sich diese Gruppen zunächst und kehrten im Verlauf wieder zurück. Aufgrund dessen wurden weitere Einheiten zum Karlsplatz hinzugezogen. Diese stellten dann gegen 19.45 Uhr eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen von bis zu zehn Personen fest.“

„Dabei musste zur Trennung der Gruppen der Einsatzstock verwendet werden. Einer der vier Tatverdächtigen aus den beiden Gruppen wurde dabei verletzt und musste im Anschluss in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden. Bei den vier Tatverdächtigen handelt es sich um einen 35-jährigen, einen 36-jährigen, einen 24-jährigen und einen 21-jährigen Afghanen aus München und dem Landkreis Dachau.“, so rosenheim24.de

Die vier Tatverdächtigen wurden wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung angezeigt. Nach erfolgter Bearbeitung konnten sie die Polizeiinspektion bzw. das Präsidium als freie Männer verlassen, erfährt der Leser bei dem kleinen regionalen Portal, das vielen großen Medien in Sachen journalistischer Sauberkeit deutlich überlegen ist, zumindest in diesem Fall.

Eine Suche nach „Stachus München“ und „Schlägerei München“ ergibt folgende Ergebnisse:

Fast alle großen Medien berichten nicht auf der Startseite über die Schlägerei, schweigen über die Herkunft, geben begrenzte Angaben zur Anzahl (meist ist die Rede nur von zwei Gruppen a 10 Personen, Angaben zu 100-150 Personen entweder gar nicht oder weit unten im Artikel) – so das Ergebnis einer Schnellanalyse, wie ausgewählte Medien mit der Nachricht umgingen, die Ekaterina Quehl für reitschuster.de anfertigte:

RTL
„Über hundert Mann prügeln sich am Stachus – vier Festnahmen“
Rubrik News, nicht auf der Startseite
Artikel nur über google news zu finden, auf der Seite selbst nicht sichtbar – nur über die Suchfunktion auffindbar.
„Bei einer Massenschlägerei am Münchner Stachus sind am Freitagabend zwei Männer verletzt worden. Sie kamen nach Polizeiangaben ins Krankenhaus. An der Prügelei waren rund 100 bis 150 Personen beteiligt. Die Polizei nahm die beiden Verletzten sowie zwei weitere Männer vorläufig fest – alle vier erwartet eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung.“
„Nach ersten Erkenntnissen waren auf dem Platz in der Innenstadt zwei Gruppen mit jeweils rund zehn Menschen aus bislang unbekannter Ursache in Streit geraten. Zwei Männer aus jeder Gruppe seien besonders aggressiv aufeinander losgegangen. Bei der Festnahme von einem dieser Männer wurde eine Flasche geworfen, die den Mann verletzte – von wem, war nach Angaben des Polizeisprechers zunächst unklar. Über das Alter der Kontrahenten konnte die Polizei bislang keine Aussagen machen.“
„Die Polizei war mit rund 80 Kräften im Einsatz und musste den Platz zeitweise räumen. Er war nach dem Vorfall wieder für das Publikum geöffnet.“
Keine Angaben zu Migrationshintergrund.

BILD
Massenschlägerei am Stachus – Schlagstockeinsatz!“
Rubrik Regional/München, keine Startseite
Kurzmeldung, Erster Absatz: Angaben – 20 Personen, erst vorletzter Absatz (ingesamt 4 Absätze in der Meldung) Angaben zu 100-150 Personen. Keine Angaben zu Migrationshintergrund.
„Die Polizei habe den Münchner Stachus am Freitagabend zeitweise geräumt, sagte ein Sprecher der Polizei am Samstag. Nach ersten Erkenntnissen waren auf dem Platz in der Innenstadt zwei Gruppen mit jeweils rund zehn Menschen aus bislang unbekannter Ursache in Streit geraten.

FOCUS
„Bis zu 150 Personen liefern sich wüste Massenschlägerei mitten in München“
Nachrichten/Panorama/Aus aller Welt/München
Kurzmeldung, 4 Absätze, sehr weiter unten auf der Startseite
Angaben zur Anzahl 150: 1 Absatz,

WELT
HOME /REGIONALES /BAYERN
Kurzmeldung, 4 Absätze, 1 Absatz – 20 Personen, vorletzter Absatz – bis zu 150 Personen.
Keine Angaben zu Migraiotnshintergrund.

Süddeutsche
Home/München/Polizei in München
Einleitung: „Auf dem Platz prügeln sich zwei Gruppen, manche auch mit Polizisten. Die Situation spitzt sich zu, es kommt zu einem Großeinsatz. Vier Männer werden festgenommen.“
Alter: 1 Absatz – „Vier Männer im Alter von 21 bis 36 Jahren seien festgenommen worden.“

BR24.de
„Großeinsatz nach Massenschlägerei am Stachus in München“,
Kurzbericht, Angaben zur Anzahl (über 150 erst im vorletzten Absatz), aber keine Angaben zum Alter.
„Bei dem Vorfall sollen rund 100 bis 150 „problematische Personen“ beteiligt gewesen sein. Im Verlauf des späteren Freitagabends sei die Lage ruhig, so der Polizei-Sprecher. Derzeit sei jedoch noch unklar, ob Menschen durch die Aggressionen verletzt wurden. Die Polizei wird im Laufe des Samstages Näheres zum abendlichen Einsatz berichten.“

Abendzeitung München
Stachus geräumt: Zwei Verletzte nach Massenprügelei“
„Dabei musste zur Trennung der Gruppen der Einsatzstock verwendet werden. Einer der vier Tatverdächtigen aus den beiden Gruppen wurde dabei verletzt und musste im Anschluss in einem Krankenhaus ambulant behandelt werden. Bei den vier Tatverdächtigen handelt es sich um einen 35-jährigen, einen 36-jährigen, einen 24-jährigen und einen 21-jährigen Afghanen aus München und dem Landkreis Dachau.“

Am Freitagabend sind auf dem Stachus in München mehrere Gruppierungen aggressiv aufeinander losgegangen. Die Polizei musste den Platz für etwa 90 Minuten komplett abriegeln.

„Vor dem McDonald’s habe sich die Situation dann verschärft: Zwei Gruppen junge Erwachsene hätten hier aufeinander eingeschlagen, wobei sich vier dieser insgesamt rund zwanzig Personen besonders aggressiv verhalten hätten.“

„Da das Aggressionspotential auch danach immer noch sehr hoch gewesen sei, habe sich die Polizei zur Räumung des Karlsplatz entschlossen.

Etwa 80 Polizisten drängten zwischen 20 und 21.30 Uhr die 100 bis etwa 150 Personen durch Drücken und Schieben vom Platz.“

Anmerkung der Redaktion: Da bei dieser Thematik erfahrungsgemäß nicht mit einer sachlichen Diskussion zu rechnen ist, sehen wir uns leider dazu gezwungen, die Kommentarfunktion für diesen Artikel zu deaktivieren.“

Keine Angaben zu Migrationshintergrund

10.10.2020, 08:32

FRANKENPOST
„Münchner Stachus nach Schlägerei von der Polizei geräumt“
Kurzbericht, keine Angaben zur Nationalität

FAZIT: Die Medien werden ihrer Aufgabe nicht gerecht. Wenn die Gewaltbereitschaft und Kriminalitätsneigung von migrantischen jungen Männern weiter so verharmlost  wird, indem man die Dinge nicht beim Namen nennt, wird das Problem noch weiter anwachsen und die Suche nach Lösungen immer schwieriger werden. Mit diesem Wegsehen und Schönreden machen sich Journalisten zu Komplizen und werden Teil des Problems, statt an seiner Lösung mitzuwirken.

 


Bild: Tero Vesalainen/Shutterstock (Symbolbild)
Text: red

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