Zurück in den Sozialismus – ein Hilferuf aus den USA "So hilflos wie früher in Russland"

Eine Sache sind die Nachrichten aus den USA. Eine ganz andere, was Menschen dort erleben und denken. Dieser Tage erreicht mich ein Brief von einer langjährigen Freundin aus Moskauer Zeiten, die in die USA emigriert ist, weil sie in Russland mit seinem autoritären System keine Zukunft mehr sah. Jetzt fühlt sie, eine entschiedene Putin-Kritikerin, sich eingeholt von dem, wovor sie weglief. Der Brief hat mich tief bewegt. Darum habe ich sie gebeten, mir den Abdruck zu erlauben. Voilà:


Die Zeiten sind sehr schwierig. Um ehrlich zu sein, zerreißt es mich in den vergangenen Tagen einfach in Stücke. Für jeden, der Putins Machtübernahme in Russland bewusst erlebt hat, der sich daran erinnert, wie alles dort passiert ist und sich vor unseren Augen verändert hat, ist es, als würde er zweimal dieselbe Gewalt erleben. Zwischen Google, Facebook, Apple und Amazon und ihren Maßnahmen zur Verletzung der Meinungsfreiheit und der Tatsache, dass „Demokraten“ nach sehr verdächtigen Wahlen in wenigen Tagen praktisch unkontrollierbare Macht übernehmen werden, ist dies ein wahrer Albtraum. Ich versuche, mich irgendwie zu sammeln. Mein Mann ist überzeugt, dass meine Reaktion unverhältnismäßig ist, dass die USA nicht Russland sind, dass hier noch andere demokratische Institutionen, Gerichte usw. existieren. Aber ich habe ehrlich gesagt nur noch Angst. Und es ist nicht klar, was zu tun ist, und es scheint mir, dass alles, was hier wichtig und grundlegend ist, einer sehr starken Bedrohung ausgesetzt ist. Die Situation ist besonders schrecklich, weil jede öffentliche Äußerung zu diesem Thema die Gefahr mit sich bringt, dass sie sofort aufgeblasen und verzerrt wird. Es geht immerhin um das Risiko, die Kündigung zu erhalten. Sogar Geld an konservative Politiker zu spenden, kann problematisch werden. In unserer Umgebung, und wir leben in einem Umkreis von gebildeten Menschen, gibt es fast niemanden, der mit uns einer Meinung ist … sie sind einfach alle verrückt geworden und verstehen nicht, wohin sie mit ihrem Hass auf Trump und ihrem Wunsch, hier in Amerika eine neue, leuchtende Gesellschaft aufzubauen, marschieren. Es ist nur beängstigend. Und ich habe das alles schon mal gesehen und schon mal schlucken müssen. Ich fühle mich so hilflos wie früher in Russland, als ich Anfang der 2000er Jahre allen sagte, Putin sei eine schlechte Nachricht. Ich hätte nie gedacht, dass ich das in meinem Amerika würde sehen müssen. Anders als in den 2000er Jahren in Russland gibt es keinen anderen Ort, wohin ich fliehen könnte.

Ich erinnere mich, wie wir in einem Café in Moskau saßen und über ähnliche Dinge sprachen, nur eben auf Russland bezogen. Wer hätte gedacht, wie sich die Dinge entwickeln würden! Dass wir die gleichen Prinzipien wieder verteidigen müssten. Nur diesmal im Westen. In den schlimmsten Träumen konnte ich so etwas nicht  ahnen. In einem gewissen Sinn ist es diesmal sogar schlimmer. Denn zumindest in Russland schien es mir, dass ich nichts zu verlieren hatte. Ich hatte nicht so viel Angst wie jetzt. Jetzt hier, mit einem Kind und ohne eine andere vernünftige Perspektive, ist es nur eine Frage des Überlebens. Unsere Feinde hier sind ideologisch motiviert. In Russland sind sie kleinlich und kaufmännisch. Sie werden wie Pawlik Morosow (ein Junge, der den eigenen Vater an den Sowjet-Geheimdienst verriet, Anm. BR) zu allen nur denkbaren Mitteln greifen, um ihr Ziel zu erreichen. Und die Frage wird sein: Wie viel sind wir bereit zu opfern, um zumindest zu versuchen, sie aufzuhalten?

Die Schulen machen mir hier große Angst. Sie haben tatsächlich angefangen, Kindern beizubringen, dass alle Weißen Rassisten sind, dass in Amerika „Schwarze geschlagen werden“. Mir scheint es so, als hätten sie das alles einfach aus den kommunistischen, sowjetischen Lehrbüchern abgeschrieben. Mein Sohn geht zum Glück noch nicht zur Schule, aber sobald er geht, wird es mich definitiv umhauen.

Ach Gott, das ist alles schrecklich. Wir hören hier von den Medien sehr wenig über Europa. Hier wird uns der alte Kontinent im rosigsten Licht präsentiert, sie sagen, alles sei wunderbar bei Euch. Wir erleben fast das Gleiche wie Ihr in Sachen Migration, nur mit Lateinamerikanern. Aufgrund von deren Dominanz in der Schule sprechen sie dort viel zu wenig Englisch. Trump hat versucht, da wenigstens etwas entgegenzuwirken. Jetzt wird Biden kommen, und er wird die Grenzen vollständig öffnen. Lass uns in Kontakt bleiben, damit es in diesem Elend nicht so einsam ist!



 
Bild: Delpixel/Shutterstock (Symbolbild)
Text: br 

 

 

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Antonius Baßendowski
1 Monat zuvor

Der Brief Ihrer Freundin war sehr bewegend lieber Herr Reitschuster.

Als wichtigste Kernaussage blieb bei mir der letzte Satz hängen: Lass uns in Kontakt bleiben, damit es in diesem Elend nicht so einsam ist!

Ich lege ihn so aus: In Zeiten, in denen zahlenmäßig eine ganz kleine Minderheit global über Wohl oder Wehe der Menschheit entscheidet, indem sie vorsätzlich und egoistisch ihre Macht missbraucht und ausbaut, verachtet weltweit die gesamten sozialen Strukturen der Menschheit.

Diese „Eliten“ sehen den zahlenmäßig weitaus größeren Rest der Menschheit nur noch als austauschbare Biomasse, die bei Nichterfüllung der Bereicherung der globalisierten Herrenmenschen entsorgt wird.

Egal wie die Eliten auch heißen (Kommunisten, Sozialisten, Kapitalen usw.), das Ziel ist immer das gleiche: Machterhalt mit allen Mitteln und um jeden Preis.

Dieser letzte Satz Ijhrer Freundin ist ein Hilferuf: Lasst uns zusammenhalten, damit wir gemeinsam dieses Elend ertragen können! (meine Interpretation)

HG an Alle

daWuidara
1 Monat zuvor

Genau dieselben Sorgen höre ich auch von KP-kritischen Exilchinesen, die in den USA leben. Und auch denen kann man nicht vorwerfen, sie hätten keine Ahnung davon, wie Diktaturen funktionieren.

Benz
1 Monat zuvor
  1. Sozialismus ist Staatseigentum an allen Produktionsmitteln. D.h. der Staat ist der einzige Wirtschaftsakteur, der einzige, der Reichtum produziert und verteilt. Es gibt keine Kapitalisten, keine privaten Konzerne und keine Jeffs Bezos und Bills Gates mit hunderten Milliarden Privatvermögen mehr. Sondern alle sind bei Staatsfirmen angestellt. DAS ist Sozialismus.

Was diese Frau da in den USA anprangert, ist sicher eine bedenkliche Entwicklung. Hat mit Sozialismus aber nicht das geringste zu tun. Im Gegenteil, in den USA herrscht knallharter Kapitalismus.

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  1. Sodann beschwert sich diese Frau, eine Russin, über die massive Zensur in den USA. Putin hatte schon vor 20 Jahren, als ihm naseweise Deutsche (deutsche Politiker, Gutmenschen, Journalisten usw.) mangelnde Pressefreiheit vorwarfen, nur gelacht und erwidert: “Ihr glaubt doch nicht etwa im Ernst, ihr im Westen hättet Presse- und Meinungsfreiheit?” Heute sehen wir, dass Putin recht hatte.
daWuidara
Antwort an  Benz
1 Monat zuvor

Hat mit Sozialismus aber nicht das geringste zu tun. Im Gegenteil, in den USA herrscht knallharter Kapitalismus.

Kommt drauf an wie lange noch und ob man theoretischen oder praktischen Sozialismus meint. Alle sind gleich, einige sind bekanntlich gleicher. Ein kleine Elite aus Hyperprivilegierten, denen der Staat praktisch gehört,  lässt Land und Leute nach seiner Pfeife tanzen, die Mittelschicht verschwindet, die Masse verelendet und sofern überhaupt noch fairer Wettbewerb möglich ist, wird Kompetenz durch ideologische Gesinnung als Wettbewerbsfaktor abgelöst. Was interessiert es den Normalbürger, ob an der Spitze ein Kartell aus Milliardären die politische Macht usurpiert (USA) oder eine politische Elite es durch Korruption zu Milliardären bringt (China). Das Grundprizip ist dasselbe, denn die sozialistisch inspirierte Elite hat sich noch nie besonders um den einfachen Arbeiter geschert, genauso wie die Nazis haben sie die Ressentiments des kleinen Mannes geschürt und ihn bedroht, um ihn  für sich arbeiten und sterben zu lassen, wenn es opportun war.

Benz
Antwort an  daWuidara
1 Monat zuvor

Wie gesagt: Mit ihrer Kritik an den derzeitigen haarsträubenden Zuständen in den USA hat diese gute Frau sicher recht. Nur hat das Ganze dort nicht das geringste mit Sozialismus zu tun. Ich wiederhole: Sozialismus = Staatseigentum an den Produktionsmitteln. Sollte es in den USA eine grosse Verstaatlichungswelle geben, dann können wir über Sozialismus sprechen.

michel
1 Monat zuvor

hmm, hab zwar noch nie einen systemwandel miterlebt, aber mir geht in dieser besten deutschen staatssimualtion irgendwie genauso, vielleicht grad deswegen, oder aber weil jeder bei klaren verstand sehen und kapieren könnte, in was wir da ohne umweg hinlaufen, frei und willig.

das wird eine sehr sehr seeeeeehr dunkle zeit und phase werden, u.a. dank der technik und ihren daten!

Johannes
1 Monat zuvor

Zitat: „Für jeden, der Putins Machtübernahme in Russland bewusst erlebt hat, der sich daran erinnert, wie alles dort passiert ist und sich vor unseren Augen verändert hat, ist es, als würde er zweimal dieselbe Gewalt erleben. “

 

Wenn ich sowas lese, stellen sich mir mehrere Fragen:
Wann war es in Russland besser als unter Putin? Im Zarenreich? Bei den Kommunisten einschließlich Gorbatschow? Oder gar bei Jelzin? Was wird da als Maßstab genommen? Was ist unter Putin, im Vergleich zur Zeit vorher, so schrecklich geworden? Ist es Möglich, daß es weitgehend unbekannt ist, was unter Jelzin passierte? All den Wahnsinn, der sich unter Jelzin auszubreiten begann, hat erst Putin wieder gestoppt. Ohne Putin wäre dieses große Reich Russland zerfallen und von Oligarchen wie vom Ausland restlos ausgeplündert worden.

Wann gab es eine Zeit in Russland, die besser war als die unter Putin? Würde mich ehrlich interessieren.

Antonius Baßendowski
Antwort an  Johannes
1 Monat zuvor

Johannes,

Deine Meinung zur Entwicklung Russlands unter Putin teile ich. Aber es wird immer Menschen geben, die – aus welchen Gründen auch immer – aus iherer Heimat fliehen. Wenn sie erkennen, dass sie in der neu gewählten Heimat „vom Regen in die Traufe“ gekommen sind, entsteht ein großer Leidensdruck. Diese Frau schreit nach Hilfe und sucht Solidarität.

Dank meiner frühen Geburt (Jan. 1950 in der ebenso jungen DDR in einem katholischen Elternhaus) habe ich schon oft Erniedrigung, Verrat und Enttäuschung durch Mächtige erfahren.

Die neue, beängstigende Entwicklung ist aber, dass die mächtigen Eliten – global vereint jede ideologische Maske fallen lassend – die gesamte Menschheit auf diesem Erdball gnadenlos instrumentalisiert. So kommt es zur Erkenntnis: Du kannst nirgendwo mehr hin fliehen. Dein Schicksal ist besiegelt. Schöne Aussichten??

HG

Stefano
1 Monat zuvor

Wenn sich jemand in eine Zeit vor Putin, also scheinbar in die Jelzin-Ära zurücksehnt, der hat entweder die Kontrolle über sein Leben verloren oder damals an der Plünderung Russlands profitiert. Man kann es nicht allen recht machen, aber besser den 99 als den 1%.

epilog2021
1 Monat zuvor

Wenn die Feinde der Demokratie ihre Kraft für selbige einsetzen würden, könnte man Hoffnung haben. Dazu wird es nicht kommen. Jüngstes Negativ-Beispiel erneut YouTube zum Thema. US-Abgeordnete fordert Impeachment gegen Biden | 20.000 Soldaten der Nationalgarde nach DC geschickt…

Was sehen wir nun vom Video?

„Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es später noch einmal…..“

Antonie
1 Monat zuvor

Liebe unbekannte Briefschreiberin,

Sie haben meine Seele berührt, ich kann Ihren Frust gut nachvollziehen.

Man kann einmal von einer Diktatur wegrennen, ein zweites Mal geht es nicht.

Mir hat das Nachdenken über meine relevanten Strukturen, wie sie von Dushan Wegner diskutiert werden, bei der Lösung des Problems sehr geholfen. (Oder besser wieder geholfen. In meinem ersten Leben in der SBZ (ddr) kannte ich nur noch nicht den Begriff.)

In aller Kürze, worum geht es:

Was ist mir wirklich wichtig?

Das ich mich auch morgen ohne Scham im Spiegel anschauen kann. Also: Ehrlichkeit zu sich selbst.

Meine Familie und meine Freunde, natürlich. Also kein Heldentum.

Weniger wichtig sind Ruhm, Ehre, Eitelkeiten und Geld. Dabei helfen mir meine persönlichen Erfahrungen in der zweiten deutschen Diktatur und die Erinnerung wie arm ich war sehr.

Liebe Briefschreiberin,

Sie schrieben: „Lass uns in Kontakt bleiben, damit es in diesem Elend nicht so einsam ist!“

Immer wenn Sie Sich einsam fühlen, denken Sie daran, Sie sind nicht alleine.

Über Ihre Gefühle/das Elend diskutieren wir, die eine dritte Diktatur in Deutschland aufziehen sehen und eine zweite irgendwie überstanden haben, sehr viel. 

Was bedeutet ein zweites Mal Wegrennen geht nicht?

Man kann es auch mit Martin Luther sagen: „Hier stehe ich, und kann nicht anders.“.

Lieber Herr Reitschuster,

Danke für die Veröffentlichung des Briefes. Mir war er ein Trost, wir sind nicht alleine.

Danke für Ihre Arbeit, immer informativ, sachlich und ehrlich.

Und ein großes Lob für Ihren Sprachstil, eine Wohltat.

 

John Farson
1 Monat zuvor

Für mich ist das alles bereits durch, denn offenbar gehen Hochkulturen nach einer gewissen Zeit an sich selbst zu Grunde. Genau das erleben wir aktuell wieder, der Westen hat fertig.  Nun bricht das asiatische Zeitalter an, daran habe ich keine Zweifel, seit ich vorletztes Jahr in China und Korea gewesen bin.  Vorher habe ich es immer für übertrieben gehalten, wenn meine Frau meinte, die Rückkehr nach Europa sei jedes Mal eine Reise in die Vergangenheit, von vor zwanzig Jahren. Seitdem ich den dortigen Boom gesehen habe und den technischen Vorsprung, weiß ich was sie meinte und niemand wird das aufhalten. Der Westen ist satt, alt und geplagt von selbst konstruierten Traumata, durch die er sich in seinem Niedergang kämpft. Sein Untergang ist daher nur folgerichtig und wir können nur hoffen, dass er halbwegs unblutig abläuft.

Störring, Uwe
1 Monat zuvor

am 03.11.20 war die Wahl in den USA, am 05.11.20 ist die US Inc. durch Konkurs erloschen (liebe-das-ganze.blogspot.com , Suche: Anna von Reitz zur Wahl in Amerika). Anna von Reitz ist US-Richterin von Alaska.

Also darf Joe Biden ruhig Präsident werden, aber von was? Fraglich nur, wozu dieses Theaterstück wirklich dient.

Die Mitglieder der Frankfurter Schule sind in der Hitlerzeit in die USA gegangen und haben auch dort ihre zerstörerische Wirkung entfaltet. Jahrzehntelange Vorbereitungen in den Schulen führten zu dem, was wir heute haben.

Und da die USA diejenigen bekämpft haben, die die Frankfurter Schule bekämpften, brauchen die Amerikaner sich über diese Zustände jetzt auch nicht zu beklagen.

John Farson
Antwort an  Störring, Uwe
1 Monat zuvor

Es geht darum, alles Weiße, „Alte“ und Konservative zu vernichten. Leider sind diese Menschen intellektuell zu unbedarft, um zu bemerken, dass sie am eigenen Ast sägen. Der Fall wird lang und der Aufprall schmerzhaft.  Persönlich hoffe ich nur das ich noch miterlebe, wie diese revolutionäre Generation, die in Wahrheit nur im Gleichschritt marschiert, allen Wohlstand verschwendet und dann untergeht.  Der Gewinner heißt Asien, insbesondere China. Die stehen bereits in den Startlöchern, wohl wissen das es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie offiziell übernehmen können. Auch die Hintermänner der großen Transformation werden nicht verschont werden,  auch wenn sie es jetzt noch glauben. Die Chinesen haben ihre eigenen Firmen und Eliten, die niemanden neben sich dulden. In diesen Kulturen vernichtet man den Feind nämlich vollständig, aber erst wenn man auch wirklich stark genug dazu ist.

Freitag
Antwort an  John Farson
1 Monat zuvor

Ein bißchen wie in „Der Herr der Ringe“: Es gibt nur einen Ring der Macht und Sauron teilt seine Macht nicht