Blackout: Städtebund rät zu Hamsterkäufen Erste Unternehmen planen Verlagerung ins europäische Ausland

Von Kai Rebmann

„Emily erfährt aus erster Hand, wie aufregend ein nächtlicher Stromausfall sein kann.“ Dieser Satz stammt aus der Beschreibung des Kinderbuchs „Kleine Helden, große Abenteuer“ (Band 2) aus der Feder von Robert Habeck und dessen Ehefrau Andrea Paluch. Das Buch ist im Mai 2021 erschienen und beinhaltet im Kapitel „Als es still und dunkel wurde“ nichts weniger als die Verherrlichung eines Blackouts. Der heutige Bundeswirtschaftsminister und seine Co-Autorin schwärmen geradezu von der daraus resultierenden Kerzenschein-Romantik und Entschleunigung des Alltags. Was auf den ersten Blick belanglos erscheinen mag, könnte beim zweiten Hinsehen zumindest einen Teil der Erklärung für die derzeitige Energiepolitik des heutigen Bundeswirtschaftsministers liefern.

Gut möglich, dass die von den beiden Kinderbuch-Autoren als Idealzustand propagierten Verhältnisse schon bald auch den Weg in die Wirklichkeit finden. Leider ebenfalls nicht auszuschließen ist, dass der Strom dann nicht nur eine Nacht lang wegbleiben wird. „Die Gefahr eines Blackouts ist gegeben“, sagt Gerd Landsberg im Interview mit der WamS und warnt mit Blick auf die kalte Jahreszeit vor „flächendeckenden Stromausfällen“ in ganz Deutschland. Damit reiht sich der Chef des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in die immer größer werdende Schar von Experten ein, die auf die möglicherweise dramatischen Folgen des Versagens der Ampelkoalition hinweisen.

„Ein Blackout gehört aktuell zu den größten Risiken für unser Land“

Landsberg kann sich dabei gleich mehrere „realistische Szenarien“ für einen Blackout vorstellen. Für den Fall, dass die Gasversorgung ausfallen sollte und alle 650.000 in diesem Jahr verkauften Heizlüfter ans Netz gehen, könnte dies in Deutschland zu einem massiven Stromausfall führen. Ebenso müsse jederzeit mit einem feindlichen Hackerangriff gerechnet werden, befürchtet der Städtebund-Chef. Der Experte bescheinigt der Bundesregierung, den Ernst der Lage zwar erkannt zu haben, gleichzeitig aber zu wenig für die Abwendung der drohenden Gefahr zu tun. In Berlin sei man kaum auf echte Krisensituationen vorbereitet. Daher müsse der zivile Katastrophenschutz hierzulande viel intensiver ausgebaut werden, fordert Landsberg.

Seinen Mitbürgern empfiehlt er unterdessen, sich lieber nicht auf die Bundesregierung zu verlassen und für den Ernstfall vorzusorgen. Man müsse sich vor Augen führen, was ein Stromausfall bedeutet. „Dann läuft kein Wasser, man kann nicht tanken, nach zwei Tagen kann man sein Handy nicht mehr laden. Wir sind in keiner Weise auf so ein Szenario vorbereitet“, zeigt sich Landsberg daher alarmiert. Ähnlich sieht das auch Wolfram Geier vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat der Experte eine Analyse der gegenwärtigen Lage durchgeführt und kam dabei zu dem Schluss: „Ein Blackout gehört aktuell zu den größten Risiken für unser Land.“

Das BBK empfiehlt allen Bürgern, grundsätzlich eine Notreserve an Wasser und sonstigen Lebensmitteln für mindestens 14 Tage zu bevorraten. Was zu „normalen Zeiten“ stets wie graue Theorie klang, könnte im „besten Deutschland aller Zeiten“, in dem einem Kinderbuch-Autor die Verantwortung über Atomkraftwerke übertragen wurde, demnächst bitterer Ernst werden. Gerd Landsberg beklagt in dem Interview, dass in Deutschland kaum jemand der Empfehlung des BBK folge und ruft seine Mitbürger damit in bemerkenswerter Offenheit zu Hamsterkäufen auf. Wir erinnern uns: Zu Beginn der Corona-„Pandemie“ wurde von offiziellen Seiten stets von Hamsterkäufen abgeraten – im Zusammenhang mit einem drohenden Blackout ist jetzt offenbar das Gegenteil der Fall.

JP Morgan erwägt Verlagerung ins europäische Ausland

Die Angst vor einem Blackout beschäftigt aber längst auch die Wirtschaft. Als eines der ersten international tätigen Unternehmen hat jetzt die US-Bank JP Morgan erklärt, sich mit dem Szenario einer Verlagerung der Geschäftstätigkeit von Deutschland ins europäische Ausland zu beschäftigen und entsprechende Notfallpläne zu entwickeln. Besonders zu beachten ist dabei, dass die Gefahr eines möglichen Blackouts offenbar ausdrücklich als deutsches Problem angesehen wird, nicht etwa als europäisches Problem. Wie der britische „Telegraph“ berichtet, will JP Morgan seine Geschäftstätigkeit im Falle eines Blackouts in Deutschland von Frankfurt nach London oder in andere europäische Länder verlagern.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat angesichts solcher Gedankenspiele einmal mehr nur ein zynisches Lächeln übrig. Er sei sich „sehr sicher“, dass es in Deutschland zu keinem Blackout kommen werde. Seine Regierung habe „nach menschlichem Ermessen“ alles getan, um ein solches Szenario zu verhindern, behauptete Scholz noch vor einer Woche. Fairerweise muss man dem Kanzler aber zugutehalten, dass er diese Aussagen getätigt hat, bevor sich der frühere Märchen-Onkel und heutige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gegen den „nach menschlichem Ermessen“ gebotenen Weiterbetrieb der drei noch verbliebenen deutschen AKWs ausgesprochen hat.

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

Bild: Shutterstock
Text: kr

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