Covid 19: Betten-Chaos in Berlin Schwere Vorwürfe gegen Senat

„1630 neue Corona-Fälle in Berlin – Rote Ampel bei Intensivstations-Auslastung fast erreicht“, titelte dieser Tage die Berliner Zeitung B.Z. Weiter schrieb das Blatt: „Die letzte Ampel für die Auslastung der Intensivbetten durch Corona-Patienten liegt bei 24,7 % (Vortag: 24,2 %) – der Grenzwert liegt hier bei 15 Prozent, bei 25 Prozent springt auch diese Ampel auf Rot. Und dieser Wert ist leider nicht mehr weit entfernt …“

Was die B.Z. dabei nicht meldet: Berlins Senat ist nicht in der Lage, zu unterscheiden zwischen den Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, die positiv getestet wurden, denen die gar nicht getestet wurden und solchen, bei denen der Test sogar ein negatives Ergebnis erbrachte, wie der Abgeordnete Marcel Luthe (bis Oktober FDP, seither parteilos) beklagt. Er fürchtet deshalb, dass die Meldungen über die Belegung in die Irre führen: „Die Regierung konnte mir auf Anfrage nicht mitteilen, wie viele Fälle zumindest laborbestätigt sind und wie viele wegen ganz anderer Krankheiten eingeliefert wurden und inzwischen – also im Krankenhaus – zu einem Corona-Fall wurden. Es wäre wichtig, zu wissen, wie viele wirklich eindeutig diagnostiziert sind und wie viele eine negative Diagnose haben und trotzdem in der Statistik aufgeführt werden. Ich kann doch nicht sagen, ich gebe etwas auf den Test, aber wenn der negativ ausfällt, behalte ich die Leute trotzdem als Covid-Patienten.“

Marcel Luthe

Damit reagiert der Volksvertreter auf eine Weigerung des Senats, ihm die so genannten Primärdiagnosen der Patienten in Intensivbetten in der Hauptstadt mitzuteilen. Er will jetzt vor dem Verfassungsgericht gegen diese Auskunftsverweigerung klagen. Luthe: „Die Primärdiagnose legt fest, weswegen jemand erst mal ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Wer mit einem Beinbruch eingewiesen wurde und jetzt plötzlich als Corona-Patient läuft, hat sich womöglich im Krankenhaus angesteckt. Und das ist eine ganz wichtige Frage, ob sich eine Vielzahl der Erfassten erst im Krankenhaus ansteckt. Denn wenn das so ist, müssen wir uns fragen, wie es dazu kommt und was wir dagegen machen können.“

Angesichts der fehlenden Zahlen spricht Luthe von einem „vollständigen Blindflug“ in der Berliner Corona-Politik. Für eine korrekte Einschätzung der Situation sei es ganz entscheidend, herauszufinden, wie viel Prozent der „Corona-Patienten“ wegen Covid-19 ins Krankenhaus kamen.

Schwere Vorwürfe

Luthe wirft dem Senat auch vor, die Medizin generell und vor allem die Intensivmedizin jahrelang vernachlässigt zu haben. Ein Bündnis aus Vertretern von Patienten, Ärzten und Pflegekräften, Gewerkschaften und Krankenkassen forderte schon 2019 gemeinsam mit den Berliner Krankenhäusern eine Investitions-Offensive. Nötig seien Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro für die Jahre 2020 bis 2030, heißt es in einem Offenen Brief des Bündnisses an die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses. Das Ergebnis gibt das Fachportal Bibliomed Manager wieder: „Im Berliner Haushalt ist bislang eine Erhöhung der Investitionspauschale auf 175 Millionen Euro im Jahr 2020 und auf 200 Millionen Euro im Jahr 2021 vorgesehen. Damit sei es nicht möglich, den Bestand zu erhalten, so Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft (BKG). ‘Nach offiziellen Berechnungen benötigen die Berliner Krankenhäuser hierfür bereits rund 250 Millionen Euro pro Jahr‘, so Schreiner.“

„Eine potentielle Überlastung der Krankenhäuser ergibt sich – wie überall – aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage. Tatsache ist, dass das Angebot an Personal- und Bettenkapazitäten seit rund zwei Jahrzehnten Regierungsverantwortung der SPD gesunken und nicht gestiegen ist. Das ist das Ergebnis einer falschen Priorisierung, das nun alle Berliner ausbaden“, klagt Luthe : „Ebenso richtig ist, dass die Krankenhäuser für die beiden rot-rot-grünen Doppelhaushalte 2018/19 und 2020/21 einen Milliardenbedarf – zuletzt 3,5 Milliarden Euro – angemeldet haben. Erhalten sollen sie fünf Prozent davon, was nicht einmal ausreicht, den Status quo zu bewahren. Trotz sprudelnder Steuereinnahmen war Rot-rot-grün eben vieles wichtiger als das Gesundheitswesen.“ Wer jahrelang Kapazitäten abgebaut habe und jetzt jammere, dass es  nicht genügend Betten gebe, ohne die Verantwortung dafür zu übernehmen, mache sich unglaubwürdig, so der Abgeordnete.

Bild: Robert Kneschke/Shutterstock / Boris Reitschuster
Text: red
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Erich Dressler
3 Monate zuvor

Zur abnehmenden Zahl der freien Intensivbetten hier ein paar neue Argumente:
Im Sommer bekamen Kliniken noch großzügige Freihaltepauschalen von 560 pro Tag (später gestaffelt 360-560-760) für Betten, die nicht belegt werden. Diese zählten dann als „freie Intensivbetten“. Als Beatmungsmaschine dazu durfte die Klinik jedes Narkosegerät aufführen, von denen in den OP-Trakten Dutzende stehen (auch Reservegeräte für eventuelle Ausfälle), weil man damit ja auch Patienten künstlich beatmen kann.

Logischerweise meldeten da viele Häuser freie Betten, die sie auf anderen Stationen stilllegten. Dafür zahlte der Bund 8 Mrd:
https://www.bibliomedmanager.de/news/freihaltepauschalen-laufen-aus-corona-macht-weiter
Es gab also Geld für Betten, ohne dass dort medizinische und pflegerische Gegenleistungen erbracht werden mussten. Herrlich! Das ist so, als ob Herr Reitschuster täglich 560 Euro dafür bekommen würde, keine Beiträge mehr zu schreiben…

Als diese Pauschalen ausliefen, nahmen auch die freien Betten wieder ab, wie auf der DIVI Zeitleisten-Grafik gut zu erkennen.
Jetzt streiten sich Kliniken, Bund und Länder darum, wieder neue Pauschalen einzuführen. Sobald das passiert und es wieder Geld vom Staat gibt, ist zu erwarten, dass auch die Zahl der freien Betten wieder ansteigt.
Die Zahl der belegten Betten ist aber nahezu gleich geblieben (~22.000). -> Die Belastung des Personals ist also seit Monaten gleich.

Heidi
3 Monate zuvor

Unser Gesundheitssystem, sehr schön analysiert von Dr. Paul Brandenburg bei Milena Preradovic

https://youtu.be/GT4n0PCp7Zk

Man sollte sich die Zeit nehmen – wer noch glaubt, dass das deutsche Gesundheitssystem zuallererst dem Menschen dient, wird hier eines Besseren belehrt.

Im Übrigen war auch die letzte Anhörung im Corona-Ausschuss diesbezüglich sehr aufschlussreich (Sitzung 29), in der man erfahren durfte, dass ein Land wie Thailand uns in gesundheitspolitischer Hinsicht meilenweit überlegen ist… Aber das ist für einen Herrn Spahn sicher völlig abwegig!

KH Stock
3 Monate zuvor

Wie verlässlich die offiziellen Stellen sind, ein Schelm würde sagen, wie verlogen, sieht man im Hotspot. https://renegraeber.de/blog/intensivbetten-belegung-hildburghausen-thueringen/?fbclid=IwAR1redfzA5DQH0YWXsoC5pBilzXLPw_aXg-BogyG1-4MPto2ng5a2OXChtc

 

Onkel Dapte
3 Monate zuvor

Wir sollten nicht zu oft klagen, daß das Virus gar nicht so gefährlich ist wie behauptet. Auch sollten wir nicht bestreiten, daß die Intensivbetten wegen Corona bald alle belegt sein werden. Erinnern wir uns: Eine sich jetzt im US-Exil befindende chinesische Virologin vom Wuhan-Institut hat doch gesagt, es gebe da noch etwa 10 weitere Corona-Mutationen, künstlich erzeugt, im Labor. Wenn die herrschende Klasse merkt, daß der Schrecken nicht mehr verfängt, könnte ein weiteres, diesmal richtig bedrohliches Virus aus Versehen freigesetzt werden.

investigation
3 Monate zuvor

OT sollte man aber beobachten:

Mehrere Todesfälle nach der saisonalen Grippeimpfung, diese haben aber angeblich nichts mit dieser zu tun.

South Korea’s health agency said Thursday that a total of 107 people, most of whom were elderly, died after receiving seasonal flu vaccines.

The deaths had stoked public anxiety over the safety of such vaccines, but the Korea Disease Control and Prevention Agency (KDCA) said 106 of those deaths have very limited relation with the flu shots. The remaining case is under investigation.

 

http://www.koreatimes.co.kr/www/nation/2020/11/113_299579.html

Facherfahrener
3 Monate zuvor

Die kath.- und Evang.-Kirchen haben massenhaft ihre Krankenhäuser abgebaut, um auf den Grundstücken ( Erbpacht) luxus Eigentumswohnungen zu bauen.  Andere Krankenhäuser sind  privatisiert worden – so siehe Eigentümer wie Allianz-Versicherung u.a. die natürlich wirtschaftlich  denken. Als Selbstständiger kenne ich einige Modelle die mit dem Gesundheitssyystem nicht übereinstimmen. Die Krankenkassen befeuern noch diese Modelle in dem sie von verantwortungsvollen Häusern Soli-Beiträge verlangen.      Heute meldet WDR es sind nur noch 3 Betten je Krankenhaus verfügbar, am Ende des Berichts wird dann gesagt       es mangelt an Personal die weitere Bettenauslastung beweltigen könnten. Dafür wird stillschweigen über Patienten aus dem Ausland gefordert.  SOLL IN DER EU EIN BÜRGERKRIEG AUSBRECHEN UM DARAUS EINE DIKTATORISCHE NEUORDNUN ZU INSTALLIEREN????

Eine Fallzahl
Antwort an  Facherfahrener
3 Monate zuvor

Also ich weiß gar nicht mehr wo, doch ich hörte gestern im Radio die Worte „vereinigte Staaten von Europa“.

Die USA sind ein Imperium.

Und ein Gegengewicht soll sicherlich installiert werden.

Wenn nicht sogar angeführt von Merkel und Spahn.

Habeck quengelt ja gerade rum, dass er mehr Aufmerksam will – kann dann installiert werden als Gouverneur vom Staate Deutschland.

 

Ach man sich eine Quatsch zusammen reimen auf diesen ganzen Irrsinn.

 

Diese Politiker machen die Menschen krank.

 

Facherfahrener
Antwort an  Eine Fallzahl
3 Monate zuvor

Eine Fallzahl, schon im „Saumagenregierung“ wurde die EU als solches mit den Franzosen beschlossen. Osterweiterung nichts anderes als gekaufte Marionetten.    Belgien oder NL spielen da keine Rolle. Deshalb schrieb ich schon vor Jahren, dass sich  die Geister von Napoleon/Adolf vereinigt haben. Die USA dachten mit der EU – Europa als ganzes kontrollieren zu können, was schiefgehen könnte. Lassen wir mal etwas Zeit um zu sehen wie USA und UK- da Sie nicht mehr in der EU sind, reagieren.   Für das Deutsche Volk wird es egal wie es kommt – grausam enden. Der Hass den sie

gesät haben – schlägt zurück. Auch von den ehem. Ostblockländern.      Merkel ist zu Alt geworden um dem Macron noch schöne Augen machen zu können. Ob da „drei Wetter Taft“ noch was richten kann??

P. B.
3 Monate zuvor
Gonzo
3 Monate zuvor

Berlin möchte (gestern gemeldet) Hotels zur Corona-Quarantäne nutzen! Für mich klingt das nach Internierungslager mit Fullservice. Auch wenn in der Neuzeit der Stacheldraht/Stromzaun und Wachturm fehlt, bleibt es für mich das selbe.

Onkel Dapte
Antwort an  Gonzo
3 Monate zuvor

Ein Traum! 14 Tage Luxusurlaub im Fünfsternehotel. Frühstück im Bett, Mittag- und Abendessen mindestens ein Michelin-Stern, Riesenfernseher, Laptop mit superschnellem WLan, und, ganz unverzichtbar, mindestens eine Flasche Rotwein pro Tag nicht unter 95 Parker-Punkten. Ich melde mich freiwillig!

Richard
3 Monate zuvor