Das Ende der Fledermaus: Laborthese setzt sich durch Ist das Corona-Virus in Wuhan aus der Petrischale gehüpft?

Von Alexander Wallasch

Es ist ein moralisches Desaster. Und es macht fassungslos, zu erleben, dass eine rote Linie nach der anderen überschritten wird, während gleichzeitig das Szenario der unmittelbaren pandemischen Bedrohungslage immer mehr bröckelt und immer weniger plausibel ist.

Viele der rund um den Globus von den Corona-Maßnahmen ihrer Regierungen betroffenen Bürger mögen nicht mehr schlucken, was ihnen in immer neuen Varianten hingeworfen wird. Lange als Verschwörungstheorien diffamierte Thesen beispielsweise entwickeln sich immer rasanter zu ernstzunehmenden Debattenbeiträgen.

Der Eiertanz insbesondere der deutschen öffentlich-rechtlichen Medien dazu ist bemerkenswert. So mussten sich diese Medien jetzt damit arrangieren, dass das Virus doch aus einem Labor in Wuhan entwichen sein könnte und nicht etwa über das Verspeisen von Fledermäusen in den Menschen gelangte.

So schrieb der Merkur Ende Februar 2020 über erste Mutmaßungen, das Virus sei aus dem Labor entwichen: „Coronavirus schürt Verschwörungstheorien“. Dort heißt es weiter: „Mehr als die Tatsache, dass dieses Labor sich in Wuhan befindet und 2015 dort eingeweiht wurde, bieten die Verschwörungstheoretiker allerdings nicht an.“

Aber zurück zum Eiertanz rund um diese Frage, denn den führt gerade der Bayerische Rundfunk auf. Der fragt nämlich am heutigen Tag ganz ernsthaft: Kommt „Corona doch aus dem Labor?“ Und führt weiter aus: „Was noch zu Beginn der Pandemie ein Mythos war, ist längst eine ernstzunehmende, breit diskutierte Theorie.“

Bemerkenswert ist, wie hier händeringend ein Begriff ersatzweise für „Verschwörungstheorie“ gesucht wurde, um dann „Mythos“ zu verwenden. Aber ein „Mythos“? Von welcher Mythologie ausgehend? Von der Erzählung der mittlerweile bis hin zu unter Verfassungsschutzbeobachtung gestellten Querdenken-Bewegung?

Tatsache ist doch, dass Wissenschaftler, die sich schon Anfang 2020 mit COVID-19 beschäftigt hatten, früh lernen mussten, dass es bei der Debatte um Ursprung und Abwehrmaßnahmen Tabus gibt, dass bestimmte Lehrmeinungen, auf denen die staatlichen Corona-Maßnahmen basieren, auf einmal nicht mehr debattiert werden durften.

Diese Form der Diffamierung war aber schwer durchzuhalten. Es gelang zwischenzeitlich immer öfter, eine wissenschaftliche Debatte über alle staatlichen Hindernisse hinweg zu führen.

Das Ende der Verschwörungstheorie

Man kann sagen, dass sich zwar noch keine umfassende neue Faktenklage etabliert hat, dass aber als absolute Wahrheiten deklarierte wissenschaftliche Erkenntnisse, auf die sich die Corona-Maßnahmen der Regierung berufen, längst ihren Absolutheitsanspruch verloren haben.

Oder mit einfacheren Worten ausgedrückt: Einige Debattenverbote sind schon gefallen. Der Bayerische Rundfunk (BR) nennt heute zuvor als „Verschwörungstheorien“ diffamierte wissenschaftliche Beiträge rückblickend fast verschämt „Mythen“ und schreibt dann drauflos, als wäre nichts gewesen. So auch über die diffamierte These eines entwichenen Virus aus einem Labor in Wuhan. Wurde es im Labor zu friedlichen Zwecken kreiert oder gar als biologischer Kampfstoff? Noch eine Verschwörungstheorie, nein, ein Mythos! Oder nein, ein wissenschaftlicher Debattenbeitrag!

Der BR schreibt weiter:

„Allerdings war die Leiterin des Wuhan-Labors, Shi Zhengli, bereits 2015 an einer internationalen Studie beteiligt, die ein neues Hybrid-Virus kreieren sollte.“ Es gibt demnach sogar eine Blaupause für die Theorie, die ursprünglich u.a. vom amerikanischen Präsidenten selbst verbreitet wurde, damals, als Donald Trump davon sprach, es handle sich um ein solches aus einem chinesischen Labor entwichenes Virus: „It came from China!“

Und siehe da, ein Ende September 2021 geleaktes Dokument zeigt heute, „dass es Pläne gab, erneut Coronaviren genetisch zu verändern. Diesmal sollte am Spike-Protein eine sogenannte Furin-Spaltstelle eingebaut werden, damit das Virus menschliche Zellen noch effektiver befallen könnte“, schreibt der Bayerische Rundfunk.

Aber warum eigentlich hatte Trump an seiner Theorie nicht vehementer festgehalten? Nun, das Labor in Wuhan scheint kein streng abgeschirmtes chinesisches Projekt zu sein, hier werden Forschungsarbeiten durchgeführt, für die es in westlich-demokratischen Ländern viel schwerer Genehmigungen bzw. auch höhere Sicherheitsauflagen gibt.

Das US-amerikanische Verteidigungsministerium wollte ursprünglich ebenfalls ein weiteres Hybrid-Virus entwickeln, kombiniert aus einer Variante des bereits existierenden SARS-1 und einem Spike-Protein, gefunden bei Fledermäusen. Es sei allerdings nie genehmigt worden, will der BR weiter wissen.

Der neue US-amerikanische Präsident führt fort, was Trump begonnen hat – aber er hat dabei scheinbar so wenig Eile wie Trump zuvor: Joe Biden will die Geheimdienste der USA auf die Corona-Ursprungsfrage angesetzt haben.

Vier seiner Dienste stützen bisher die These des natürlichen Übersprungs von der Fledermaus auf den Menschen. Zwei weitere Dienste sind mittlerweile davon überzeugt, dass es sich um einen Laborunfall handelt. Aber wer steckt hier hinter dieser alternativen Meinungsfindung? Welche Wissenschaftler hinter welchen Geheimdiensten vertreten welche These und warum debattiert man es nicht öffentlich und gemeinsam aus?

Von der Verschwörungstheorie zum Mythos

Immerhin, diese Frage ist pauschal leicht zu beantworten: Weil beide Thesen unterschiedliche Interessen bedienen. Welche genau, dürfte die große Frage sein.

Interessant ist, dass alle Geheimdienste laut BR darüber einig sein sollen, „dass es sich bei SARS-CoV-2 um keine biologische Waffe handelt“.

Demgegenüber aber sollte Shi Zhengli, die Leiterin des Wuhan-Labors, wiederum beteiligt werden an besagtem, nicht genehmigten Forschungsprojekt des US-Verteidigungsministeriums.

Die ZEIT schrieb am Mittwoch dieser Woche: „Die Indizien, dass das Coronavirus aus dem Labor in Wuhan entwichen ist, mehren sich. Lange wollte dies im Westen kaum jemand für möglich halten – weil es nicht ins Weltbild passte.“

Rückblickend schon kurios, wie die ZEIT – ausgerechnet am 1. April des vergangenen Jahres – einen  Experten für Verschwörungstheorien interviewte, der erklären durfte:

„Für eine Verschwörungstheorie typisch ist, dass bei der Präsentation solcher Argumentationen Gegenmeinungen etablierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weggelassen beziehungsweise als abwegig hingestellt werden. Dennoch handelt es sich für mich noch nicht um eine Verschwörungstheorie, sondern um eine problematische wissenschaftliche Meinung.“

Verschwörungstheorie, Mythos oder „problematische wissenschaftliche Meinung“ – die Begriffsjongleure schmeißen erst ihre Bälle in die Luft und stellen anschließend fest, dass sie sich in Corona-Fragen von staatlichen Institutionen einen Maulkorb haben verpassen und die Hände auf dem Rücken haben fesseln lassen.

Wenn der Experte der ZEIT aber 2020 feststellt, ein Element der Verschwörungstheorie sei, dass „Gegenmeinungen etablierter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weggelassen beziehungsweise als abwegig hingestellt werden“, müssten dann nicht heute jene die Bundesregierung vom Beginn der Pandemie an beratenden Wissenschaftler und selbsternannten Experten – von Drosten über Wieler bis hin zu Lauterbach –, müssten diese Herren dann nicht ihrerseits als Verschwörungstheoretiker gelten?

Noch im Juni 2021 befand Regierungs-Chefberater Christian Drosten die Laborthese für unwahrscheinlich, man könne doch einen Virus nicht einfach in eine Glasschale legen „und schon macht man damit irgendwelche Experimente“. Diese Idee wäre unwahrscheinlich, so erzählt es Drosten, als erkläre er einem Vierjährigen die Sache mit dem Kinderkriegen immer noch über den Klapperstorch, weil er es pädagogisch nicht anders gelernt hat.

Faktenfinder als Verschwörungstheoriemaschine

Schauen wir zuletzt noch auf diese berüchtigten Faktenfinder. Also auf jene Instrumente, die heute so schön geeignet sind, seriöse Wissenschaft mit ideologischem Halbwissen zu verbrämen und über das Instrument regierungsnaher Sender zu diffamieren, zu denunzieren und zu diskreditieren.

Ein perfektes Beispiel dafür lieferte ein Faktenfinder der Tagesschau von Februar 2021 unter der Überschrift: „Kaum Belege für Labortheorie“. Beinahe der gesamte Artikel ist – und das ist schockierend – nichts weiter als der Versuch, die Arbeit eines vielfach ausgezeichneten Professors der Universität Hamburg gezielt zu diffamieren.

So führt der sogenannte Faktenfinder der Tagesschau eine Reihe teils waghalsiger Kritiken auf, um dann entlang der in der Überschrift des Artikels formulierten These zu befinden: „Trotzdem nimmt er für dessen Arbeit in Anspruch, dass sie ‘angesichts der Bedeutung der Thematik faktenbasiert‘ informiere.“

Aber das alles genügte den selbsternannten Faktenfindern noch nicht, mittlerweile wurde noch ein Absatz an den Text gehängt, der klingt, als hätte man dem zuvor Aufgehängten sicherheitshalber noch in den Kopf schießen wollen:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir die Dokumentation als „Studie“ bezeichnet. Da die Publikation formalen wissenschaftlichen Anforderungen aber nicht genügt, haben wir uns entschlossen, den Begriff zu ändern.

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: Shutterstock
Text: wal

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