Samuel Paty 18. September 1973 - 16. Oktober 2020

Von Alexander Wallasch

Bei Paris wurde heute vor einem Jahr ein Lehrer auf offener Straße enthauptet. Das Opfer hat einen Namen: Samuel Paty. Dem Geschichts- und Geografielehrer wurde mitten auf der Straße der Kopf abgeschnitten, der 18-jährige Täter von der Polizei anschließend, beim Versuch ihn festzunehmen, erschossen.

Der Mord an Samuel Paty war das fünfte islamistische Attentat in Frankreich im Jahr 2020, der Täter tschetschenischer Herkunft.

Warum wurde Paty vor einem Jahr auf so grausame Art und Weise ermordet (Eine Aufnahme seines abgetrennten Kopfes war kurz nach dem Attentat im Internet abrufbar)? Der Lehrer hatte die Courage, seinen Schülern im Unterricht etwas über Meinungsfreiheit zu erzählen und sie zum selbstständigen Denken anzuregen. Unter ihnen auch viele muslimische Jugendliche.

Dafür zeigte Samuel Paty im Unterricht exemplarisch die Mohammed-Karikaturen, so, wie sie die Zeitschrift Charlie Hebdo vor den islamistischen Attentaten auf das Redaktionsbüro gedruckt hatte, woraufhin zwölf Menschen den Tod fanden, darunter fünf Karikaturisten der Zeitschrift, einschließlich des Herausgebers.

Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte kurz nach der Hinrichtung Patys: „Einer unserer Mitbürger wurde heute ermordet, weil er lehrte, weil er Schülern die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben lehrte.“

Heute jährt sich der Mord an Samuel Paty zum ersten Mal. Ganz Frankreich erinnert deshalb an den mutigen Lehrer, der seinen Job einfach nur ernst nahm.

Tagesschau-Online war noch einmal am Ort des Mordes und beschreibt, wie es dort ausschaut. Rosa Plastikblumen wären in einen Holzzaun gesteckt, ein Zettel mit einer Solidaritätsadresse anbei: „Je suis prof“ – Ich bin Lehrer.

Die direkten Kollegen von Paty würden schweigen, sie hätten die Journalisten gebeten, keine Interviews zu verlangen. Auch das gehört also zur Wahrheit dazu: Die Angst hat auch hier einen Sieg errungen, es war eine Schülerin, welche Lügen über Samuel Paty erzählt hatte, woraufhin sich der Vater der Schülerin im Internet beschwert und letztlich den Täter auf die Fährte schickte wie ein mordsüchtiges Tier.

Neunundzwanzig Imame beteiligten sich gestern an den Schweigeminuten für Paty. Unter ihnen auch der Rektor der Großen Moschee von Paris. Ihm fällt es schwer, zu begreifen, sagt er, „dass ein Mann, ein Barbar, einen Menschen, einen Lehrer im Namen unseres heiligen Buches enthauptet hat“. Der Islam sei Frieden, sagt wer noch? So ein Mord im Namen des Propheten ist undenkbar.

Das hört man und denkt sich wohl gleichzeitig, wo war dieser Imam, als noch ganz andere Verbrechen von Islamisten begangen wurden? Wie viele Imame gibt es in Frankreich? Die Neue Zürcher Zeitung schrieb noch im August dieses Jahres darüber, dass der Kampf gegen fundamentalistische Prediger ein Hauptanliegen der französischen Regierung geworden sei.

Gleichzeitig haben sich die islamischen Verbände Frankreichs Anfang 2021 auf eine Wertecharta für die Ausbildung von Imamen verständigt. Dazu gehört die Achtung demokratischer Werte und die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Aber was ist das alles wert, wenn von mutmaßlich tausenden Imamen in Frankreich gerade einmal 29 ihre Solidarität mit den Ermordeten zeigen? Oder bezieht sich die Zahl nur auf jene aus dem Umkreis von Paris? Dann müsste es aber entsprechende Solidaritätsadressen auch überall sonst im Land geben.

Und warum eigentlich nicht in ganz Europa? Als in den USA ein krimineller Afroamerikaner während einer brutalen Festnahme verstarb, wurde daraus eine Bewegung, die als „Black Lives Matter“ einmal um die Welt ging und bis heute ihre Spuren hinterlässt in den vorwiegend von Weißen geprägten und bewohnten westlichen Gesellschaften.

Überall und nirgends wird nun Rassismus verortet, Unternehmen bedienen sich in ihren Publikationen und Werbeprospekten dunkelhäutiger Menschen als Aushängeschilder, als könne man sich damit gegen die Vorwürfe immunisieren. Und eine junge farbige Frau wird Sprecherin der Grünen Jugend, für sie leben wir in Deutschland in einer „ekligen weißen Mehrheitsgesellschaft“. Auch daran fühlt man sich gerade erinnert.

Im französischen Bildungsministerium wurde eine Gedenktafel für Paty enthüllt. Frankreichs Premierminister Jean Castex sagte dazu, die Erinnerung an Samuel Paty müsse immer wachgehalten werden. Sein Tod sei ein Angriff auf die Republik gewesen.

Aber was wäre das für ein Zeichen gewesen, wenn deutsche Spitzenpolitiker sich hier eingebracht und diesen Tod auch zu einem Angriff auf Deutschland und Europa erklärt hätten?

Auch ein nach dem ermordeten Lehrer benannter Platz gegenüber der Pariser Sorbonne wurde am Freitagabend eingeweiht. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron trifft sich heute mit den Angehörigen des Ermordeten. Noch bewegender allerdings mag das Engagement vieler Schulkinder in ganz Frankreich sein, die am gestrigen Freitag für Samuel Paty gesungen haben an vielen Schulen im ganzen Land. Die Welt zeigt Ausschnitte aus Interviews mit diesen Schulkindern, die offen über ihre Emotionen sprechen.

Die Journalistin und Bloggerin Anabel Schunke schreibt heute auf Facebook, Paty wurde enthauptet, „weil die europäische Wertegemeinschaft ihn nicht vor den Tätern geschützt hat.“ Und Schunke erinnert an „die Kommentare von vermeintlich integrierten Muslimen aus Deutschland damals unter den Nachrichtenartikeln“. Wer die gelesen hätte, der wüsste, „wie nah auch das barbarische Zeitalter des religiösen Fanatismus bei uns ist. Ruhe in Frieden“. Schunke endet mit einem Bekenntnis: „Je suis prof“.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb kurz nach dem Attentat an den französischen Präsidenten u.a.: „Wir alle sind dafür verantwortlich, für Toleranz und Meinungsfreiheit einzustehen.“

Wer aber für etwas verantwortlich zeichnet, der sollte bedenken, dass er am Ende notwendigerweise auch die Verantwortung übernehmen muss. Samuel Paty ist einer von uns. Und täglich werden wir in den Polizeinachrichten in ganz Europa daran erinnert, wer nicht zu uns gehört. Aber auch dafür gibt es Verantwortliche. 

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!

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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine.

Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann), schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: screenshot Greek City Times
Text: wal

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