Der Tod des Kaisers und die Scheinheiligkeit des DFB Abschied von Franz Beckenbauer

Von Kai Rebmann

Franz Beckenbauer ist tot! Der „Kaiser“ starb nach langer Krankheit am Sonntag im Kreise seiner Liebsten in seiner Wahlheimat Salzburg. Deutschlands wohl größter Fußballer aller Zeiten, der das Spiel nicht nur geprägt, sondern ein gutes Stück weit auch verändert hat, wird vielen nicht zuletzt auch als Vater des „Sommermärchen“ in Erinnerung bleiben; als der Mann, der die WM 2006 quasi im Alleingang nach Deutschland geholt hat.

Ironie der Geschichte: Eben dieses Turnier – genauer gesagt, die Begleitumstände drumherum – sollten den Anfang vom Ende der einstigen Lichtgestalt des Fußballs einläuten. Nach Bekanntwerden der „WM-Affäre“ begannen selbst langjährige Weggefährten und „Mitwisser“ nach und nach von Beckenbauer abzurücken, nicht zuletzt, um ihre eigene Haut – und ihre Plätze an den lukrativen Trögen – zu retten. Aber dazu später mehr.

Doppeltes Spiel des DFB

Praktisch sofort, nachdem am Sonntag die ersten Meldungen über den Tod von Franz Beckenbauer über die Ticker gelaufen waren, überschlugen sich die Medien mit ihren Huldigungen an den „Kaiser“ geradezu – und das grundsätzlich völlig zurecht. Allein die Aufzählung der sportlichen Erfolge und gesellschaftlichen Verdienste würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Aber: Es sind dieselben Medien, die dafür gesorgt haben, dass sich Franz Beckenbauer in den letzten Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, was eigentlich so gar nicht seinem Naturell entsprach. Er hatte bekanntlich ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und machte daraus auch nie einen Hehl.

Offiziell waren es gesundheitliche Probleme, die aber zu einem nicht geringen Teil auch auf die „Kampagne“ – ja, so kann und muss man es wohl nennen – zurückzuführen sein könnten, die ab dem Bekanntwerden des „Skandals“ um die WM 2006 gegen ihn gefahren wurde. Belegen lässt sich das natürlich nicht, aber es ist durchaus naheliegend. Hinzu kam der Tod seines Sohnes Stefan im Jahr 2015, den Beckenbauer nie wirklich verwunden hat.

Spätestens im Zuge der WM 2006 – deren Vergabe nicht mehr oder weniger unsauber abgelaufen ist, wie alle anderen Vergaben in den letzten Jahrzehnten auch – geriet Beckenbauer in schweres Fahrwasser.

Der Nachruf von DFB-Präsident Bernd Neuendorf indes ist besonders schwer verdauliche Kost: „Mit Hochachtung und großer Dankbarkeit blicken wir auf sein Lebenswerk […] Seine Akribie und Ausstrahlung als Teamchef sowie seine Energie und Tatkraft als Chef des WM-OK sind unvergessen. Franz Beckenbauer hinterlässt ein großes Vermächtnis für den DFB und den Fußball insgesamt.“

Fakt ist: Derselbe DFB hat im Zuge der WM-Affäre versucht, sich an Beckenbauer reinzuwaschen und den „Kaiser“ nicht nur im Stich gelassen, sondern ihn juristisch verfolgt bzw. verfolgen lassen. Ganz nach dem Motto: „Konnte ja keiner wissen, dass die WM gekauft war. Wir haben von alledem nichts gewusst, zumal die FIFA ganz grundsätzlich ja für ihre transparente und stets integre Arbeitsweise bekannt ist.“

Anstatt Beckenbauer im Zuge der WM-Affäre jeden erdenklichen Beistand zu leisten – nicht zuletzt juristischen – zog der DFB selbst alle Register, um mit möglichst weißer Weste aus der Sache herauszukommen. So wurden seitens des DFB Ende 2015 zum Beispiel diverse Güteanträge bei der in Hamburg ansässigen Öffentlichen Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle eingereicht – um die Verjährung möglicher Schadenersatzansprüche gegen Beckenbauer zu verhindern. Wie gesagt, beim DFB wusste man vom Stimmenkauf selbstverständlich nichts.

Ohne Beckenbauer hätte es weder die WM-Titel 1974 (als Spieler) und 1990 (als Teamchef) noch das Sommermärchen gegeben. Es mag nicht jedem gefallen und man muss es auch nicht gutheißen, aber um die WM 2006 nach Deutschland zu holen, machten Beckenbauer und seine Mitstreiter schlicht und einfach das, was dazu notwendig war. Und Geld – und davon möglichst viel – ist nunmal das Argument, das bei der FIFA schon immer am besten gezogen hat.

Ja, zur Wahrheit gehört auch, dass sich Beckenbauer gerade in Steuersachen – wie auch finanziellen Angelegenheiten allgemein – nicht immer ganz korrekt verhalten hat. Diese „lästigen Sachen“, wie er es gerne nannte, ließ der „Kaiser“ lieber andere für sich regeln und musste damit letztlich ähnliche Erfahrungen machen wie etwa ein Boris Becker.

Aber gerade wenn es um die durchaus dubiosen Geschäfte in den 2000er-Jahren – hier insbesondere die Kredit-Kungelei mit dem damaligen Adidas-Chef Robert Louis Dreyfuß – geht, nimmt man es Beckenbauer jederzeit ab, dass hier nicht der Eigennutz im Vordergrund stand, sondern einzig und allein das Interesse, die WM 2006 nach Deutschland zu holen. Diese Leistung ist umso höher zu bewerten, zumal der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter das Turnier unter der Hand eigentlich schon Nelson Mandela und Südafrika versprochen gehabt hatte.

Als bittere Erkenntnis bleibt wohl: Die einstige Lichtgestalt des deutschen Fußballs ist am Sonntag als vergleichsweise einsamer Mann gestorben – daran ändern auch die jetzt allseits angestimmten Lobeshymnen nichts!

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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.

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