Desaster in München: Söders CSU bricht in Umfragen ein „Mir blutet mein schwarzes Herz“

Von Gregor Amelung

Wenn es um die kommende Bundestagswahl geht, dann gibt sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gerne den Anschein, dass mit ihm als Kanzlerkandidaten alles anders, alles besser laufen würde für die Union. So erklärte der Bayer Ende Juni, als CDU/CSU ihr Wahlprogramm vorstellten, es sei ein „schweres Regierungsprogramm“ wie „so ein Flugzeugträger“. Daneben werde es von seiner CSU noch ein „Schnellboot“ mit „speziellen Mobilisierungsideen“ geben.

Ende Juli analysierte er dann auf einer CSU-Vorstandsklausur am Tegernsee, die „Union“ habe sich inzwischen „stabilisiert“, aber „es ist noch massiv Luft nach oben“. Man müsse in den kommenden Wochen zeigen, „dass es nicht nur darum geht, sich mit Schlafwagen ins Kanzleramt zu fahren“. Das verstanden nicht wenige als einen direkten Seitenhieb Richtung Armin Laschet, der als Kanzlerkandidat keine besonders glückliche Figur ablieferte. „Wir müssen schon mobilisieren“, mahnte deshalb der, der sich ohnehin für den besseren Kandidaten hält.

Verliebt in einen Schein-Riesen

Die Mär von der Wahlkampf-Maschine Markus Söder nährten auch zahlreiche Artikel, die sich mit den schwachen Beliebtheitswerten von Laschet auseinandersetzten. Andere, die sich fragten oder zu erklären versuchten, warum man Laschet und Söder nicht austauschen könnte – teilweise mit einer zusätzlichen Erörterung zu Baerbock und Habeck versehen –, untermauerten den Eindruck, dass der Bayer der bessere Kandidat gewesen wäre. Und das, obwohl der am 16. März 2018 im Münchener Landtag zum Ministerpräsidenten gewählte Markus Söder in der Landtagswahl vier Monate später keineswegs brilliert hatte. Und auch danach verliefen seine Umfragewerte und die der Gesamtunion eigentlich parallel. Auch das extreme „Hoch“ in der Wählergunst in der ersten Phase der Corona-Krise 2020 war ein gemeinsames Erlebnis von CDU und CSU, in dem eben kein spezieller Bonus für den „Krisenmanager“ aus München auszumachen ist.

Trotzdem haben sich Markus Söder und mit ihm viele Medienvertreter in den bayerischen Schein-Riesen verliebt. Selbst als der Bayern-Trend des Bayerischen Rundfunks (BR) am 2. Juli einen Absturz der Umfragewerte der CSU gegenüber dem Januar von 12 Prozent gemessen hatte, was weit über den Trend der Gesamtunion hinausging, blieb es medial bei dieser Einschätzung. Auch der Bayern-Trend selbst schrieb sein Umfrageergebnis entschärfend klein. Dort hieß es: „CSU mit Verlusten – Keine Wechselstimmung – Zufriedenheit mit Ministerpräsident Söder ungebrochen hoch“.

Das war’s. Und so blieb Armin Laschet das Problemkind in den Gazetten.

Experte: Mit Söder Union ohne Schwierigkeiten wieder im Kanzleramt

Noch am 8. September fragte man beim Nachrichtensender ntv: „Können Laschet und Baerbock noch ausgetauscht werden?“ Weiter heißt es in dem Artikel: „’Mit Söder hätte die Union überhaupt keine Schwierigkeiten gehabt, wieder das Kanzleramt zu besetzen’, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner Mitte August. ‚Mit Laschet schon.’ Das von Forsa ermittelte aktuelle RTL/ntv-Trendbarometer [vom 7. September] zeigt: Wäre Söder Kanzlerkandidat der Union, würden sich im Falle einer – wenn auch theoretischen – Direktwahl 38 Prozent der Wähler für ihn entscheiden – viermal mehr als für Laschet.“

Das wirkt fürwahr ziemlich theoretisch – und konstruiert, denn dafür bräuchte man nicht nur eine Direktwahl des Kanzlers in Deutschland, sondern auch eine präsidiale Staats- und Regierungsform so wie etwa in Frankreich. Dort müsste Söder dann mit seinen 38 Prozentpunkten sehr wahrscheinlich gegen Olaf Scholz in einer Stichwahl antreten. Würde er auch die gewinnen, müsste er dann als Kanzler womöglich mit einer rot-grün-roten Mehrheit im Parlament regieren.

Darüber hinaus hatte bereits einen Tag vor der ntv-Analyse „SAT.1 Bayern“ in seinem neusten „Wählercheck“ ermittelt, dass die Christsozialen offenbar nur noch für magere 29 Prozentpünktchen bei der Bundestagswahl gut seien. Einen Tag später legte der etwas offiziellere Bayern-Trend vom BR nach und kam nur noch auf 28 Prozent.

Laschet ist „Mühlstein um den Hals der CSU“

Und obwohl auch diese Verluste parallel zu den Bewegungen bei der Gesamtunion verlaufen waren, titelte die Süddeutsche aus München „CSU stürzt in die Laschet-Krise“, so als habe die eine Schwester die andere mit in den Abgrund gezogen.

Quelle: Wikipedia; www.infratest-dimap.de; Der Spiegel und der dortige „Durchschnitt zeitnaher Umfragen. Bundestagswahl 2013 Zweitstimmen (Erststimmen CSU 53,9%); Bundestagswahl 2017 Zweitstimmen (Erststimmen CSU 44,2%); Landtagswahl 2018 Zweitstimmen (Erststimmen 36,7%).

„Mir blutet mein schwarzes Herz“, so die Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen Elisabeth Koch, die für das erlittene Leid bereits den Schuldigen ausgemacht hatte: „Die Umfragen sagen deutlich: Laschet ist nicht der richtige Kandidat.“ Zu einer ganz ähnlichen Analyse kam auch BR-Wahlexperte Andreas Bachmann: „Es hat den Eindruck, Armin Laschet hängt wie ein Mühlstein um den Hals der CSU und zieht die Partei immer weiter nach unten.“ Die CSU schaffe „es nicht, sich vom Bundestrend abzukoppeln“, so Bachmann weiter in der Süddeutschen am 8. September.

Söders Beliebtheit strahlt offenbar deutlich mehr auf die Medien selbst als auf die Wähler ab, denn eigentlich sind die Zahlen seiner CSU seit seinem Amtsantritt 2018 genauso „Luschet“ wie die von „Laschet“.

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Der Autor ist in der Medienbranche tätig und schreibt hier unter Pseudonym.

Bild: Shutterstock
Text: Gast

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