Doppelimpfung jetzt in vielen Fällen keine „vollständige Impfung“ mehr Hammer-Aussagen von Kanzleramtschef Helge Braun

„Ein kleiner Pieks“ oder „zwei kleine Piekse“, und man ist sicher und kann vor allem auch wieder ein halbwegs normales – oder sagen wir lieber normaleres – Leben führen. Das war bislang der Katechismus der Impf-Werber in Politik und Medien. Wiederholt und in Dauerschleife. Und jetzt das. Nicht nur, dass Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kurz vor seinem Abschied in den Bundestag ein 2G-Plus ins Spiel bringt – mit anderen Worten einen Testzwang auch für Geimpfte und Genesene. Merkels unscheinbarer Hausverwalter, Kanzleramtschef Helge Braun (CDU), erklärte jetzt in Bild-Live, dass zwei Piekse heute „nicht mehr vollen Impfschutz“ bedeuten, wie die Zeitung seine Aussagen zusammenfasst: „Braun bestätigte das am Morgen bei Bild-Live und führte aus: ‘Vollständig geimpft zu sein bedeutet, dass man einen sehr guten Schutz davor hat, schwer an Corona zu erkranken oder gar daran zu versterben. Aber, wenn die vollständige Impfung – also in der Regel zwei Impfungen – länger als sechs Monate her ist, sehen wir immer mehr Impfdurchbrüche, gerade bei Älteren.‘“

Leider wird die Schlüsselfrage nicht gestellt, oder zumindest in dem Artikel der „Bild“ nicht erwähnt: Muss das dann nicht auch logischerweise bedeuten, dass die Privilegien für die Geimpften wegfallen, wenn zumindest in vielen Fällen die Doppelimpfung keinen guten Schutz mehr bietet? Denn nur damit sind die Sonderrechte – die man ja kategorisch nicht als solche bezeichnen darf – zu rechtfertigen.

Das „Boostern, also die dritte Impfung“ sei „nicht etwas, das man vielleicht mal machen sollte, sondern dringend notwendig – gerade bei Älteren oder Menschen, die viel Kontakt zu anderen hätten“, schreibt Bild unter Berufung auf Merkels Getreuen. Braun machte demnach deutlich: „Wir haben gerade die glückliche Situation, dass wir wirklich genügend Impfstoff für Erst-, Zweit- und Booster-Impfungen haben.“  Leider würden viele Hochbetagte glauben, dass ihr Schutz noch ausreiche.

Braun erläuterte dann weiter: „Ein Großteil unserer Bevölkerung ist im Juni oder Juli mit der Impfung fertig geworden – deshalb gilt für sie der vollständige Impfschutz mit zwei Impfungen noch.“ Bei den Älteren sei die Situation eine andere, denn bei vielen sei die zweite Impfung schon deutlich länger her. Dort müsse man schnell handeln, so Braun. Auch hier haken die Kollegen offenbar leider nicht weiter nach. Denn im Umkehrschluss legt diese Aussage von Braun nahe, dass auch der „Großteil der Bevölkerung“ eine Auffrischungsimpfung benötigen wird — nur eben etwas später. Das drängt dann die Folgefrage auf: Wie oft wird die Auffrischung nötig sein? Wie bei der Grippeimpfung immer wieder aufs Neue? Sind wir mittendrin in einer Dauer-Impfschleife?

„Was mich ehrlich gesagt irritiert: Wir haben im August auf der Gesundheitsministerkonferenz zwischen Bund und Ländern vereinbart, dass diese dritte Impfung erforderlich ist. Und erst jetzt, wo die Zahlen wieder steigen, merken alle, welche Dringlichkeit dahintersteht“, kritisiert Braun. Auf die Frage, ob er es immer gewusst habe, dass eine dritte Impfung nötig sei, antwortete Braun: „Ja.“ Warum wurde es dann so oft ganz anders kommuniziert? 

Braun, gelernter Arzt, lügt in dem Interview ganz offen: „Das ist ein Super-Impfstoff … gerade die mRNA-Impfstoffe retten uns ja … Schwere Verläufe, das ist unser eigentliches Problem … das entsteht da, wo nicht geimpft wird. Der Impfstoff ist super, die Leute sind gut geschützt.  Wenn alle geschützt wären, hätten wir keine schweren Verläufe.“ Ein einfacher Blick auf die Statistiken des Robert Koch-Instituts entlarvt diese Aussage als Lüge. Denn es gibt eben Impfdurchbrüche, und auch Fälle, in denen Geimpfte an oder mit COVID-19 sterben. Der MDR schreibt: „Schon die klinischen Tests haben gezeigt, dass keiner der Impfstoffe zu 100 Prozent vor einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 schützt. Zwar hieß es dann oft, dass eine Impfung zu 100 Prozent schwere Verläufe oder sogar Sterbefälle verhindern könne. Aber das gilt vor allem für normale, weitgehend gesunde Patienten.“ Das sind aber genau die, die auch ohne Impfung in der Regel keinen schweren Verlauf haben.

Der Interviewer widerspricht und spielt eine Aussage des Chefs der Uni-Klinik Leipzig ein: Der erzählt, dass von seinen 18 Intensiv-Patienten 8 geimpft sind, und auf der Normalstation mehr Geimpfte als Ungeimpfte sind. Zitat: „Auch die Geimpften stellen eine nicht unerhebliche Gefahr dar.“ Dazu Braun: „Das hatten wir schon in Großbritannien. Aber wir müssen sehen, der Anteil der Geimpften in unserer Gesellschaft ist viel, viel größer. Und wenn ein Anteil von denen – und die Impfwirkung, das stimmt, die ist nicht 100 Prozent, sondern je nach Altersgruppe 80 bis 90 Prozent.“ (Stilfehler aus dem Original übernommen). 

Weiter führte der Arzt aus, er habe diese Entwicklung, dass auch Geimpfte erkranken, erwartet: „Wenn man von einer Impf-Erfolgsquote von 90 Prozent ausgeht, muss man sagen: Auch zehn Prozent, häufig die Älteren oder schwer Erkrankten, werden einen Verlauf haben, der möglicherweise auch ins Krankenhaus führt. Wenn ein großer Teil der Bevölkerung geimpft ist, dann kann man auch die Zahl derer im Krankenhaus nicht vernachlässigen.“

Stopp! Wie bitte? Zehn Prozent der Geimpften werden einen Verlauf haben, der sie ins Krankenhaus führt? Dann müsste Braun nun der Ehrlichkeit halber anführen, wie hoch die Hospitalisierungsquote bei Nicht-Geimpften ist. Blicken wir einmal auf die offiziellen Daten von Statista: Die zeigen für Kalenderwoche 42/2021 96.346 positiv Getestete. Davon mussten 3.141 hospitalisiert werden. Das sind 3,2 Prozent. Nochmal der Anschaulichkeit halber: Braun spricht von 10 Prozent Hospitalisierungsrisiko für Geimpfte, wobei das für die Gesamtbevölkerung bei 3,2 Prozent liegt.

statista.de

Nun neigen wir alle dazu, einmal Zahlen zu verdrehen und uns unglücklich auszudrücken – ich weiß, wovon ich rede. Aber wenn diese Aussage so nicht stimmt, ist es ein derart grober Schnitzer, dass Braun bzw. das Kanzleramt hier eiligst mit einer Korrektur kommen sollten. Bislang war eine solche nicht zu vernehmen. Ich frage deshalb einen befreundeten Chefarzt und legte ihm die beiden obigen Absätze zur Beurteilung vor. Der Mediziner übernahm für seinen Kollegen Braun das, was er selbst machen müsste – die Korrektur seiner Aussagen: „Nun, ein Hammer ist dies schon. Habe ich heute Morgen auch bei bild.de gelesen. Aber: die 10 Prozent beziehen sich auf die Erfolgsquote der Impfung. Ca. 10 Prozent, so meint er, sind Impfversager. Unter diesen sind die Älteren und Jüngeren, die schwer erkranken und möglicherweise auch ins Krankenhaus müssen. Also nur ein Teil der 10 Prozent.“ 

Beachtlich, dass wir von Politikern in diesen schweren Zeiten geführt werden, die erstens solche gravierenden Fehler machen – was aber wie gesagt jedem passieren kann – diese dann aber nicht korrigieren.

Der Chefarzt und Professor ergänzte noch, dass es in der Tat richtig sei, die Gegenfrage zu stellen, wie hoch die Hospitalisierungsquote bei Nicht-Geimpften ist: „Wie viele der Nicht-Geimpften müssen ins Krankenhaus? Ich glaube, hierüber liegen genaue Zahlen nicht vor. Aber: bei den positiv Getesteten wissen wir auch, dass so viele symptomatische Menschen sich gar nicht testen lassen. Daher ist die Grauzone viel größer.“

Weiter schrieb mir der Chefarzt im Chat: „Wir wissen ja aus den ersten Wellen dieses Virusauftretens, dass es sehr viele symptomlos infizierte Menschen gibt. Der positive PCR-Test macht diese Menschen ja erst ,krank‘. Obwohl sie gar nicht krank sind. Hätten wir früher bei der Grippe auch einen Test gehabt, so hätten wir ganz Deutschland bei den großen Grippeepidemien in Quarantäne schicken müssen. Doch es war stets nur eine klinische Diagnose. Stimmten Jahreszeit und Symptome, so war es eine Grippe. Die Patienten wurden stationär aufgenommen, und da die Kliniken so voll waren, lagen sie auch auf den Fluren. Dieses Bild hat jeder Arzt oder Schwester und Pfleger in unseren Kliniken gesehen. Da lief auch keiner mit Mundschutz herum oder isolierte diese Patienten.“

PS: Wetten, dass die so genannten, steuer- und gebührengeförderten „Faktenchecker“ Brauns Aussagen nicht auseinander nehmen werden? Warum wohl? 

PS: Der bereits zitierte Chefarzt schickte mir noch eine „Nachreichung“:
„Eventuell bezog sich Herr Braun auf Tabelle 4 im aktuellen Wochenbericht des RKI (siehe hier, Seite 22): Hier steht, dass 9,8 Prozent der Menschen, die kumuliert seit KW4 bei einem Alter über 60 Jahren verstorben sind, wahrscheinliche Impfdurchbrüche sind. Da hätten wir die 10 Prozent von Herrn Braun. Er hat die Tabelle aber ggf. nicht zu Ende gelesen oder sie einfach nicht verstanden. Er darf sich die Zahlen auch nicht aus dem Kontext herausholen. Eine Spalte weiter sehen wir nämlich, dass in der KW 39-42 nur 45 Prozent der Gestorbenen (ab 60 Jahre) eine Angabe zum Impfstatus hatten. Dies ist dann schon erschreckend…“

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