GIZ arbeitet fieberhaft daran, 1.000 Familien zu evakuieren Der lange Arm der Taliban: GIZ löscht Internetseiten

Von Alexander Wallasch

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) war in Afghanistan sehr präsent: Die glücklichen Schülerinnen sprechen für sich. Jetzt ist alles vorbei – selbst die Internetseiten der Projekte wurden aus Sicherheitsgründen gelöscht.

Noch im März hieß es, etwa 300 Ortskräfte würden derzeit für die Bundeswehr in Afghanistan arbeiten. Gegenüber der Deutschen Presseagentur betonte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) damals:

„Wir reden hier von Menschen, die zum Teil über Jahre hinweg auch unter Gefährdung ihrer eigenen Sicherheit an unserer Seite gearbeitet, auch mitgekämpft haben und ihren persönlichen Beitrag geleistet haben. Ich empfinde es als eine tiefe Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland, diese Menschen jetzt, wo wir das Land endgültig verlassen, nicht schutzlos zurückzulassen.“

Heute, fast ein halbes Jahr später, klingt das nur noch wie Hohn: Der „tiefe[n] Verpflichtung“ ist man nicht nachgekommen, die Evakuierung scheiterte oder ist vollkommen ungewiss auf Grund einer fatalen Fehleinschätzung der Bundesregierung hier insbesondere des Außen- und Verteidigungsministeriums.

Und wo zunächst von 300 Personen die Rede war, sind es mittlerweile mehr als zehnmal so viele Ortskräfte, die nach Deutschland ausgeflogen werden sollen. Menschen, die sich um die Verpflichtung der Deutschen ihnen gegenüber betrogen fühlen.

Hilfe ist aber weiterhin unerlässlich. Allerdings gehört es hier zur Wahrheit dazu, dass die Bundeswehr und andere deutsche Organisationen zunächst einmal Helfer der Afghanen gewesen sind. Das Projekt hieß Wiederaufbau und Demokratisierung des Landes. Hier ging es in erster Linie – zumindest theoretisch – nicht darum, dass die Afghanen uns behilflich sein sollten, sie halfen sich auch immer selbst.

Eine deutsche staatliche Organisation war hier besonders aktiv: Die GIZ, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Es ist eines der ganz großen Trauerspiele, wie viele ambitionierte und mit umfangreichen Mitteln ausgestattete Projekte jetzt im Handstreich in nur wenigen Tagen von den Taliban weggewischt wurden und möglicherweise auch niemals mehr reaktiviert werden können.

Es ist furchtbar, aber auch die Zeugnisse dieser Zusammenarbeit wurden weggewischt gleich einem virtuellen Bildersturm – so, als wären die Projekte selbst verschwunden. Wie uns ein Mitarbeiter der GIZ bestätigte, wurden alle relevanten Internetseiten GIZ/Afghanistan gelöscht. Damit sollen die in den Projekten involvierten Personen vor Ort geschützt werden.

Der lange Arm der Taliban reicht also über Bande schon bis nach Deutschland. Und natürlich ist es vollkommen richtig, dass die GIZ hier so sorgsam reagiert, hoffentlich reagieren alle in Afghanistan involvierten Organisationen ebenso.

Die GIZ bemüht sich aktuell intensiv, ihre Leute zu schützen und in Sicherheit zu bringen. Reitschuster.de ist daher dankbar, eine Reihe von Fragen heute am Vormittag noch exklusiv von einer Sprecherin der GIZ beantwortet bekommen zu haben. Hier die Antworten:

„Am Sonntag, 15. August, sind die Taliban in die afghanische Hauptstadt Kabul eingedrungen und haben die Macht übernommen. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani hat das Land verlassen. Angesichts dieser Entwicklungen hat Deutschland seine Botschaft in Kabul geschlossen und alle Deutschen zur sofortigen Ausreise aufgefordert.

Für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hat die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter höchste Priorität. Sie hat umgehend die Ausreise ihrer sogenannten entsandten Mitarbeitenden – deutsche und internationale – organisiert. Alle 13 entsandten Mitarbeitenden haben das Land inzwischen verlassen.

Thorsten Schäfer-Gümbel, GIZ-Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor: „Die Sicherheit unserer nationalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Familien vor Ort hat für uns absolute Priorität. Alle unsere Anstrengungen sind darauf gerichtet, Kolleginnen und Kollegen so schnell und sicher wie möglich ausfliegen zu lassen.“

Bis Montag, 16.8., 12:00 Uhr, haben knapp 700 afghanische Kolleginnen und Kollegen ihre Ausreise für sich und ihre Kernfamilien beantragt. Diese Anmeldungen legt die GIZ dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gesammelt zur Genehmigung vor, diese werden bei der Ausreise zum Personalabgleich herangezogen. Derzeit beschäftigt die GIZ rund 1000 nationale Mitarbeitende in Afghanistan.

Alle afghanischen Kolleginnen und Kollegen, die aktuell bei der GIZ beschäftigt oder innerhalb der letzten zwei Jahre ausgeschieden sind, können sich für die Ausreise anmelden. Die GIZ hat ihre nationalen Mitarbeitenden über die verschiedenen Möglichkeiten informiert und unterstützt diejenigen, die mit ihren Kernfamilien ausreisen möchten, bei der Organisation. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir zum Schutz unser Mitarbeitenden und aufgrund der sich laufend ändernden Situation keine weiteren Angaben machen können.

Die Bundesregierung hat am Wochenende das Ausreiseverfahren für afghanische Ortskräfte beschleunigt: Sie hat das bisherige Ortskräfteverfahren ausgesetzt; stattdessen kommt ein Schnellverfahren ohne Prüfung der individuellen Gefährdungslage zum Tragen. Für die Ausreisenden sollen bei Ankunft in Deutschland Visa vergeben werden. Bei Fragen zu diesem Verfahren wenden Sie sich bitte an die Bundesregierung als entscheidende Stelle.

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen hat die GIZ in Abstimmung mit ihren Auftraggebern alle Projekte in Afghanistan vorerst ausgesetzt.“

Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut!
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Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

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Alexander Wallasch ist gebürtiger Braunschweiger und betreibt den Blog alexander-wallasch.de. Er schrieb schon früh und regelmäßig Kolumnen für Szene-Magazine. Wallasch war 14 Jahre als Texter für eine Agentur für Automotive tätig – zuletzt u. a. als Cheftexter für ein Volkswagen-Magazin. Über „Deutscher Sohn“, den Afghanistan-Heimkehrerroman von Alexander Wallasch (mit Ingo Niermann) schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Das Ergebnis ist eine streng gefügte Prosa, die das kosmopolitische Erbe der Klassik neu durchdenkt. Ein glasklarer Antihysterisierungsroman, unterwegs im deutschen Verdrängten.“ Seit August ist Wallasch Mitglied im „Team Reitschuster“.

Bild: timsimages.uk/Shutterstock
Text: wal
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