Hat der CIA Berlin vor Nord Stream-Sprengung gewarnt? „Es könnte dazu führen, dass das komplette politische System kollabiert“

„Wenn das stimmt und sich diese Erkenntnis durchsetzt, haben wir die größte Krise seit Bestehen der Bundesrepublik. Das brächte der AfD nicht nur zwei Prozent mehr Stimmen, sondern 15 Prozent. Scholz und sein Kabinett müssten gehen, es gäbe Neuwahlen usw. Es könnte dazu führen, dass das komplette politische System kollabiert, auch die Westbindung steht dann zur Diskussion.“

Mit diesen Worten schickte mir ein guter und kluger Freund – ausgewiesener Putin-Kritiker und Unterstützer der Ukraine – einen Link auf einen Artikel in der „Welt“, der mir zuvor entgangen war. Was bereits für sich spricht: Denn die Vorwürfe, über die in dem Text berichtet wird, sind – unabhängig von ihrem schwer einschätzbaren Wahrheitsgehalt – so ungeheuerlich, dass sie in einer funktionierenden Medienlandschaft die Schlagzeilen beherrschen würden und Tagesgespräch sein müssten. Mehr als die Vorwürfe gegen Rammstein. Doch stattdessen werden sie zwar von einigen Medien aufgegriffen, aber allesamt im „Kleingedruckten“ – unter dem Radar der breiten Öffentlichkeit.

Konkret geht es um eine weitere Recherche zur Explosion der Nord-Stream-Pipelines, die jetzt von der „Washington Post“ veröffentlicht wurde. Dem Blatt zufolge soll der US-Geheimdienst CIA schon drei Monate vor den Explosionen in den Gasleitungen zwischen Russland und Deutschland von ukrainischen Plänen für einen Anschlag erfahren haben. Und der Dienst soll auch Deutschland darüber informiert haben.

Angeblich stammen die Informationen des CIA von einem europäischen Geheimdienst. Der meldete nach Langley, an den Sitz des Geheimdienstes, „dass ein Team von sechs Angehörigen einer ukrainischen Eliteeinheit die Erdgas-Pipelines bei einem verdeckten Taucheinsatz sprengen wollten“, so die „Welt“. Das Team soll demnach direkt der ukrainischen Armeeführung unterstanden haben.

Als ihre Quelle nennt die „Washington Post“ Geheimdokumente, die offenbar durch den von US-Nationalgardist Jack Teixeira verantworteten gigantischen Leak von solchen Unterlagen an die Öffentlichkeit gelangt sind.

Jetzt Neu und nur für kurze Zeit!

Tatsächlich sind die beiden Leitungen von Nord Stream 1 und eine von zweien von Nord Stream 2 Ende September 2022 in die Luft gesprengt worden, so dass sie nicht mehr benutzbar sind. Laut „Washington Post“ waren die Täter direkt dem ukrainischen Armeechef Walerij Saluschnyj unterstellt; Präsident Wolodymyr Selenskyj sei bewusst nicht über die Pläne informiert worden. Was nach einer Schutzbehauptung klingt.

Weder die Ukraine noch der CIA noch das Weiße Haus wollten gegenüber der „Washington Post“ einen Kommentar zu der Sache abgeben. Selenskyj dementierte später: „Ich bin Präsident und ich gebe entsprechende Befehle. Nichts dergleichen hat die Ukraine getan. Ich würde nie so handeln.“

Die neue Theorie widerspricht der des US-Journalisten Seymour Hersh. Der hatte für viel Aufregung gesorgt mit seiner Behauptung, die US-Regierung sei für die Sprengung verantwortlich.

Tatsächlich kann man aktuell nur festhalten: Nichts Genaues weiß man nicht. Dass die „Washington Post“ Recht hat, ist ebenso wenig auszuschließen, wie dass das Blatt auf eine der berüchtigten „Spezialoperationen“ für Desinformation des russischen Geheimdienstes hereingefallen ist. In diesen hat Moskau in einem Jahrhundert eine Meisterschaft erreicht, die sich im Westen kaum jemand vorstellen kann.

Wie ich bereits in einem früheren Artikel ausführte, wäre für alle Verdächtigen ein Motiv auszumachen (siehe hier).

Nicht-Reaktion

Fakt ist aber: Der Bericht der „Washington Post“ müsste ein großes Thema in Deutschland sein und die Bundesregierung unter Druck setzen, sich zu erklären: Ob es die Warnungen aus den USA gab oder nicht. Und was sie wirklich weiß – und was eben nicht.

Dass es die Bundesregierung schafft, sich „durchzumogeln“ und zu schweigen, ist ein Versagen der Gesellschaft im Allgemeinen und der Medien im Besonderen – denn sie sollten eigentlich die vierte Macht sein.

Eben weil die Gesellschaft inzwischen so apathisch ist und die großen Medien mehr Propaganda-Sprachrohr der Regierung sind als deren Kontrolleure, ist auch die eingangs erwähnte Prognose meines Freundes zu bezweifeln. Selbst wenn die Bundesregierung die Öffentlichkeit bewusst belogen hätte – sie könnte im Deutschland des Jahres 2023 damit durchkommen.

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